Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Allgemeines Scheidungskinder Forum - Dies ist eine virtuelle Selbsthilfegruppe f├╝r Kinder und Eltern in allen Fragen rund um Trennung und deren Folgen.

Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 18. Februar 2016 09:07

Hallo in die Runde,

zu meinem Problem konnte ich im Forum nur ansatzweise etwas finden, bzw. Antworten darauf.
Liegt sicher nicht zuletzt an der Individualit├Ąt eines jeden Einzelfalles.
Daher nun also dieses neue Thema, mit einem dennoch sicherlich vielen bekannten, Problem:

Umgangsverweigerung und die Folgen f├╝r das Kind

Der Fall kurz skizziert:

Das Scheidungsurteil meiner Eltern erging auf Grundlage des m├╝ndlichen Vorbringens beider Prozessparteien und entsprechend ├╝bereinstimmend gestelltem Antrag.
Meinem Vater wurde das Sorgerecht f├╝r mich (damals 7) zugesprochen, das Sorgerecht f├╝r meinen Halbbruder(11) erhielt meine Mutter, sie hatte ihn mit in die Ehe gebracht. Wie dieses m├╝ndlichen Vorbringen beider Prozessparteien und entsprechend ├╝bereinstimmend gestellter Antrag zustande kam, kann ich nur mutma├čen.
Regelungen zum Umgangsrecht wurden in dem Urteil nicht getroffen, dass Recht auf Umgang blieb also f├╝r alle beteiligten gem├Ą├č g├╝ltigem Recht bestehen.

In der Realit├Ąt sah es jedoch, wie wohl so oft, ganz anders aus:
Als mein Vater mit mir aus der gemeinsamen elterlichen Wohnung auszog, was im ├╝brigen ca. ein viertel Jahr vor dem ergangenen Scheidungurteil geschah, brach f├╝r mich der gesamte m├╝tterliche Teil der Familie weg. Kein Umgang, kein sehen, kein gar nichts - nicht einmal mit meiner Cousine, die im selben Haus wie die Mutter meines Vaters (meine Oma) wohnte, durfte ich mehr spielen - dass wurde mir energisch von meiner lieben Oma verboten, indem ich sofort in die Wohnung gerufen wurde, nachdem Oma sah wie ich mit meiner Cousine vor dem Haus spielte.

Selbst Jahre sp├Ąter, als meine Mutter versuchte mir zu meiner Jugendweihe pers├Ânlich zu gratulieren, wurde sie von meinem Vater mit den Worten "Verpiss Dich." des Platzes verwiesen. ├äu├čerst charmant.

Kurz und auf den Punkt gebracht:
mein Vater, dessen Mutter und deren Schwester haben mir den Umgang zu meiner Mutter verweigert. Wobei ich verweigert hier fast als zu schwachen Begriff empfinde, da diese Verweigerung auf eine ganz perfide Art und Weise stattfand. Die einzige Begr├╝ndung die ich bisher von meiner Tante zu h├Âren bekommen habe ist: "Wir wollten keinen Kontakt mehr zu Deiner Mutter (die eine Schlampe, genau wie ihre Mutter, ist)." (meine Tante hat selbst keine Kinder und betrachtet mich als "ihren Jungen" - nat├╝rlich rein subjektiv!)

Die Scheidung ist jetzt exakt 30 Jahre her, rechtlich alles (zB. Verletzung der Erziehungspflichten, Recht des Kindes auf regelm├Ą├čige pers├Ânliche Beziehung und unmittelbaren Kontakt zu beiden Elternteilen, Pflicht der Eltern die Entwicklung des Kindes durch Erziehung zu f├Ârdern, Verleitung zum Alkoholmissbrauch, entzug Minderj├Ąhriger) alles verj├Ąhrt, keine Frage!

Was soll das alles also? Das ist 30 Jahre her! Stell dich doch nicht so an! Lass die Vergangenheit Ruhen! Sei Froh das Dein Vater Dich genommen hat, sonst w├Ąrst Du im Heimgelandet! .... Und Deine Mutter war ja sowieso eine Schlampe, eine Hure , hat sich nie gek├╝mmert usw....... (wichtig:diese Worte stammen nicht von meinem Vater, sondern von Oma und Tantchen!)

Und nun liegt mir eine Einladung vor: Silberhochzeit meines Vaters mit meiner Stiefmutter (sie haben ├╝brigens ihren gemeinsamen Sohn, meinen 2. Halbbruder vor 1,5Jahren im alter von 21 an Leuk├Ąmie verloren. Er war eine der wichtigsten Bezugspersonen f├╝r mich und ich habe sehr an ihm gehangen)

Problem: gro├čer innerer Konflikt - hingehen, nicht-hingehen? Wie ├╝berhaupt verhalten?

Ich hab mich bisher tats├Ąchlich immer sehr diplomatisch allen gegen├╝ber Verhalten, hab auch wirklich viel zur├╝ckgestecken m├╝ssen, wirtklich sehr viel, bin aber nun mit meinem Latein am Ende.

Der Kontakt zu meiner Mutter ist bis heute gleich Null - es gab zwischendurch mal kurze Kontaktversuche - aber sie ist heute das, was man ein seelisches Wrack nennt - nach den Worten meiner Cousine und auch nach meiner Einsch├Ątzung kein Wunder bei der Lebensgeschichte (siehe oben).

Meinungen und Ratschl├Ąge erbeten.
(Aber bitte nicht: Versuch Dich auf Dein Leben und Deine Zukunft zu konzentrieren, es gibt noch so viel Sch├Ânes zu erleben. Denn ja, das ist meine Vergangenheit und somit ein Teil meines Lebens, mit dem ich auch in Zukunft leben werden muss. Also bitte keine gutgemeinten sozialp├Ądagogischen-WischiWaschi Floskeln aus dem Uni-Schulbuch die fernab jeglicher Realit├Ąt sind! Danke!

:cool:
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 18. Februar 2016 12:52

Hallo Jeremy,

tja, wo fang ich am Besten an? Mit dem, was ich auch meinen eigenen T├Âchtern immer sage "wenn Du es keinem recht machen kannst, dann mach es einfach so, wie es sich f├╝r Dich gut anf├╝hlt, denn um Dich geht es hier..... tu die Digne f├╝r Dich, f├╝r niemanden sonst."

Dies, wie man sich selbst am besten damit f├╝hlt - ist am Ende oft die richtige Entscheidung, denn es geht hier jetzt einfach um Dich, um Dein Empfinden, Deine Gef├╝hle...

Leider h├Âre ich solche Geschichten wie die Deine immer wieder, Umgang verweigert - Nein, das haben sie nicht, Du hattest ja keine Wahl, sie haben ihn systematisch verhindert und systematisch daf├╝r gesorgt, dass Du einen Teil Deiner Familie verlierst. Das ist und war und bleibt ein gro├čes Unrecht. Da gibt`s keine Entschuldigung f├╝r, denn Du hast ein Anrecht auf diesen Teil der Familie gehabt. Es w├Ąre einfach ihre Pflicht gewesen, die aller Erwachsenen um Dich herum, Dir zu erm├Âglichen, ein gutes Verh├Ąltnis zu Deiner Mutter, Deinem Geschwister und der Famlie m├╝tterlicherseits zu bekommen und zu leben. Da gibt`s auch nichts au├čer - DAS war Unrecht.

Stell Dich nicht so an, ist einfach eine Frechheit sondergleichen. Damit schiebt man die Schuld auch noch auf das Kind.... wor├╝ber gibt es froh zu sein -nein, Du hast etwas verloren und das wird auch wohl so bleiben. Viel verloren, auch einfach nur Chancen.... und Du darfst dar├╝ber w├╝tend, traurig und verletzt sein.

Mag sein, das sie aus Sorge um Dich gehandelt haben, ihre Gr├╝nde hatten - das macht es alle nicht besser oder erlaubter, sie lassen Dich mit Deinen Gef├╝hlen allein und im Regen stehen und verteidigen sich durch Floskeln, aber ich sehe da kein Verst├Ąndnis oder keine Anerkennung dessen, wie es Dir damit geht.

Was Deine Mutter in ihrem erwachsenen Leben war - spielt keine Rolle. Mein Ex etwa, er war mir ein lausiger Ehemann, ein schlechter Partner, aber er war unseren Kindern damals ein guter Vater und sie haben durch unsere Trennung etwas verloren. Das er fremd ging ohne Ende - das war die erwachsene Rolle, die einer Partnerschaft, sie hatte nichts mit seiner gleichzeitigen Elternschaft zu tun, nie h├Ątte er seine Kinder verlassen.....wollen. Schlechte Partner k├Ânnen wunderbare Eltern sein.

Und Du konntest wohl viele Jahre nur das leben, was man Dir zusozusagen erlaubt hat, Du konntest Dich als Kind nicht gegen Vater, Oma und Tante stellen, das h├Ątte Dir ja den Rest aller Sicherheit im Leben genommen, vermutlich war Dir das nie wirklich bewusst, sondern etwas unbewusstes. Ein Loyalit├Ątskonflikt. Heute aber ist das anders.

Deine Mutter ist eine gebrochene Frau - Du bist heute erwachsen, stell Dich mal ein St├╝ck von allem fort..... ich kann mir vorstellen, dass Dein Verlust, denn sie wird das als Solches erlebt haben, dazu beigetragen hat, das ihr Leben einfach so ist, wie es ist. Das ist kein Vorwurf, denn auch sie ist erwachsenen und muss ihre Wege gehen und suchen, um damit zu leben. Die einen k├Ânnen es besser als die anderen. Vielleicht aber war sie Dir auch keine gute Mutter.... oder nur eine schwache, wenig selbstbewusste Frau - das w├Ąre immer noch kein Grund f├╝r das gewesen, was Dir passiert ist.

Also, kannst Du dar├╝ber nachdenken, wie es sich anf├╝hlt hinzugehen, zu der Feier? Und wie, wenn Du nicht hingehst? Wie f├╝hlt sich das f├╝r Dich an? Womit k├Ânntest Du Dir vorstellen, ginge es Dir besser? Entscheide f├╝r Dich - denn das darfst Du und niemand anderes mehr.

Was w├╝rde es nach sich ziehen, nicht hinzugehen und was w├Ąre der Vorteil f├╝r Dich, dort zu sein? Und wie lange m├╝sste man bleiben? Es g├Ąbe ja auch den Kompromiss nur einene Teil der Feier mitzumachen?

Und, um zu wissen was sein wird, muss man betrachten was gewesen ist - Du hast schon Recht, die Dinge geh├Âren zueinander und greifen ineinander, aber wie sehr - das kann Dir von uns niemand sagen.

Ansa

P.S. ich hoffe mal, das Du bei uns noch keine wischiwasche Lehrbuchideen die jenseits der Realit├Ąt sind, bekommen hast? :oah:
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 19. Februar 2016 08:58

Hallo AnSa,

zun├Ąchst einmal vielen Dank f├╝r Deine Reaktion. Und gutgemeinte sozialp├Ądagogische-WischiWaschi Floskeln aus dem Uni-Schulbuch die fernab jeglicher Realit├Ąt sind hab ich selbstverst├Ąndlich auch hier schon gelesen - aber das ist ja eine rein subjektive Wertung meiner Seits, die auf mit der Thematik mitschwingende Emotionen zur├╝ckzuf├╝hren ist - also bitte nicht angegriffen f├╝hlen :(

"Also, kannst Du dar├╝ber nachdenken, wie es sich anf├╝hlt hinzugehen, zu der Feier? Und wie, wenn Du nicht hingehst? Wie f├╝hlt sich das f├╝r Dich an? Womit k├Ânntest Du Dir vorstellen, ginge es Dir besser? Entscheide f├╝r Dich - denn das darfst Du und niemand anderes mehr."

Genua das ist momentan das Haupt-Thema, dass ich in Gespr├Ąchen mit meiner Frau am bearbeiten bin.
Wie f├╝hlt es sich f├╝r mich an hinzugehen - und wie nicht hinzugehen?
Beide Optionen w├╝rden widerspr├╝chliche Gef├╝hle in mir hervorufen:
einerseits ist da der Wunsch dazuzugeh├Âren, in eine Familie integriert zu sein, geliebt, verstanden und akzeptiert zu werden.
Andererseits ist da das Wissen eben nicht gewollt, sondern nur geduldet zu sein - ein ├ťberbleibsel, ein Anh├Ąngsel, ein Klotz-am-Bein.
Und nat├╝rlich jetzt - wie Du v├Âllig richtig beschrieben hast - die bewusste Erfahrung des Loyalit├Ątskonfliktes.
Es sind bei beiden Optionen genau diese widerspr├╝chlichen Emotionen die einer wortw├Ârtlich zerissenen Seele entspringen.
Darum kann ich mir gar nicht vorstellen, womit es mir besser ginge - denn ein besser gibt es in dem Falle nicht -
Sie haben die Wahl zwischen Pest oder Cholera.
Mir ist bewusst, dass nur ich es entscheiden kann, dass es mir niemand abnehmen kann.

"Was w├╝rde es nach sich ziehen, nicht hinzugehen und was w├Ąre der Vorteil f├╝r Dich, dort zu sein? Und wie lange m├╝sste man bleiben? Es g├Ąbe ja auch den Kompromiss nur einene Teil der Feier mitzumachen? "

Tats├Ąchlich sind meine Frau und ich genau zu selbem Schluss gekommen: es wird wohl ein Kompromiss werden - und dabei kann und darf niemandem irgendetwas recht gemacht werden - ich muss auch weiterhin die Dinge f├╝r mich tun - nur jetzt eben auch innerfamili├Ąr. (ausserfamili├Ąr habe ich das sehr gut hinbekommen - auch dank Deiner Hilfe hier im Forum :winken: - ich hab zB mein Studium dank meiner Frau trotz vieler Zweifel konsequent weitergef├╝hrt und eine prima Abschlussrarbeit zum Thema Familie, Lebensgef├╝hl und Gesundheit mit sehr gutem Ergebnis bestanden - und am aller wichtigsten: ich habe meine Frau geheiratet :bussi: )

"Und, um zu wissen was sein wird, muss man betrachten was gewesen ist - Du hast schon Recht, die Dinge geh├Âren zueinander und greifen ineinander, aber wie sehr - das kann Dir von uns niemand sagen. "

Das ist die Schwierigkeit dieses Puzzels - ich sammle St├╝ck f├╝r St├╝ck die Fakten zusammen - sortiere - schaue auf meine Gef├╝hle - ordne - finde das n├Ąchste Detail - schaue wieder auf mich - schaue auf das Bild, dass St├╝ck f├╝r St├╝ck neu entsteht. Zwischendurch muss ich immer wieder wegschauen, weil es weh tut und schmerzt, was ich da entstehen sehe. Das ist die Konfrontation mit der eigentlichen Realit├Ąt - doch auch mein Vater, Oma und meine Tante m├╝ssen sich nun dieser Konfrontation stellen - "wie es sich f├╝r mich gut anf├╝hlt," f├╝hlt sich f├╝r sie wahrscheinlich schlecht an, "denn um mich geht es hier..... " Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz und Selbstwert - was man nicht anerzogen bekommt, dass kann man nur versuchen selbst zu erlernen, " tu die Digne f├╝r Dich, f├╝r niemanden sonst." ja, es gibt ihn, den gesunden Egoismus! :springen:

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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 22. Februar 2016 11:13

Hallo Jeremy,

entschuldige meine sp├Ąte Antwort, aber ich war das Wochenende ├╝ber auf einer Fortbildung ohne Internet :( - nichts, was ich sehr sch├Ątze.

Wir haben halt immer wieder in unserem Leben Entscheidungen zu treffen, bei denen es nicht um toll oder bl├Âd geht, sondern die immer Dilemmasituationen sein werden oder wie Du schreibst, ich w├Ąhle also zwischen Pest und Cholera - ja, das ist so und das macht es nicht leichter.

Ist es wirklich so, das Du Anh├Ąngsel, ├ťberbleibsel aus einem anderen Leben bist oder f├╝hlst Du das f├╝r Dich? Gibt es ├äu├čerungen die das n├Ąhren? (bei meinem Liebsten etwa "ach, das sind ja nur die angenommenen Kinder" - das kommt immer noch, obwohl er drei war, als die Eltern zusammen kamen und er nie einen anderen Vater hatte, als nun diesen Stiefvater - der nur "Stief" ist - weil die Familie das betont, nicht weil man Mann das wollte) - wie ist das bei Dir? Beziehst Du die ein oder andere reaktion auf Dich und die Situation owohl Du vielleicht nicht sicher sein kannst, ob sie auch SO gemeint ist?

Kannst Du mit Deinem Vater allein dar├╝ber reden? Ich mein, wenn ich das so lese, hat sich diese Familie doch unendlich M├╝he gegeben und entsetzlich (auch im Sinne des Wortes) viel daf├╝r getan, dass Du ein Teil bist/wirst und den Rest der anderen Familie vergisst, nicht brauchst - dazu geh├Ârst?

Und ja, nat├╝rlich, es wird immer mal wieder weh tun - das ist so - nimm es, wenn Du kannst, als Teil von Dir an. Die gute Nachricht ist, es wird weniger weh tun, im Laufe der Zeit - mitunter erkennt man, das die Dinge aus Sorge um einen Selbst geschehen sind, das macht sie nicht besser oder richtiger, aber vielleicht erkl├Ąrbar oder auch annehmbarer? Die Emotionen kommen - ob man sie braucht oder nicht, deshalb glaub ich, es ist gut, sie zu ersp├╝ren und immer mal wieder neu zu sortieren und auch, mit zunehmender Reife auch anders zu bewerten. Wir alle gewinnen ja immer wieder dazu und k├Ânnen reflektieren.

Du machst das gut, ich hab den Eindruck, Du bist stark und gehst mutig Deinen Weg. Du hast eine Partnerin gefunden, die Dir zur Seite steht und die eigene Gesichtspunkte dazu beisteuert und vielleicht auch mal hinterfragt? Das kann so bereichend sein. Du wei├čt schon, ganz tief in Dir, mehr und mehr bewusst, das Du es bist, der f├╝r Dich verantwortlich ist und das es gut ist, an Dich zu denken. Am Ende wird es etwas sein, dass Du nach Au├čen spiegelst und weiter geben kannst, etwas, das Du bei anderen verstehst und erkennst und vor allem auch annehmen kannst, weil Du es gelebt hast. Es macht Dich stark und mutig.

Es muss der Familie nicht gefallen, wie Du handelst, ebenso wenig, wie es Dir gefallen muss, was passiert ist - aber die Menschen, die darfst trotzdem gern haben..... ihr Handeln nicht unbedingt. Ich finde das immer sehr tr├Âstlich und lebe das auch mit meinen Kindern, "ich hab Dich so gern, aber was Du da gemacht hast, war echt mal voll daneben....." Damit k├Ânnen wir hier alle gut leben, und meine Fehler, die ich begehe - machen micht nicht schlechter.

Ich w├╝nsch Dir eine gute Entscheidung, eine die Dich tr├Ągt und Dir hilft, bei Dir zu bleiben.

Ansa
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 22. Februar 2016 16:34

Hallo AnSa,

Fortbildung klingt doch gut und die sind auch wichtig - und man kommt mal raus :lesen:

Was mein Empfinden angeht, ein Anh├Ąngsel oder ├ťberbleibsel aus einem vergangenen Lebensabschnitt meines Vaters zu sein:
- es wird zB. gen├Ąhrt von der Tatsachse, dass mein Vater meine Stiefschwestern adoptiert hat, w├Ąhrend es als nicht notwendig erachtet wurde, dass meine Stiefmutter mich ja auch annehmen k├Ânnte... es wurde nicht einmal in Erw├Ągung gezogen ...w├Ąre doch ein Aufwasch gewesen...
- es wird weiterhin gen├Ąhrt durch die Tatsache, dass mich mein Vater aus der Wohnung geworfen hatte, in einer Situation, in der ich ihn und meine Stiefmutter kurz zuvor um Hilfe und Beistand gebeten hatte - ich will hier nicht n├Ąher drauf eingehen worum es im Detail ging, nur so viel: ich hatte nach langen Gespr├Ąchen mit einem Seelsorger diesen darum gebeten, meine Eltern in die ganze Sache einzuweihen, in der Hoffnung, sie w├╝rden mich unterst├╝tzen und zB. gemeinsam mit mir zur Polizei gehen um eine Anzeige zu erstatten oder wenigstens um einen geeigneten Therapeuten zu finden - doch nichts ist geschehen - ich war mit allem allein auf mich gestellt (und habs irgendwie auch hinbekommen).
- es wird weiter gen├Ąhrt von Aussagen wie: von uns kannst Du keine Unterst├╝tzung erwarten usw.
Ich denke ich kann mir hier durchaus sicher sein, was meine Empfindungen diesbez├╝glich betrifft...

Reden? Mit meinem Vater? ├ťber etwas, dass vom Tag des Auszuges aus der Wohnung meiner leiblichen Eltern todgeschwiegen wurde? Nicht wirklich...
Was mich noch besch├Ąftigt ist, h├Ątte er ├╝berhaupt mit mir aus der Wohnung ausziehen d├╝rfen vor einem ergangenen Sheidungs-Urteil? Ist es nicht so, dass bei eine Auszug mit minderj├Ąhrigem Kind der andere leibliche Elternteil erst zustimmen muss...

"hat sich diese Familie doch unendlich M├╝he gegeben und entsetzlich (auch im Sinne des Wortes) viel daf├╝r getan, dass Du ein Teil bist/wirst und den Rest der anderen Familie vergisst, nicht brauchst - dazu geh├Ârst?"
Es ging prim├Ąr darum mich von dem anderen Teil der Familie fern zu halten, weniger darum mich in die eigene zu integrieren.

Meine Frau ist in der Tat die gr├Â├čte Bereicherung f├╝r mein Leben und mein gr├Â├čtes Gl├╝ck was mir wiederfahren konnte - und ja, sie ist kritisch und hinterfragt auch.

"aber die Menschen, die darfst trotzdem gern haben..... ihr Handeln nicht unbedingt [...] ich hab Dich so gern, aber was Du da gemacht hast, war echt mal voll daneben....." das mag bei Dir und Deinen Kinder funktionieren und ist in diesem Kontext sicher auch vollkommen in Ordnung... aber mal ganz ehrlich: soll ich meinem Vater allen ernstes sagen: "Das Du mich damals aus der elterlichen Wohnung entf├╝hrt hast und mich jahrelang meiner Mutter und dem m├╝tterlichen Teil meiner Familie vorenthalten hast war echt voll daneben, aber ich hab Dich trotzdem gern." - damit kann ich mich irgendwie (noch) nicht so ganz anfreunden... ich glaub das ist echt viel verlangt/erwatet...

Mir ist klar, dass Vorw├╝rfe keinem weiter Helfen. Und mir ist klar, dass jeder Mensch Fehler macht. Mir ist auch klar, das jeder Fehler Konsequenzen hat, wie auch jede richtige Tat ihre Konsequenzen nach sich zieht.

Im Moment befinde ich mich wohl gerade (oder immernoch) in dem Prozess des damit umgehen lernens - der sich wahrscheinlich ├╝ber mein ganzes Leben erstrecken wird. Sicher war es auch f├╝r meinen Vater nicht einfach... aber es ist nicht an mir nach Entschuldigungen f├╝r seine Fehler zu suchen!

Diese innere Zerrissenheit ist zerm├╝rbend.

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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 22. Februar 2016 17:32

Hallo Jeremy,

hmh, manchmal muss auch ich ein wenig mehr wissen, um die ganzen Zusammenh├Ąnge zu verstehen. Ich wollte nicht Dein Gef├╝hl in Frage stellen, versteh mich da nicht falsch.

Der Gedanke, dass Deine Stiefmutter Dich h├Ątte adoptieren sollen ist auch f├╝r mich eine ganz neue Idee - aber ja, warum eigentlich nicht? Gew├Âhnlich ist es so, das M├Ąnner die Kinder ihrer Partnerin adoptieren, um ihnen den Namen zu geben, um sie als eigene Kinder mit allen rechtlichen Folgen anzuerkennen - ich hab`s ehrlich noch nie anders herum geh├Ârt. Aber es w├Ąre, da hast Du Recht, ein sch├Ânes Zeichen.

Manchmal ist es so, dass, wenn man derartig im Stich gelassen wird, etwas in einer Beziehung unwiderbringlich kaputt geht und zerst├Ârt wird. Grad in einer wirklichen Notsituation sollte die Familie immer f├╝r einen da sein, wen h├Ątte man denn sonst? Ich bin kein Freund von dem "aber das sind Deine Eltern, Du musst ihnen immer verzeihen......" oder "egal was war, geh ihnen entgegen" Ich denke, sie sind die Gro├čen und sie haben die Aufgabe f├╝r ihre Kinder zu sorgen, gut zu sorgen..... und Kinder k├Ânnen zwar unendlich oft verzeihen, aber es ist nicht immer heilsam. Besonders wenn die Ablehung so sp├╝rbar wird und ist, wie Du beschreibst.

Nein, er h├Ątte nicht mit Dir einfach ausziehen d├╝rfen - nur wem nutzt das heute noch? Es war ein Unrecht und all das, was dann folgte, kann einfach nicht wieder gut gemacht werden, nicht r├╝ckg├Ąngig und nicht ungeschehen. Er h├Ątte nicht gedurft - leider gibt es viele Eltern die das tun, meist umgekehrt, M├╝tter die ihre Kinder nehmen und fl├╝chten und diese dem Vater entziehen.... das tr├Âstet nur nicht und macht die Dinge nicht einfacher. Was ├Ąndert es f├╝r Dich, zu wissen, dass er das nicht gedurft h├Ątte?

Ich glaube ganz tief in mir, das Kinder ihre Eltern immer lieben werden, irgendwo, in einer stillen Ecke ihrer Seele - egal was diese getan haben, wie schlecht sie waren, wie gemein..... dies "Du musst nicht m├Âgen was sie tun, aber Du darfst sie gern haben" kann eine Befreiung sein, denn nat├╝rlich sollst Du mit Deiner Zuneigung nichts annehmen oder richtig finden, aber es befreit einen auch von Selbstvorw├╝rfen der Art "warum h├Ąng ich dann doch zwischen den St├╝hlen, wo mir doch mein Verstand sagt, da ist nichts mehr...." Das kleine Kind in uns ist immer irgendwo da und hilflos - in manchen Augenblicken.

Ich hab mit meinem Vater gebrochen, ich hab jahrelang nichtgs von ihm geh├Ârt, er hat meine T├Âchter und mich einfach ignoriert und im Stich gelassen - er war mir kein guter Vater und ihnen kein guter Gro├čvater, w├Ąhrend sie ihn nicht vermissen, fehlt er mich an manchen Tagen..... ich bin ihm nicht mehr b├Âse, ich wei├č, er konnte nicht anderes handeln, er hatte nie jemanden, der seine Sicht der Dinge ver├Ąndern konnte - aber trotzdem manchmal (immer seltener) w├╝nschte ich mir, er w├╝rde an unserem Leben teilhaben und so darf ich ihn m├Âgen und vermissen obwohl ich wei├č, dass die Entfernung f├╝r mich pers├Ânlich weitaus besser ist, als jedes Aufeinander treffen. Verstehst Du was ich meine?

Das hat etwas mit Auss├Âhnung, aber vor allem mit Annahme dessen was war zu tun. Du kannst die Dinge nicht mehr ├Ąndern, aber Du kannst sie im Laufe Deines Lebens imemr mal wieder anders bewerten oder ansehen - Du darfst w├╝tend, sauer, traurig, entt├Ąuscht und verletzt sein - nur sorg f├╝r Dich und schau auf das, was Du hast.... vielleicht, vielleicht h├Ąttest Du vieles davon nicht, w├Ąre Dein Leben anders verlaufen? Vielleicht - w├╝rdest Du manches nicht sch├Ątzen, h├Ąttest Du nicht soviel erlebt? Vielleicht w├╝sstest Du nicht, was Dir wichtig ist, w├Ąre immer alles einfach gewesen?

Manchmal kann es helfen Briefe zu schreiben, schreib einfach einen Brief an Deinen Vater, schreib alles, was Du ihm immer mal schreiben wolltest und dann leg ihn Dir weg, an einen Ort, an dem er niemanden st├Ârt, oder verbrenn ihn..... lass die Gedanken in den Himmel steigen - das macht die Dinge nicht ungeschehen, aber es kann helfen..... setz ihn als Papierboot in einen Flu├č? Schau ihm nach.....

Mag sein, das ist keine Methode f├╝r Dich, aber vielleicht eine Idee oder Anregung f├╝r etwas, das Dir dann als Gedanke kommt?

Ansa

P.S. die innere Zerrissenheit ist ein Prozess und ein Schritt nach vorn.... auf der Suche nach Deinem Weg. Leider geh├Âren diese Gef├╝hle einfach dazu.
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 22. Februar 2016 21:17

Beitrag von Jeremy 20. Januar 2016 09:59 [in Die Wahrheit?]

Auch f├╝r Scheidungskinder gilt: Mutter bleibt immer Mutter und Vater bleibt immer Vater.

Die Entscheidungen, welche die Eltern f├╝r sich und ihr Leben treffen muss man als Kind akzeptieren. Traurig ist, dass die VERANTWORTUNG, die Eltern auf sich nehmen, wenn sie Kinder in die Welt setzen oft sehr zu kurz kommt. Und was dann bleibt sind oft Kinder, f├╝r die sich keiner Veranntwortlich f├╝hlt.

1.? Was pasiert mit solchen Kindern? - Wie entwickeln sie sich? - Sind das dann nicht genau die Kinder, die ihr Leben lang auf der Suche nach einer Wahrheit sind und denen es so schwer f├Ąllt auch mal auf sich selbst zu achten, Selbstbewusstsein, YSelbstvertrauen und auch Selbstachtung zu entwickeln?

Ist es ein verantwortungsvolles Verhalten, dem eigenen Sohn die leibliche Mutter vorzuenthalten? (In der Regel liest man ja immer, dass dies ausschlie├člich von "b├Âsen M├╝ttern" praktiziert w├╝rde die ihre ex-Partner zum Zahlvater knechten.)

Nach jeder Scheidung dreht sich die Erde weiter und es werden weitere Entscheidungen getroffen.
Es werden Wege gegangen und das was ist, darauf wird aufgebaut.
Vieles wird unwiederbringlich bleiben und vieles kann man, mit der n├Âtigen Kraft, neu in die Hand nehmen und gestallten.

Es wurde viel ├╝ber Abgrenzung, auf sich selbst achten und den eigenen Weg zu fokkusieren geschrieben.
Und seit ich das erste mal hier schrieb, konnte ich das dank eurer Hilfe auch sehr gut umsetzen.

Und doch gilt auch f├╝r Scheidungskinder: Mutter bleibt immer Mutter und Vater bleibt immer Vater und das ein Leben lang.
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 23. Februar 2016 11:10

Ansa hat geschrieben:
Nein, er h├Ątte nicht mit Dir einfach ausziehen d├╝rfen - nur wem nutzt das heute noch? Es war ein Unrecht und all das, was dann folgte, kann einfach nicht wieder gut gemacht werden, nicht r├╝ckg├Ąngig und nicht ungeschehen. Er h├Ątte nicht gedurft - leider gibt es viele Eltern die das tun, meist umgekehrt, M├╝tter die ihre Kinder nehmen und fl├╝chten und diese dem Vater entziehen.... das tr├Âstet nur nicht und macht die Dinge nicht einfacher. Was ├Ąndert es f├╝r Dich, zu wissen, dass er das nicht gedurft h├Ątte?



Es ist nicht die Frage, wem das heute noch nutzt - sondern die Frage, wem das bis heute schadet bzw. wer den Schaden tr├Ągt und wer die Verantwortung.
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 23. Februar 2016 13:59

Hej Jeremy,

die Frage k├Ânnen wir doch einfach beantworten? Den Schaden tr├Ągt am Ende immer das Kind, es muss leben, was die Erwachsenen verbockt haben, egel wie alt es ist. Ob bei Dir oder auch bei meinen eigenen Kindern, das was ich falsch gemacht habe - m├╝ssen sie leben. Und dann k├Ânnen wir noch fragen, war es denn aus meiner damaligen Sicht falsch? Hab ich geglaubt, ich habe f├╝r meine Kinder gut gehandelt und das Richtige getan? Was war mein Beweggrund?

Die Verantwortung? Sollten die Erwachsenen tragen, die Frage ist nur, ob sie es auch tun? Bei Deinen Eltern und Verwandten sehe ich das eher nicht..... da ├╝berlasst man Dir die Folgen und Du musst damit leben.

Und das ist schwer - und das schreibst Du ja auch. Nur - auf andere Menschen haben wir keinerlei Einfluss, ja, wir k├Ânnen mit ihnen reden, ihnen schreiben, sie anbr├╝llen - was immer wir gern tun w├╝rden, es nutzt nur nichts.... sie werden sich nicht ├Ąndern. Vielleicht hat man mal Gl├╝ck und jemand wird durch Worte oder Taten aufger├╝ttelt und erkennt, das er Unrecht getan hat - aber das ist so selten..... das Einzige was einem bleibt und das ist unglaublich schwer, ist die eigene Sicht der Dinge ver├Ąndern. Und das ist ein laufender Prozess, der Jahre dauern kann, das muss ich Dir nicht erz├Ąhlen, ich bin sicher, das wei├čt Du schon.

Erkenntnis gewinnen, Nachdenken, Entscheidungen f├╝r sich treffen, sich immer mal wieder fragen "F├╝r wen tue ich das hier eigentlich?" Die Antwort ist mitunter ├╝berraschend. Oft genug handeln wir eben nicht f├╝r uns, sondern f├╝r andere, weil wir glauben, es w├Ąre gut f├╝r den Moment.

Du kannst niemanden zwingen sich der Verantwortung zu stellen - nicht in diesem Fall. Du kannst es ihnen aber sagen - nur was w├╝rde sich ├Ąndern, au├čer vielleicht - Dein Gef├╝hl und das Wissen, das sie nun endlich wissen, wie es Dir geht. Mag aber gut sein, dass ihre Reaktion darauf nicht die ist, die Du Dir w├╝nscht, sondern eine, die noch mehr schmerzt und wieder verletzt?

Dir bleibt nur auf Dich zu sehen, ganzheitlich.

Ansa
Sei z├Ąrtlich mit den Kindern, mitf├╝hlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm├╝tig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 24. Februar 2016 08:29

Vielleicht ist ein konsequenter Abbruch aller Kontakte eine M├Âglichkeit Ruhe in die Angelegenheit zu bringen?
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 25. Februar 2016 07:43

Guten Morgen Jeremy,

ich musste ein Weilchen dar├╝ber nachdenken...und ja, wenn Du einen Kontaktabbruch als Methode betrachtest, als Mittel um Ruhe in Gedanken, Alltag und Leben zu bringen - dann darf das eine M├Âglichkeit sein. Wenn Dir bewusst ist, das er zeitweilig ist und jederzeit aus r├╝ckg├Ąngig zu machen sein kann.

Du entscheidest ob und wie lang so ein Abbruch sein kann. Mitunter sind das die Zeiten im Leben in denen man sich einfach neu sortiert oder auch merkt, das einem das Ganze fern r├╝ckt - nicht mehr so nah geht?

Ansa
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 25. Februar 2016 08:22

Ansa hat geschrieben: Hallo Jeremy,

Gew├Âhnlich ist es so, das M├Ąnner die Kinder ihrer Partnerin adoptieren, um ihnen den Namen zu geben, um sie als eigene Kinder mit allen rechtlichen Folgen anzuerkennen - ich hab`s ehrlich noch nie anders herum geh├Ârt. Aber es w├Ąre, da hast Du Recht, ein sch├Ânes Zeichen.


Ich bin auch der Meinung, dass es ein sch├Ânes Zeichen w├Ąre, denn schlie├člich haben ja nicht nur die M├Ądchen den anderen Elternteil verloren, den es zu ersetzen gilt. Auch Jungen haben was Elternteile angeht Bed├╝rfnisse, auch Jungen sind Menschen die Gef├╝hle haben. Das hat ja irgendwie auch etwas mit Gleichberechtigung zu tun... und wieso soll man nicht auch als Junge/Mann soetwas einfordern k├Ânnen - oder ist das nur ein Privileg der M├Ądchen/Frauen - hat das etwas mit Rollenmodellen in unserer Gesellschaft zu tun "Das ist doch ein ganzer Kerl, der schafft das auch so? - Jungen weinen ja sowieso nicht, weil die st├Ąrker sind!" - Und nur weil man es noch nie anders herum geh├Ârt hat, wird es zur Regel? Zum ungeschriebenen Gesetzt? Ist es nicht auch ein kleinwenig diskriminierend? Letztlich macht es doch immer etwas mit der Psyche des "unangenommenen" Kindes, dass zusehen muss, wie seine Stiefgeschwister adoptiert werden w├Ąhrend man selbst links liegen bleibt - egal welches Geschlecht man hat.

Ansa hat geschrieben: Manchmal ist es so, dass, wenn man derartig im Stich gelassen wird, etwas in einer Beziehung unwiderbringlich kaputt geht und zerst├Ârt wird. Grad in einer wirklichen Notsituation sollte die Familie immer f├╝r einen da sein, wen h├Ątte man denn sonst? Ich bin kein Freund von dem "aber das sind Deine Eltern, Du musst ihnen immer verzeihen......" oder "egal was war, geh ihnen entgegen" Ich denke, sie sind die Gro├čen und sie haben die Aufgabe f├╝r ihre Kinder zu sorgen, gut zu sorgen..... und Kinder k├Ânnen zwar unendlich oft verzeihen, aber es ist nicht immer heilsam. Besonders wenn die Ablehung so sp├╝rbar wird und ist, wie Du beschreibst.


Was bleibt ist dann die Zerrissenheit, der Zwiespalt, der Loyalit├Ątskonflikt basierend auf dem elterlichen Entfremdungssyndrom das mit psychischen St├Ârungen einhergehen kann, verursacht durch einen Elternteil der damals glaubte alles richtig und nur zum Wohle des Kindes gemacht zu haben.
Eigentlich liebt man ja beide Elternteile - aber wenn der eine Elternteil den anderen Elternteil dem Kind nach widerrechtlichem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ├╝ber ein Jahrzehnt lang vorenthalten wird - was bleibt dann noch zum lieb-haben?

Das traurige ist ja, dass all die positiven Erinnerungen durch dieses Unrecht so stark ├╝berschattet werden - und selbst wenn ich danach suche, etwas zu finden diesen positiven Erinnerungen wieder mehr Gewicht zu verleihen, dann kommt beim n├Ąchsten Wiedersehn mit dem Vater, der die Mutter vorenthielt, wieder ein v├Âllig belangloser Vorwurf seiner Seits (ich habe in der Kindheit dies oder das gemacht) - und ich f├╝hle mich, nachdem ich wieder ein St├╝ck auf ihn zugegangen war, wieder schlecht und frag mich, sollte nicht er statt mit Vorw├╝rfen mit einer Entschuldigung kommen?

Leider ist es manchmal wirklich so, dass etwas in einer Beziehung unwiderbringlich kaputt geht.

Ansa hat geschrieben: Ich glaube ganz tief in mir, das Kinder ihre Eltern immer lieben werden, irgendwo, in einer stillen Ecke ihrer Seele


Davon bin ich ├╝berzeugt. Und genau diese Liebe, die immer da sein wird, ist die eine Seite, welche die Zweifel n├Ąhrt, die Fragen im Kind entstehen l├Ąsst. Die andere Seite sind die Taten der Eltern, welche sie aus ihren eigenen Beweggr├╝nden - und mit Sicherheit zum Wohle des Kindes entschieden und gelebt haben - f├╝r das Kind zun├Ąchst mit gelebt haben und es ihm sozusagaen "├╝bergest├╝lpt" haben. Du wirst selbst eines nicht bestreiten k├Ânnen: so wunderbar die Liebe sein kann und so wundervolle Dinge sie hervorbringt, so sehr kann sie auch schmerz und leid verursachen.

Ansa hat geschrieben: Das kleine Kind in uns ist immer irgendwo da und hilflos - in manchen Augenblicken.
:meinung:

Ansa hat geschrieben: Ich hab mit meinem Vater gebrochen, ich hab jahrelang nichtgs von ihm geh├Ârt, er hat meine T├Âchter und mich einfach ignoriert und im Stich gelassen - er war mir kein guter Vater und ihnen kein guter Gro├čvater, w├Ąhrend sie ihn nicht vermissen, fehlt er mich an manchen Tagen..... ich bin ihm nicht mehr b├Âse, ich wei├č, er konnte nicht anderes handeln, er hatte nie jemanden, der seine Sicht der Dinge ver├Ąndern konnte - aber trotzdem manchmal (immer seltener) w├╝nschte ich mir, er w├╝rde an unserem Leben teilhaben und so darf ich ihn m├Âgen und vermissen obwohl ich wei├č, dass die Entfernung f├╝r mich pers├Ânlich weitaus besser ist, als jedes Aufeinander treffen. Verstehst Du was ich meine?


Ja, ich verstehe sehr genau was Du meinst: es ist genau diese Zerrissenheit die auch ich meine.
Ansa hat geschrieben:P.S. die innere Zerrissenheit ist ein Prozess und ein Schritt nach vorn.... auf der Suche nach Deinem Weg. Leider geh├Âren diese Gef├╝hle einfach dazu.
,)

Ansa hat geschrieben: Das hat etwas mit Auss├Âhnung, aber vor allem mit Annahme dessen was war zu tun. Du kannst die Dinge nicht mehr ├Ąndern, aber Du kannst sie im Laufe Deines Lebens imemr mal wieder anders bewerten oder ansehen - Du darfst w├╝tend, sauer, traurig, entt├Ąuscht und verletzt sein - nur sorg f├╝r Dich und schau auf das, was Du hast.... vielleicht, vielleicht h├Ąttest Du vieles davon nicht, w├Ąre Dein Leben anders verlaufen? Vielleicht - w├╝rdest Du manches nicht sch├Ątzen, h├Ąttest Du nicht soviel erlebt? Vielleicht w├╝sstest Du nicht, was Dir wichtig ist, w├Ąre immer alles einfach gewesen?


Vergeben oder verzeihen ist das Ende eines langen Weges. Davor muss Verachtung, Wut und Hass zugeleassen werden. Man kann diese Gef├╝hle nicht einfach ├╝berspringen oder wegstecken. Erst muss der erlittene Schmerz ein Teil der eigenen Lebensgeschichte werden (Becker).

Vergeben ist nicht das Gleiche wie vers├Âhnen. Und es macht nichts ungeschehen.


Ansa hat geschrieben: Manchmal kann es helfen Briefe zu schreiben, schreib einfach einen Brief an Deinen Vater, schreib alles, was Du ihm immer mal schreiben wolltest und dann leg ihn Dir weg, an einen Ort, an dem er niemanden st├Ârt, oder verbrenn ihn..... lass die Gedanken in den Himmel steigen - das macht die Dinge nicht ungeschehen, aber es kann helfen..... setz ihn als Papierboot in einen Flu├č? Schau ihm nach..... Mag sein, das ist keine Methode f├╝r Dich, aber vielleicht eine Idee oder Anregung f├╝r etwas, das Dir dann als Gedanke kommt?


Solche Rituale, sie helfen vielleicht in dem Moment ein wenig... aber auf lange Sicht...? Ich konnte bisher noch nicht das richtige Ritual f├╝r mich finden, dass ich als stark genug empfand mir ein St├╝ck weiter zu helfen. Aber ich werde es probieren.

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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Ansa 25. Februar 2016 10:26

Hallo Jeremy,

Ich bin auch der Meinung, dass es ein sch├Ânes Zeichen w├Ąre, denn schlie├člich haben ja nicht nur die M├Ądchen den anderen Elternteil verloren, den es zu ersetzen gilt. Auch Jungen haben was Elternteile angeht Bed├╝rfnisse, auch Jungen sind Menschen die Gef├╝hle haben. Das hat ja irgendwie auch etwas mit Gleichberechtigung zu tun... und wieso soll man nicht auch als Junge/Mann soetwas einfordern k├Ânnen - oder ist das nur ein Privileg der M├Ądchen/Frauen - hat das etwas mit Rollenmodellen in unserer Gesellschaft zu tun "Das ist doch ein ganzer Kerl, der schafft das auch so? - Jungen weinen ja sowieso nicht, weil die st├Ąrker sind!" - Und nur weil man es noch nie anders herum geh├Ârt hat, wird es zur Regel? Zum ungeschriebenen Gesetzt? Ist es nicht auch ein kleinwenig diskriminierend? Letztlich macht es doch immer etwas mit der Psyche des "unangenommenen" Kindes, dass zusehen muss, wie seine Stiefgeschwister adoptiert werden w├Ąhrend man selbst links liegen bleibt - egal welches Geschlecht man hat.


Nun ist es allerdings in den meisten F├Ąllen so (zum Gl├╝ck) das es gar keine Adoption gibt, weil es ja immer noch den Elternteil gibt, der jenseits von der Familie lebt und der weiterhin f├╝r seine Kinder da ist und da sein kann.
Meine T├Âchter kamen eines Tages mit dem Wunsch, sich von meinem Mann adoptieren zu lassen, so sehr uns das damals ger├╝hrt hat, wir haben es abgelehnt - denn es h├Ątte auch den Bruch mit der Familie ihres Vaters bedeutet, das Abgeben ihres Namens und eine Verletzung ihres Vaters zudem. Ich fand das unangemessen, er hat ihnen oft weh getan, sich aber gro├če M├╝he gegeben. Und sie waren zu jung um all die weitgehenden Folgen zu ├╝berblicken, die damit zusammen gehangen h├Ątten. Heute sind sie ganz froh, das er weiterhin zu ihrer Familie geh├Ârt und durchaus auch f├╝r sie da ist.
Bei einer Adoption muss der leibliche Elternteil zustimmen und all seine Rechte abgeben, die er an den Kindern hat, nicht nur Sorgerecht sondern, soweit ich wei├č, auch Erbrecht und alles andere. Das ist durchaus dann eine Scheidung von den Kindern. Ich halte das f├╝r ├ťberdenkenswert und es hat nichts mit M├Ądchen oder Jungen zu tun.

Was bleibt ist dann die Zerrissenheit, der Zwiespalt, der Loyalit├Ątskonflikt basierend auf dem elterlichen Entfremdungssyndrom das mit psychischen St├Ârungen einhergehen kann, verursacht durch einen Elternteil der damals glaubte alles richtig und nur zum Wohle des Kindes gemacht zu haben.
Eigentlich liebt man ja beide Elternteile - aber wenn der eine Elternteil den anderen Elternteil dem Kind nach widerrechtlichem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ├╝ber ein Jahrzehnt lang vorenthalten wird - was bleibt dann noch zum lieb-haben?


Nein, nicht eigentlich, jedes Kind liebt Beide, egal was sie getan haben. Du kannst in den Gerichten Kinder erleben, die man ihren leiblichen Eltern weg nimmt, weil sie misshandelt und missbraucht wurden und sie weinen sich die Seele aus dem Leib, weil sie nicht von ihnen weg wollen - aber zu ihrem eigenen Schutz m├╝ssen. Kinder lieben ihre Eltern immer, das ist das Drama - aber, es ist ein Entwicklungsprozess, das diese unverbr├╝cjliche Liebe sich im Laufe des Lebens wandelt - nicht mehr so bed├╝rftig ist, wie bei kleinen Kindern, sondern zu einem miteinander, nebeneinander wird. Sie w├Ąchst zu einer erwachsenen Beziehung miteinander.

Was bleibt zum lieb haben? Vielleicht, Erinnerungen? Das Wissen, dass Deine Mum Dich geliebt hat, egal wie wir Leben war, das sie Dich immer noch liebt, diese Liebe aber in sich eingesperrt und verborgen hat, damit sie weiter leben konnte - ohne Dich? Um sie nicht mehr f├╝hlen zu m├╝ssen? Und heute h├Ânnen? Vielleicht, daf├╝r wei├č ich zu wenig..... von Euch.

Aber ich wei├č durchaus, das es Menschen gibt, die es nicht schaffen, den Expartner nicht in ihrem Kind zu sehen und die es deshalb ablehnen und hart behandelnt, damit es nicht so wird.... und die dabei vergessen, das auch ihr Teil im Kind damit in Frage gestellt wird und abgelehnt wird.

Das traurige ist ja, dass all die positiven Erinnerungen durch dieses Unrecht so stark ├╝berschattet werden - und selbst wenn ich danach suche, etwas zu finden diesen positiven Erinnerungen wieder mehr Gewicht zu verleihen, dann kommt beim n├Ąchsten Wiedersehn mit dem Vater, der die Mutter vorenthielt, wieder ein v├Âllig belangloser Vorwurf seiner Seits (ich habe in der Kindheit dies oder das gemacht) - und ich f├╝hle mich, nachdem ich wieder ein St├╝ck auf ihn zugegangen war, wieder schlecht und frag mich, sollte nicht er statt mit Vorw├╝rfen mit einer Entschuldigung kommen?


Du w├╝nscht Dir diese Entschuldigung, aber wei├č er, wie es in Dir aussieht? Wei├č er von Deinen Gef├╝hlen - W├╝nschen - Gedanken - von den Schmerzen und den unerf├╝llten W├╝nschen? Er glaubt richtig und gut gehandelt zu haben - er sieht von seinem Standpunkt aus ├╝berhaupt gar keinen Grund f├╝r eine Entschuldigung. Er sieht einfach die Dinge anders.
Schaffst Du es, Dich in Gedanken an seine Stelle zu versetzen und zu sehen, wie das damals war? F├╝r ihn? Warum er vielleicht so gehandelt hat, was er dachte? Was er wollte?

Du wirst selbst eines nicht bestreiten k├Ânnen: so wunderbar die Liebe sein kann und so wundervolle Dinge sie hervorbringt, so sehr kann sie auch schmerz und leid verursachen.


Ja, das kann sie, aber ich kann lernen, f├╝r mich anders damit umzugehen. Es f├Ąllt mir schwer, das theoretisch zu erkl├Ąren, vielleicht als Beispiel. Ich komme aus einer sogenannten intakten Familie, wie ich war - gefiel meinen Eltern nicht, sie hatten sich ihr Kind anders vorgestellt. Ich wurde psychisch und physisch misshandelt, geschlagen, gedem├╝tigt, in den Keller gesperrt und allerlei mehr. Kein Scheidungskind, aber anders schwer. Jahre sp├Ąter sagte meine Mutter einmal "aber wir mussten Dich so strafen, Du warst so ein b├Âses Kind, wir mussten Dich brechen, um gesellschaftsf├Ąhig zu sein." Damals hatte ich ein eigenes Kind, eineinhalb Jahre alt und ich konnte sie noch weniger verstehen, als je zuvor.

Ich h├Ątte daran zerbrechen k├Ânnen, wie so viele andere. Ich h├Ątte meine Kinder ebenso behandeln k├Ânnen, wie viele Eltern schlicht weitergeben, was sie selbst erlebt haben (grad innerhalb der Erziehung ├╝bernimmt man h├Ąufig ungefragt die Lebenseinstellungen der Eltern). Ich h├Ątte mich entscheiden k├Ânnen, Familie ist doof, brauch ich nicht. Ich h├Ątte so vieles tun k├Ânnen. Statt dessen hab ich mir, noch als Kind, geschworen, das ich mit meinen Kindern anders umgehen werde - und wei├čt Du, das hab ich auch geschafft, es war ungeheuer schwer f├╝r mich, weil ich nicht wusste, ob mein Weg richtig ist. Weil meine Eltern meinen Weg ablehnten und den Umgang mit meinen Kindern schrecklich fanden. Ich konnte nur meine Zukunft ├Ąndern, denn die Vergangenheit - kann man nur betrachten und aus ihr lernen, aber was man lernt, entscheidet man immer nur f├╝r sich selbst und manchmal dauert das seine Zeit. Solang Trauer herrscht, ├╝ber das, was man sich so gew├╝nscht h├Ątte..... h├Ąngt man fest, denn man wird es einfach nicht bekommen k├Ânnen.

Aber man kann es sich schaffen. Man kann es "umlagern", sich seinen Weg suchen und anders handeln, in dem Wissen, etwas an sich selbst wieder gut zu machen. Nicht weg machen oder aufheben, aber bes├Ąnftigen. Verstehst Du, was ich mein?

Vergeben oder verzeihen ist das Ende eines langen Weges. Davor muss Verachtung, Wut und Hass zugeleassen werden. Man kann diese Gef├╝hle nicht einfach ├╝berspringen oder wegstecken. Erst muss der erlittene Schmerz ein Teil der eigenen Lebensgeschichte werden (Becker).

Vergeben ist nicht das Gleiche wie vers├Âhnen. Und es macht nichts ungeschehen.


Oh, Vergeben und Verzeihen.... ich schrieb von
Das hat etwas mit Auss├Âhnung, aber vor allem mit Annahme dessen was war zu tun.
Dies "Du musst aber vergeben k├Ânnen" und "verzeih" ihnen und das "nur wenn Du vergeben kannst, wirst Du in Frieden leben k├Ânnen" - geht mir sowas von aufs Gem├╝t, da bekomm ich glatt ein Glitzern in meinen Augen.

F├╝r mich ist dass das gr├Â├čte Unrecht was man von misshandelten Kindern (und Opfern ├╝berhaupt) verlangt. Aber das mag auch meine eigene, ganz pers├Ânliche Sichtweise sein. F├╝r mich hat Vergeben und Verzeihen, damit zu tun, das ich anerkenne, dass das was war und geschehen ist, recht war. Ich verzeihe meinem Peiniger - und gebe damit meine Zustimmung zu dem was er getan hat. Never.... nie nicht.

Es war ein Unrecht, es bleibt ein Unrecht und es wird ein Unrecht bleiben; das Einzig wahre, finde ich - ist eine Anerkennung dessen, das es so war wie es war, eine Auss├Âhnung mit mir selbst, nicht mit meinem Peiniger - weil ich als Kind nicht in der Lage war und sein konnte, die Dinge zu ├Ąndern sondern sie hinnehmen musste und aushalten musste, weil ich das Kind war und nichts tun konnte - nichts - ich verzeihe mir (da gibt es immer dieses unbewusste Annehmen und der innere Glaube, das man selbst etwas dazu beigetragen hat, das es so gekommen ist) und erkenne durchaus an, das mein Gegen├╝ber aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat, richtig werden die Dinge dadurch aber nicht.

Jedenfalls diffenziere ich das f├╝r mich so, dies geforderte "Verzeihen m├╝ssen" ist f├╝r mich ein rotes Tuch. Vorderrangig ginge es mir um Verstehen und wie geschrieben, eine Annahme dessen, was geschah. Mitunter wei├č ich, das mein Weg gut war, dass ich das Unverm├Âgen meiner Eltern in etwas Wunderbares umgewandelt hab, ich bin f├╝r Menschen in Notsituationen da.... ich gebe Menschen etwas mit, wenn sie m├Âgen.

Und doch, an manchen dunklen Tagen, die dazu geh├Âren, kommen in immer seltener werden Momenten, alte Gef├╝hle hoch. Heute erkenne ich sie, ich nenne sie liebevoll "meine alten Kellergeister" und ich frag mich dann selbst wer da wieder mal die alte T├╝r aufgemacht hat..... ich nehm sie wahr, betrachte sie und sortiere sie neu, kann auch sein, das ich die T├╝r zuschlag und sag "ich kann Euch nicht brauchen, weg....." aber ich wei├č, dann kommen auch wieder. Und am Ende sind sie eine neue Stufe auf dem Weg zu meinem Selbst. Eines Tages werden sie nicht mehr kommen, weil ich sie frei gegeben hab. Es ist ein langer Weg.

Solche Rituale, sie helfen vielleicht in dem Moment ein wenig... aber auf lange Sicht...? Ich konnte bisher noch nicht das richtige Ritual f├╝r mich finden, dass ich als stark genug empfand mir ein St├╝ck weiter zu helfen. Aber ich werde es probieren.


Das wirst Du, da bin ich mir sicher..... denn aus allem was ich hier von Dir lese, sehe ich, das Du auf dem Weg bist und das Du nachdenkst, nichts ungefragt ├╝bernimmst - Du h├Ąttest Dich ja auch entscheiden k├Ânnen, alles richtig zu finden, was Deine Familie getan hat und Deine Mutter ebenfalls zu verurteilen und abzulehnen - aber Du hast Deinen Weg eingeschlagen und wirst ihn gehen. Und das ist gut und richtig so. Er wird lang sein, l├Ąnger als Dir manchmal lieb ist, aber eines Tages wird, das w├╝nsche ich Dir, auch Deine alte T├╝r offen bleiben k├Ânnen, weil der Raum leer ist. Sei stolz auf das, was Du geschafft hast.

Ansa
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 27. Februar 2016 12:11

Ansa hat geschrieben: Du w├╝nscht Dir diese Entschuldigung, aber wei├č er, wie es in Dir aussieht? Wei├č er von Deinen Gef├╝hlen - W├╝nschen - Gedanken - von den Schmerzen und den unerf├╝llten W├╝nschen? Er glaubt richtig und gut gehandelt zu haben - er sieht von seinem Standpunkt aus ├╝berhaupt gar keinen Grund f├╝r eine Entschuldigung. Er sieht einfach die Dinge anders.
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Ja nat├╝rlich schaffe ich das. Warum schafft er es nicht? Als Vater hat er doch eine Verantwortung. Alles zum Wohle des Kindes.... ich finde es mehr als traurig wie leicht es sich manche "Eltern" machen und aus der Verantwortung ziehen nur weil sie zu feige sind ihren Kindern die wahrheit zu sagen.

Ansa hat geschrieben:Der Weg wird lang sein, l├Ąnger als Dir manchmal lieb ist,


das gilt zum Gl├╝ck auch f├╝r die sogenannten "Eltern"

[quote="Ansa"]Sei stolz auf das, was Du geschafft hast. [quote]

Das bin ich. Und zu wissen es allein, aus eigener Kraft geschaft zu haben zeigt mir, dass ich solche "Eltern" nicht brauche.
:boxen:

Jeremy
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Re: Umgangsrecht - Verweigerungsfolgen

Beitragvon Jeremy 30. M├Ąrz 2016 20:02

Ansa hat geschrieben:... aber eines Tages wird, das w├╝nsche ich Dir, auch Deine alte T├╝r offen bleiben k├Ânnen, weil der Raum leer ist...


....├Âhm, :lesen: ...dass versteh ich noch nicht so ganz. Ich habe eine Vermutung, was Du damit meinen k├Ânntest... ich w├Ąre Dir dankbar wenn Du es mir mit anderen Worten erkl├Ąren k├Ânntest :winken:

Jeremy
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