Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Der Treffpunk fĂŒr Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Hier können Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht werden.

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Traum-TĂ€nzerin 9. April 2013 17:12

Hallo Maxi,

ich weiß nicht ob ich dir tatsĂ€chlich weiterhelfen kann...ich versuche einfach mal aus meiner Sicht, einer "Halb"schwester meine Situation zu bescheiben! Als mein leiblicher Vater ein Kind mit seiner zweiten Frau bekam war ich im selben Alter deiner Stieftochter. Ich habe mich nie bombig gefreut, ich fand's nie eine super Idee- da bin ich ehrlich.

Meine Empfindung dazu ist, ich habe eine Mutter und einen Vater die Beiden hatten zusammen eine Familie, sich haben sich scheiden lassen und beide wieder geheiratet. Ich bin in einer klassischen Patchworkfamilie aufgewachsen, zwei Partner mit Kindern ergeben eine zusammengewĂŒrfelte Familie. Bis heute hat diese Patchworkfamilie Bestand.

Jetzt zum ursprĂŒnglichen Problem, den Töchtern meines Vaters. Ich wollte sie nie, ich wurde auch nie gefragt was ich davon halte oder wie ich dazu stehe. Das ist eine ganz verzwickte Siuation und mit ganz vielen Emotionen verbunden. Vorallem sehe ich in dieser Situation meinen Vater als einen Vater den ich so nie hatte. Diese Kinder leben in einer intakten Familie, sie haben ihre leibliche Mutter und ihren leiblichen Vater jeden Tag um sich herum. Das ist einfach etwas das ich nicht kennenlernt habe und nie kennenlernen werde, da wĂŒrden auch alle BemĂŒhungen nichts helfen mir die Töchter meines Vaters nĂ€her zu bringen. Das ist eine ganz große, ja nahezu unendliche Abneigung die ich gegen diese Kinder habe- ich kann das nicht genau erklĂ€ren, es ist einfach da und ich kann das nicht steuern und sicherlich mit meinem erwachsenen Verstand bin ich nett zu ihnen. Aber da ist kein GefĂŒhl das wir Geschwister sind, wir haben den selben Vater nicht mehr und nicht weniger.

Und wenn ich in mich hinein höre, dann die Tochter deines Vaters sehe, mir vorstelle ich mĂŒsste beim Familienkaffee sitzen, alle bestaunen das Baby und dann wĂŒrde ich noch gefragt wie ich es den nun finde- meine Antwort wĂ€re ebenfalls "hmpf". Dann wĂŒrde ich noch hören, wir fahren in den Urlaub (ein schönes Erlebnis auf das ich mich freue) und das ist dann allerdings mit der Verpflichtung verbunden ich mĂŒsste das Baby toll finden, ganz ehrlich es wĂŒrde den Druck und die Situation fĂŒr mich nur verschlimmern- dann wĂ€re der Rolladen und meine Bereitschaft einen Weg zu finden mit diesem neuen Baby zusammen zu wohnen gĂ€nzlich dahin, dann wĂŒrde ich bockig und dann wĂŒrde ich auf totale Gegenwehr setzen und meine Ablehnung wĂ€re sicher. Es ist einfach eine Situation die man nicht gut in Worte fassen kann und die fĂŒr ein Kind aus der vorherigen Familie unertrĂ€glich werden kann. Es geht dabei auch um Liebe und Aufmerksamkeit die man als Kind geschiedener Eltern in solchen Situationen mehr als Andere braucht, ja man will sich seiner Liebe sicher sein- wenn das Fundament schon so sehr entkernt ist und wackelig. Ich stecke mitten in der PubertĂ€t, suche meine eigene IdentitĂ€t und bin mir in sovielem unsicher und mein allein mein Körper und seine VerĂ€nderung wĂ€ren Arbeit genug fĂŒr mich.....und dann kĂ€mpft da jetzt auch noch die zweite Frau von Papa gegen mich und ich habe das GefĂŒhl ich sitze in zweiter Reihe ganz hinten links im toten Winkel und ein Rauskommen gibts da nur,wenn ich wieder neue Verpflichtungen eingehe und mich selber noch ein StĂŒckchen mehr anpasse als ich das eh schon getan habe...wer kĂ€mpft den fĂŒr mich? Wer sieht mich und meine Traurigkeit ĂŒber alles was ich verloren habe? Ich fĂŒhle mich schwer und sprachlos....

Ich hab's mal aufgeschrieben, vielleicht.....

LG TT
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 9. April 2013 18:06

Hi Maxi,

mich hat dein Post irgendwie angesprochen, versuche mal meine Gedanken zu sortieren.
Zu allererst, du und dein Mann ihr hattet eine Wahl, die ihr getroffen habt, die euch Freude bereitet, euch bereichert und euer Leben sinnvoller macht.
Die Tochter deines Mannes hatte das nicht, sie konnte da nicht mitentscheiden, was normal ist irgendwie und trotzdem ja ein Erleben und FĂŒhlen erzeugt, nĂ€mlich sich einer Situation ausgeliefert zu sehen, die sie nicht beeinflussen kann.
Deine Liebe und die deines Mannes zu dem Kind ist wunderbar und wie selbstverstĂ€ndlich...fĂŒr euch, die ihr dieses Kind gewollt habt.
FĂŒr die Tochter deines Mannes nicht, sie kann Liebe nicht erzwingen oder erzeugen, vielleicht kann sie wachsen, irgendwann.
Ich verstehe deinen Wunsch, auch verstehe ich in gewissem Maß deine Empörung ĂŒber das Verhalten, wie du es erlebst und deutest.

Ideen...Niemand kann Liebe und Zuwendung erzwingen, das bekommt man geschenkt. Deine Erwartungen sind sehr hoch, aus der Sicht der Tochter deines Mannes kaum erfĂŒllbar, wĂŒnschenswert ja, aber eben nicht selbstverstĂ€ndlich.

Damit etwas wachsen kann braucht es Ruhe, Geduld, Zuversicht, bischen Licht im Dunkel und Nahrung, etwas, aus dem was wachsen kann...wie eine Erlaubnis, nimm dir von dem Boden, der ist nahrhaft und fruchtbar, nimm dir Zeit, reck dich in die Sonne, ich sorge fĂŒr gute UmstĂ€nde, damit da etwas wunderbares entstehen kann...Ich habe keine Erwartungen, sondern ich freue mich ĂŒber das was sich da zeigen will und habe die Zuversicht, dass dafĂŒr alles bereitet ist.

Ich drĂŒck es mal bewußt metaphorisch aus, vllt, kannst du dir davon etwas nehmen, wenn du magst.


Gute Gedanken dazu findest du auch in diversen BĂŒchern...wenn du dazu was hören magst, sag Bescheid.

Na und zu guter letzt, ich habe einen angeheirateten Bruder, das heißt wir haben keinen gemeinsamen Elternteil, sind aber in einer Familie aufgewachsen, beide aus der ersten Ehe unserer Eltern. Ich habe ihn irgendwann als Bruder erleben können, dazwischen waren Momente von wenig Emfpindungen, zu Abneigung, zu keinem Kontakt, Konkurrenz, Sehnsucht und Liebe...alles war vertreten. Es hat was mit sich kennen und schĂ€tzen lernen zu tun und auch damit, dass ich erleben konnte, was mir unser Kontakt sein kann, was das Besondere fĂŒr mich ist. Und es gab und gibt bis heute Momente in denen ich Kontakt ablehne, mich nicht darin finde und auch nicht danach suche.
Was unsere Eltern gut gemacht haben ist, dass sie es uns ĂŒberlassen haben, freiwillig zu schauen, zu erleben wie das so ist. Und ich weiß, dass ihr Wunsch groß war dass wir uns mögen und ich weiß, dass da Angst und verunsicherung und BefĂŒrchtungen mit im Spiel waren, ob sie da alles richtig gemacht haben, ob wir das akzeptieren werden bis dahin ob ihre Liebe von uns anerkannt wird. Das alles sind und waren aber deren Themen, meine waren andere und da ist die Unterscheidung wichtig.
Dein Wunsch ist verstĂ€ndlich, du darfst ihn haben und die Tochter deines Mannes, darf das wissen und sie muss das nicht erfĂŒllen, sie darf eigene WĂŒnsche haben, selbst entdecken, was das Geschwisterchen fĂŒr sie sein kann.

Bis heute ist es so, dass meine Mutter fĂŒr Kontakt etwas tut, auch ĂŒber mich hinweg und heute weise ich sie da in ihre Schranken udn besteh darauf, dass Beziehung zu meinem "Bruder" ich lebe, gestalte, entscheide und auch ablehne, es ist meine Beziehung und nicht ihre. Und trotzdem sehe und verstehe ich sie in ihrem Wunsch und möchte auch gesehen und verstanden und akzeptiert werden mit meinem.

Viele liebe GrĂŒĂŸe
Tami
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus 9. April 2013 18:48

Liebe Maxi!

ZunĂ€chst einmal möchte ich Herzlichen GlĂŒckwunsch zum Baby sagen. Genießt die spannende Zeit, die euch nun erwartet.

Ich möchte mal kurz - hoffentlich kurz - schildern, wie es bei uns war, als unser Kleiner zur Welt kam. Meine MĂ€dels aus erster Ehe lebten beide bei mir und dem Liebsten. Auch sie sind nicht gefragt worden, ob sie ein Geschwisterchen möchten. Auch sie wurden vor die vollendete Tatsache gestellt, dass da nun ein Baby kommt. Die MĂ€dels reagierten unterschiedlich - sowohl wĂ€hrend der Schwangerschaft, als auch nach der Geburt. Die Älteste reagierte rein Ă€ußerlich gar nicht, aber ich spĂŒrte ihre innere Anspannung aufgrund der neuen Situation. Sie war unsicher, ob sie ihren Bruder lieb haben oder doch ablehnen sollte. Letztendlich entschied sie sich fĂŒr eine relativ neutrale Rolle, die sie bis heute (er ist mittlerweile 5) beibehalten hat. Niemals vergisst sie seinen Geburtstag, zu Weihnachten wird er bedacht und auch aus dem Urlaub bringt sie ihm eine Kleinigkeit mit. Aber sie liest ihm keine Geschichten vor, baut mit ihm keine Lego-HĂ€user ect. Nein, sie nimmt sich keine Zeit fĂŒr ihn und wenn sie zu uns kommt, dann merkt man ihr spĂ€testens nach einer halben Stunde an, dass er sie nervt.
Unser Mittelchen freute sich riesig auf und ĂŒbers neue Geschwisterchen und die Freude wurde noch grĂ¶ĂŸer, als sie einen Bruder bekam. Den hatte sie sich nĂ€mlich gewĂŒnscht. Sie spielt mit ihm, liest ihm vor, da wird gekuschelt und Blödsinn angestellt. Ihre grĂ¶ĂŸte Freude ist es, wenn sie sich mit ihm "gegen mich" verbĂŒnden kann *lach*.
Wir Erwachsenen (der Liebste, mein Exmann und ich) haben die MĂ€dchen ihren Weg finden und gehen lassen, was nicht heißt, dass wir uns nicht gewĂŒnscht hĂ€tten, dass da eine möglichst innige Geschwisterliebe entsteht.

Ich kann deine GefĂŒhle verstehen. Auch ich wĂŒrde mich persönlich angegriffen fĂŒhlen.
Aber ich denke, deine Stieftochter will dich nicht mit ihrem Verhalten angreifen oder verletzten. Sie ist auf der Suche nach einem Weg fĂŒr sich mit der neuen Familiensituation umzugehen. Alle bewundern nun das Baby, alle sprechen vom Baby und von ihr wird nun die gleiche Bewunderung und Freude erwartet. Das ist eine Überforderung.
Sie kennt die Situation Papa, Maxi und sie selbst. Aber nun ist das Geschwisterchen da und seien wir mal ehrlich - so ein Baby braucht einiges an Aufmerksamkeit, Kraft und Liebe. Woher soll deine Stieftochter wissen, dass all das die Liebe zu ihr nicht schmÀlert? Da ist Verunsicherung und wahrscheinlich auch Eifersucht. Das Baby darf bei "ihrem" Papa und "seiner" Mama wohnen. Sie selbst lebt mit Mama, ohne Papa.
Meine Stieftochter hat es genau so empfunden. Sie hat keinerlei Bezug zu ihrem kleinen Bruder. Allerdings hat ihre Mutter auch alle Versuche im Keim erstickt, die Situation zu entspannen.

Gib ihr und auch dir selbst Zeit. Die braucht ihr alle, in dieser neuen, spannenden Familiensituation.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Traum-TĂ€nzerin 9. April 2013 20:30

Maxi hat geschrieben:Es geht vielleicht schlicht darum, dass er dieses Kind eben auch liebt.


Liebe Maxi,

ich werde versuchen dir zu antworten, ich weiß nicht ob mir das gelingt.....da ich sehr deutlich merke, wie mein inneres kleines MĂ€dchen trotzig wird bei deinen Worten, was nicht gegen dich persönlich gerichtet ist!

Ich lese sehr viel unbewusste Erwartung an ein Kind, ein bisschen wirkt es auf mich so wie als wĂ€re die Erwartungshaltung sie solle handeln wie ein Erwachsener. Sie soll es hinnehmen, akzeptieren, tolerieren und respektieren das ihr jetzt ein gemeinsames Kind habt. Die Strategie deines Mannes, ihr Zeit zu geben und Ruhe, die fĂŒhlt sich fĂŒr mich subjektiv richtig an. Sie hatte nicht die Wahl, ihre Eltern haben sich getrennt unwiderruflich und nun nutzt sie die kleinen FreirĂ€ume die aus ihrer jugendlichen Entscheidungswelt hat und ich kann schon verstehen, dass sie da auch nicht von abrĂŒckt.

Sorry, ich kann da gerade nicht weiterschreiben......vielleicht schaffe ich es zu einem spÀteren/ anderen Zeitpunkt!

LG TT
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 9. April 2013 21:21

Liebe Maxi,
ich merke, wieviel das mit dir macht.
Ich lese viel davon wie etwas sein sollte, man etwas tun muss...und ob da jemand ein Recht auf Liebe hat oder nicht.
Wie fĂŒhlst du dich?
Und wie fĂŒhlt sich wohl die Tochter?
Mein Eindruck ist, dass das "vorschieben" von Moral und Wertvorstellungen, wie etwas zu sein hat, was Anstand und Respekt voraussetzt und einfordert aus den Augen verliert, dass ihr ja Menschen seid, die fĂŒhlen und erleben und eben nicht moralisch einwandfrei und wert-voll reagieren, sondern sich schĂŒtzen vor dem was Verletzung und Scham und Angst erzeugt.

Ich glaube, nein ich bin mir sehr sicher, wenn du in dich horchst und nachspĂŒrst, wie es dir geht und dich auf das FĂŒhlen einlĂ€sst und damit der Tochter begegnest, dann darf da auch FĂŒhlen, sich wahrnehmen und sich begegnen stattfinden und wenn das nicht gleich sichtbar wird, dann findet es dennoch im Inneren statt.
Ich glaube ganz fest, dass die Tochter auch mit diesem thema zu tun hat...in sich, vllt. etwas das Verbindung schaffen kann.


Und noch ein paar Alltagsgedanken dazu.
Sie ist 14, da ist ein Baby nicht wirklich "anziehend", sie nabelt sich ab, zeitgleich kommt da jemand Neues, der Platz einnimmt...und unter Geschwistern ist der Altersunterschied von 14 Jahren echt heftig, da fÀllt es schwer Bezug zu nehmen und etwas damit anfangen zu können, das ist normal denke ich.

Verstehst du sie? Hast du VerstÀndnis? Und glaubst du sie könnte dich verstehen?

Familie muss nicht, sie darf...in meinen Augen...ist ein Geschenk ein Angebot, etwas an dem man teilhaben darf, das einladend ist und aus dem man sich auch mal zurĂŒckziehen kann, entwachsen kann...sich abnabeln, dennoch ist es ein Familiensystem, das wirkt, immer.

Alles Liebe
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa 9. April 2013 22:59

Moin,

nur ganz kurz:

Womit wir bei der Frage wÀren und da hÀtte ich gerne insbesondere eine Antwort: Hat meine Stieftochter eigentlich ein recht darauf, dass ihr Papa nur sie liebt?


Das ist etwas, das wĂŒrde ich aktiv ansprechen, weil wir so leben.Bei Trennungen sag ich immer "erklĂ€re Deinem Kind, das es im Herzen PlĂ€tze fĂŒr Kinder gibt und die sind unverĂ€nderbar..... PlĂ€tze fĂŒr Freunde, Tiere, Eltern, Partner (wen auch immer) die können schon mal ein Ende finden oder verloren gehen, die fĂŒr Kinder aber niemals. Und ein Kind kann dem anderen nichts weg nehmen, denn so ein Elternherz ist ganz schön groß und hat Platz fĂŒr viele Kinder." Das kann man natĂŒrlich auch umsetzen auf ein neues Geschwisterchen?

Vielleicht ein wenig aufgepeppt - fĂŒr Teenager? Oder als Karte, geschrieben.... damit man das auch nachlesen kann.

Meine Kinder haben sich damals noch ein Baby vom Liebsten und mir gewĂŒnscht, "das wĂ€re so schön" sagte mein Kind, "so ein Baby wĂ€re etwas von uns und von Euch und dann sind wir wirklich eine Familie, och bitte........" Och ne, so rĂŒhrend der Gedanke war, manchen Bitten muss ich nicht entsprechen :D Aber der Gedanke - ist vielleicht auch einer, der mal nebenbei fallen darf. Ein Teil von Dir und Papa? Wenn es passt? Deshalb erzĂ€hl ich das hier.

Ich mag das Wort "Halb-Geschwister" nicht, das Baby ist doch ganz..... eine kleine Schwester, fertig. Und ja, vielleicht ist es einfacher, wenn die Kinder aus erster Ehe bei einem leben und Teil der Familie sind, im Alltag? Ich weiß es nicht.

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus 9. April 2013 23:37

Zu spÀter Stunde noch mal ein Hallo!

Liebe Maxi - vielleicht sind wir auf dem Weg bereits weiter, als ihr es seit. Das liegt aber sicher nur daran, dass unser Kleiner bereits 5 ist und deine kleine Maus gerade erst auf der Welt. Insofern hat da die Zeit schon einiges geregelt.

Ich habe noch mal ĂŒber deine Empfindungen nachgedacht und muss gestehen, ich kann dich verstehen, ebenso wie ich deine Stieftochter verstehen kann.
Die Situation ist fĂŒr euch alle schwierig - vor allem fĂŒr dich als frischgebackene Mama und fĂŒr deine Stieftochter. Du fĂŒhlst dich persönlich verletzt, weil sie dein Baby schlichtweg ignoriert. Sie fĂŒhlt sich aber wahrscheinlich durch die Geburt ihres Geschwisterchens ebenso verletzt - da kann ich nur vermuten.

Nein - deine Stieftochter wurde nicht gefragt, ob sie noch ein Geschwisterchen möchte. Aber seien wir mal ehrlich - wĂ€re sie gefragt worden, wenn sie kein Trennungskind wĂ€re? Auch verheiratete Eltern fragen ihr Kind nicht, wenn sie sich fĂŒr ein zweites, drittes Kind entscheiden. Auch da mĂŒssen die Kinder - fĂŒr sie selbst ganz plötzlich - die Liebe und die Aufmerksamkeit ihrer Eltern teilen. Der einzige Unterschied zu getrennten Eltern ist der, dass das neue Geschwisterchen einen Elternteil hat, der nicht der gleiche ist und die Trennung der eigenen Eltern damit noch mal deutlicher wird.
Ich kann mich an eine Situation zwischen meinen MĂ€dels erinnern. Die beiden MĂ€dchen hatten einen riesigen Streit (weiß gar nicht mehr, um was es ging). Irgendwann wurde ich von meiner Ältesten angebrĂŒllt, warum ich hĂ€tte noch ein zweites Kind bekommen mĂŒssen und warum hĂ€tte sie kein Einzelkind bleiben dĂŒrfen.
Damit will ich sagen, dass es Konkurrenz auch zwischen - ich nenn es jetzt mal - leiblichen Geschwistern gibt und nicht nur in der Konstellation, wie ihr sie nun habt.

Ich finde schon, dass du Respekt erwarten kannst. Der ist völlig unabhĂ€ngig vom Baby. Und ja, ich finde, du kannst auch Anstand erwarten. Einzig Liebe zum Baby kannst du nicht erwarten, sondern dir nur erhoffen und wĂŒnschen.
Du hast nun ein Baby und du kannst stolz auf es sein. In deinem Körper und in deiner Seele tut sich nun ganz viel. Deine Hormone fahren Achterbahn und auch das ist sicherlich ein Grund, warum dir das Verhalten deiner Stieftochter so nah geht.

Zeig ihr - sofern du es schaffst - dass sie an BabyÂŽs Leben teilhaben darf, wenn sie es möchte. Zeig ihr aber auch, dass es kein Muss ist. Frag sie doch mal unverfĂ€nglich um "Rat", wenn es um neue StrampelanzĂŒge fĂŒrs Baby geht z. B. - harmlose kleine Dinge. Vielleicht kannst du ihr so das GefĂŒhl vermitteln, dass dir nach wie vor viel an ihr liegt und sie dir wichtig ist.
So wie du es beschreibst, macht Papa ja schon alles prima.

Wichtig ist nur, dass du auch auf dich schaust und in dich horchst, was dir gut tut.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

P.S. Meine MĂ€dels waren ĂŒbrigens 15 und 12, als unser Söhnchen zur Welt kam. Also war auch da ein gewaltiger Altersunterschied.

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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa 10. April 2013 10:12

Hej Maxi,

weil Du das grad schreibst, es kam nie ein "wie geht`s Dir...." und wenn ich so hin und her ĂŒberlege, meine Große fragt mich das jetzt, nachdem sie wohl in der Bibelschule so etwas lernt "Wie geht es Dir denn damit?" Ich find das, ehrlich gesagt, ein wenig befremdlich - ich will gar nicht ĂŒber meine inneren Gedanken mit meiner Tochter reden, zumindest nicht ĂŒber bestimmte Themen.

Ansonsten fragen mich meine Kinder auch eher nicht "wie geht es Dir?" Vielleicht ist das etwas ganz normales? Und eine Erwartung an Deine Große, die einfach nicht altersgerecht ist oder zu hoch gesetzt ist? Das weißt Du am Besten, redet ihr ansonsten miteinander ĂŒber solche Dinge?

Freundschaft und Anerkennung ist das GrĂ¶ĂŸte, was man bekommen kann, wenn man so miteinander lebt. Ich seh es ja in meiner Familie, die erste Freundin wird hier kategorisch abgelehnt, die MĂ€dchen mögen sie nicht - mochten sie nie. Warum auch immer steht grad nicht zur Diskussion, die zweite aber mögen sie, trafen sich auch mit ihr, nach der Trennung... hielten lose Kontakt, "Wie geht es Dir", sie tat ihnen auch leid. Nicht, das sie sie lieben - ich glaub, das ist ein Geschenk, aber sie mögen sie, gern. Ich selbst hab gefordert, das Höflichkeit und Achtung wohl selbstverstĂ€ndlich seien und das ich das verlange, weil sie es von mir so gelernt haben, aber das nutzt nicht immer. Freundin zu sein ist, glaub ich, das Ziel - aber Freunde dĂŒrfen auch ehrlich miteinander sein und offen reden?

Achselzucken, kannst Du das ansprechen? Ich wĂŒrde ja darauf eingehen, "ich finde ja, Du bist viel zu alt, um mit den Schultern zu zucken - was meinst Du denn? Hilf mir, ich kann nicht so gut handeln, wenn ich nicht weiß, was Du möchtest oder aber auch, "ich wĂŒrde Dich gern einbeziehen, es fĂ€llt mir schwer, die Dinge ohne Dich zu tun." Signalisieren, das Dir an ihr gelegen ist. "Was soll ich denn tun, wenn Du Schultern zuckst, heißt das, es ist Dir schnuppe?" Da kommt doch bestimmt etwas von ihr?

Vielleicht ist sie einfach nur ĂŒberfordert? Meine Kinder sagten einmal "Papas neue Kinder sind bestimmt viel lieber und netter als wir, deshalb lebt er mit ihnen" das hat mir unendlich weh getan..... und gezeigt, wie tief sie das trifft. Papas neue Kinder sind heute nicht mehr akut, aber das hat andere GrĂŒnde.

All die anderen Gedanken imThread finde ich sehr wertvoll... es ist legitim, das sie sich wĂŒnscht, es wĂ€re so geblieben, aber eigentlich denke ich, wĂ€re es fĂŒr sie auch an der Zeit zu erkennen, das es so herum besser ist - mit Papa und Dir. Nur brĂ€uchte es dazu Hilfe von Außen, von Mama, Aussagen von Papa - grad gestern:

Meine JĂŒngste und ich haben gestern zusammen Fern gesehen, "Groupies bleiben nicht zum FrĂŒhstĂŒck", sie fand den BodyGuard total sĂŒĂŸ..... und meinte dann, sie wĂŒrde auch gern die Liebe ihres Lebens treffen - so wie ich heute den Liebsten. Ich hab gelĂ€chelt und gesagt, "weißt, frĂŒher einmal, da war Papa die Liebe meines Lebens." "Sag das nicht" sagte sie, "Du hast doch Trurl und das ist gut so......ich wollt es nicht anders haben" und ich hab gesagt "ich auch nicht, aber ich will, das Du weißt, das ich Papa einmal sehr geliebt habe. Vielleicht, vielleicht gibt es ja mehrere große Lieben im Leben?" Und sie antwortete auch brav "ich will aber nur eine....." Ja, denk ich mir, das wollt ich auch einmal, hab`s aber nicht gesagt. Wichtig bei solchen GesprĂ€chen aber ist, es ist gut so wie es ist, das empfindet sie so - und meine anderen Töchter auch, obgleich sie sich alle gewĂŒnscht haben, ihr Vater und ich wĂ€ren noch zusammen, das gehört dazu. Wobei sie mit uns auch eine liebevolle Familie haben, bei Papa nicht, Deine Große hat sie bei Dir (bei Mama?), weil Du Dir so viel MĂŒhe gibst und ihr Raum, sich zu entwickeln. Behalt das bei, das ist wichtig und gut.

Dies "Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, mit Mama zusammen bleiben zu können" ist fĂŒr Kinder eine ganz wichtige Aussage. Und auch dazu "Aber es ging einfach nicht!" Solche GesprĂ€che können deutlich machen, das es nicht leicht fĂŒr alle war, so zu entscheiden und sie sind ehrlich, denn ich glaube niemand von uns, hĂ€tte sich jemals eine Trennung gewĂŒnscht, daher nimmt die Aussage selbst, heute niemandem etwas weg..... Papa (ich find es imme rnoch wichtig, das er mit ihr spricht) darf auch sagen "ich wĂŒnsche mir, das Ihr gute Schwestern werdet und Euch mögt, spĂ€ter einmal.... wenn ich Dir dabei helfen kann...?"

Die Ignoranz kann auch auch ganz einfach Hilflosigkeit sein.

Und nun noch eine Erinnerung an meinen kleinen Bruder, er wurde 9 Jahre nach mir geboren, dazwischen gab`s noch eine Schwester, ich war 7 Jahre lang Einzelkind in der ganzen Familie, alles drehte sich um mich, jeder hatte Zeit fĂŒr mich und alles war schön.... dann kam meine Schwester, ich durfte sie zu Beginn nicht anfassen, wĂ€hrend ich dann in der Schule war, brachte sie all mein Spielzeug durcheinander, war meine aufgebauten Sachen um und meine Mama sagte immer "Du bist doch schon groß, stell Dich nicht so an...." Oha, ich war 7.... dann kam mein Bruder und alle fanden ihn soooooo sĂŒĂŸ und machten ein RiesentĂ€nzchen (Jungs eben, da hat sich nicht immer viel geĂ€ndert), ich war stinksauer.... daran erinnere ich mich und ich hab böse Worte gefunden, als Kind. Ich war aber einfach nicht groß, mit 9 und ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, das hĂ€tte jemand wahr genommen.

Dies in Gedanken hab ich meinen Kindern immer gesagt "och, Du musst deine Schwester gar nicht lieben, aber Du darfst das." Meine Schwiegermutter fand mich ganz entsetzlich "DU musst Deine kleine Schwester lieben" hat sie gesagt.... und ich hab natĂŒrlich prompt widersprochen. Ne, sie mochte mich mitunter gar nicht gern.

DrĂŒck Dich
Ansa
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Muckelmaus 10. April 2013 10:52

Guten Morgen ihr Lieben!

In der Zwischenzeit habe ich mir so einige Gedanken um dieses Thema gemacht und einmal auf die 5 Jahre geschaut, seit unser Söhnchen geboren wurde.

Ich schrieb ja schon, dass alle 3 MĂ€dchen sehr unterschiedlich mit ihrem kleinen Bruder umgehen. Meine Stieftochter hat ihn - so wie deine auch, Maxi - so weit wie möglich ignoriert. Meine Älteste bewahrte und bewahrt sich eine gewisse Distanz und das Mittelchen ... ja, da kann man von großer Liebe sprechen. So unterschiedlich die MĂ€dchen sind, so unterschiedlich sind die Reaktionen. Wichtig ist, den Kindern deutlich zu machen, dass man sie so nimmt, wie sie eben sind - mit StĂ€rken und SchwĂ€chen und das auch Eifersucht, Verunsicherung usw. zunĂ€chst einmal völlig in Ordnung sind.

Nun ist deine Stieftochter immerhin schon 14 Jahre alt und ich werde evtl. jetzt etwas schreiben, mit dem ich mich in die Nesseln setze.
Ich denke, eine 14jĂ€hrige sollte in der Lage sein, sich auszudrĂŒcken. Sicher, sie tut das durch Ignoranz. Sie gibt damit zu verstehen, dass sie diese neue Familienkonstellation zumindest im Moment ablehnt. Aber damit verhĂ€lt sie sich nicht wie ein 14jĂ€hriger Teenager. Teenager fordern mehr oder weniger lautstark ihre BedĂŒrfnisse ein und nehmen da oftmals keine RĂŒcksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Ich mag nicht zwingend von Trotz reden, eher eine große Verunsicherung, die sie so reagieren lĂ€sst.
Daher halte ich es fĂŒr wichtig, sie anzusprechen. Dann liegt die Entscheidung bei ihr, das GesprĂ€ch fĂŒr sich anzunehmen oder nicht.

Respekt und Anstand kann und sollte man von einem 14jĂ€hrigen MĂ€del erwarten können und in jeder anderen Situation wĂŒrde er auch eingefordert werden. Warum also nicht hier?
Es ist richtig und vor allem wichtig, vor, wĂ€hrend und nach einer Trennung/Scheidung auf die betroffenen Kinder zu schauen. Man sollte diese Kinder in ihrer GefĂŒhlswelt wahrnehmen und versuchen, sie zu stĂŒtzen. Aber was unterscheidet diese Kinder - und derer gibt es immer und immer mehr - von Nicht-Trennungskindern? Ansonsten einfach nichts.
Ich persönlich halte es fĂŒr falsch, diese Kinder auch Jahre nach der Trennung noch "in Watte" zu packen. Auch wenn das hart klingen mag und sicher dem ein oder anderen hier bitter aufstösst ... irgendwann mĂŒssen Trennungskinder gelernt haben, dass das Leben auch mit getrennten Eltern seinen Weg geht, manchmal vielleicht sogar besser noch als vorher.
Trennungskinder sollten ab einem gewissen Alter lernen, nach vorn zu schauen und nicht nur auf das Vergangene zu blicken. Sonst bleiben sie in ihrem GefĂŒhlschaos hĂ€ngen und kommen fĂŒr sich selbst nicht voran.

Mein Mittelchen war ca. 13 - 14 Jahre alt, als sie freiwillig darum bat, einen Psychologen aufzusuchen. Ich habe sie dorthin begleitet. Die Therapeutin fragte unser Mittelchen nach dem Grund ihres Kommens und sie nannte u. a. auch die Trennung ihrer Eltern. Sie wurde gefragt, wie lange ihre Eltern denn getrennt seien und sie sagte, fast 8 Jahre. Sie wurde auch gefragt, ob sie sich vorstellen könne, warum wir uns getrennt haben und ob wir Eltern mit ihr darĂŒber gesprochen hĂ€tten. Mein Mittelchen meinte, das habe an den vielen Streitereien gelegen und daran, dass wir uns nicht mehr lieben wĂŒrden. Sie wurde auch gefragt, wie wir Eltern heute miteinander auskommen wĂŒrden und sie sagte, viel besser als vorher. Ob sie ihren Papa immer sehen könne und dĂŒrfe, wurde sie gefragt. Sie bejahte das. Tja, sagte die Therapeuten, sie solle doch dann lieber aufhören, daran zu denken, dass wir getrennt sind und wĂŒnschen wir wĂ€ren noch oder wieder zusammen. Sie solle doch lieber das Hier und Jetzt genießen und sich freuen, dass Papa und Mama nun wieder besser miteinander auskommen wĂŒrden, denn so seien wir ihr sicher die besseren Eltern.
Ich gestehe, dass ich das zunĂ€chst ziemlich hart fand und mich doch vor den Kopf gestoßen fĂŒhlte. Nach dem Termin habe ich mein Mittelchen dann gefragt, wie sie denn die Therapeuten finden wĂŒrde und ich bekam zur Antwort, die sei ja wohl supernett. Hmmm - irritiert war ich da dann doch.
Es dauerte dann noch eine kleine Weile bis ich begriff, was die Therapeuten hatte sagen wollen und auch mein Mittelchen schien darĂŒber noch nachzudenken. Irgendwann sagte sie dann zu mir, die supernette Therapeuten habe recht. Wir Eltern wĂŒrden uns nicht mehr streiten, sie habe jetzt zwei Zuhause, ne liebe "Stiefmama" und nen "coolen" Stiefpapa. Von daher sei doch alles klasse und toll.

Ich möchte mit meinem Post hier niemanden angreifen oder gar verletzten. Lediglich zum Nachdenken möchte ich anstoßen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa 10. April 2013 11:05

Muckel,

Du sprichst mir aus dem Herzen..... ein persönliches Trauma oder Drama ist sicher etwas, das man verarbeiten muss, aber es darf nicht das ganze Leben bestimmen. Man muss es sorgfĂ€ltig aufarbeiten, aber ohne schlechtes Gewissen und Mitleid... (MitgefĂŒhl aber in jedem Fall) und man muss nach vorn sehen.

AbhĂ€ngig ist es aber, und das muss man bedenken, wie die Eltern hinterher miteinander umgehen. Ich erlebe immer wieder, das Eltern, denen der Schritt von der Paareben auf die Elternebene gelingt und denen selbst fĂŒr sich, ein gutes Leben gelingt, weniger problematische Folgen bei ihren Kindern hinterlassen, als Eltern die sich streiten und streiten und die kein gutes Haar aneinander lassen. Kinder mĂŒssen erzĂ€hlen dĂŒrfen wie es bei Papa oder Mama war und Eltern sollten lernen, sich zu freuen, wenn es gut war. Ich bin doch als Mama viel entspannter daheim, wenn ich weiß, meinen Kindern gehtÂŽs gut. Was da aber manchmal gelebt wird, spottet jeder Beschreibung und natĂŒrlich, das verursacht Schaden - oft auf Dauer.

Das habt ihr gut gelöst und Euren Kindern damit ein Großteil Freiheit gegeben. Ich hab meine Große, die ja so christlich ist (Du darfst nicht ehebrechen; Du darfst Dich nicht scheiden lassen......... ) in einem Streit, bei dem sie mir vorwarf "ich lebe ja nicht gottesfĂŒrchtig, weil ich geschieden bin" voll Wut gefragt, was ich denn tun solle? Meinen Liebsten verlassen und zurĂŒck zu Papa gehen? Da war sie still - also ne, das dann, also nein, dann doch nicht.... aber eine Lösung fĂŒr meine GottesfĂŒrchtigkeit hatte sie auch nicht mehr.

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
Sei zĂ€rtlich mit den Kindern, mitfĂŒhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmĂŒtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 10. April 2013 13:57

Hi Ihr,
ich habe grade eine Stunde Coaching und eine Stunde Therapie hinter mir.
Ausgelöst durch etwas in diesem Post, das mich betroffen gemacht hat, wovon ich mich betreffen lies...ging es mir sehr schlecht und ich mußte das erstmal sortieren.
Nur so viel...ich habe mir durch das "Trauma" so viele Strategien angeeignet klarzukommen, dass ich verlernt habe mich darum zu kĂŒmmern meine BedĂŒrfnisse erfĂŒllt zu bekommen.
Mit einem Mangel leben, der nie aufgefĂŒllt werden kann.
Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht dass mein Schmerz anerkannt wĂŒrde, einen Platz bekommt. Kein Mensch, der kein "scheidungskind" ist kann das nachvollziehen und damit kann ich da auch kein VerstĂ€ndnis erwarten, das ist einfach zuviel verlangt und auch an der falschen Stelle gesucht.
Aber ich, die ich mich kenne, alles ĂŒber mich weiß kann VerstĂ€ndnis fĂŒr mich habe, fĂŒr mich sorgen und mich ok finden...aber das ist ein langer Prozeß, in demich mittendrin bin und oft genug scheitere.

Ein Gedanke noch...die Gesellschaft behauptet Scheidungen wĂ€ren heute normal und ich stimme da zu, was die HĂ€ufigkeit anbetrifft. Was nicht als normal angesehen wird ist das Resultat, das was daraus entstehen kann (nicht muss). Da wird dann geschaut wie "normale" Kinder das machen und erwartet, dass die Scheidungskinder das auch hinbekommen, verglichen und bewertet und mit "man muss" um sich geworfen, anstatt es auszuhalten, dass Schmerz weh tut. Ich kann wenn ich nur ein Bein habe nicht so tun als hĂ€tte ich zwei...und eine Prothese ermöglicht mir zwar ein halbwegs normales Leben, aber es ist eben nur eine Notlösung, eine Behelfsmöglichkeit. Wenn ich nicht akzeptiere, dass ich nur ein Bein habe, sondern weiter so tue, als wĂ€re doch alles gut, ich kann ja noch laufen, dann belĂŒge ich mich mein Leben lang selbst. Ja schlimmer geht immer und eine Portion Dankbarkeit ist wichtig, aber es braucht auch das Anerkennen von dem was ist.

Ich habe nicht erlebt wie es ist in einer intakten Familie groß zu werden. Ich habe keine Ahnung davon wie man sich da fĂŒhlt und was ich da fĂŒr Möglichkeiten gehabt hĂ€tte mit dem Leben umzugehen. Ich bin so wie ich bin und ein Teil davon ist entstanden durch das was in meiner Familie passiert ist. Niemand kann das vergleichen mit Normal, denn das ist meine NormalitĂ€t, ich kenne nichts anderes und aus ihr heraus verhalte ich mich. Das ist mein Leben und ich pfeiffe darauf ob Kinder die das nicht erlebt habe es besser oder anders hinbekommen. Ich werde immer ein Scheidungskind in mir tragen, immer, ein Bein wĂ€chst nicht nach...damit muss man (ich) leben.

Alles Liebe Tami
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Traum-TĂ€nzerin 10. April 2013 17:34

Liebe Maxi,

was ich mir gewĂŒnscht hĂ€tte?

Das mir jemand die Hand hinhĂ€lt, der sieht " Ich sehe du tust dich gerade schwer und wenn du magst dann erzĂ€hle mir wie es in die aussieht- was es mit dir macht..." Ich hĂ€tte mir sehr gewĂŒnscht, dass Schweigen brechen zu können und einfach nur erzĂ€hlen zu können ohne "du musst dieses, jenes wird erwartet, du musst respektieren..." Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht erzĂ€hlen zu können ohne das daran direkt eine Erwartung geknĂŒpft ist und das man mir gesagt hĂ€tte "Du bist okay, deine Gedanken sind Ordnung und ich bin einfach nur hier, wenn du mich brauchst!"

Mir hat es in den Tiefen meiner Seele so unendlich weh getan, dass "mein Papa" mit einer anderen Frau ein Kind bekommt. Da haben sich fĂŒr mich, gefĂŒhlt zwei Menschen zwischen mich und Papa gedrĂ€ngt, die da in meiner GefĂŒhlswelt nicht hingehörten. NatĂŒrlich ist der Gedanke egoistisch und ich weiß auch nicht, ob der sich nachvollziehen lĂ€sst fĂŒr jemanden der es nicht erlebt hat. Ich konnte diesen Schmerz ĂŒber die erlebten Verlust, ĂŒber die Streiterein und die Erwartungen die man an mich stellte nur aushalten in dem ich die Frau und die Kinder meines Vaters ignorierte. Dieser Schmerz hat mich so sehr angefĂŒllt, ich war vollkommen ĂŒberfordert mit allen Aspekten der Siuation und ich konnte das nur ĂŒberleben, in dem ich ignorierte- schwieg- aushielt- hinnahm und manchmal,dann wenn mein Inneres zu angespannt war dann habe ich böse Worte benutzt (Gift& Galle gespuckt) weil es mich sonst auseinander gerissen hĂ€tte.

LG TT
An dem Tag, an dem
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 10. April 2013 18:29

Liebe Maxi,

in meinen Augen ist es ein Trugschluss, dass sich nichts zwischen dem Vater und der Tochter Àndert. Jedes Wesen, das in ein System kommt verÀndert es.
Das ist genau das was ich fĂŒhle, dass du da gern die Augen vor verschliesst, was sich doch so deutlich zeigen will und dagegen ankĂ€mpfst, anstatt es anzusehen.

Tami es tut mir leid, was Du erlebt hast und welche Wunden Du davon getragen hast. Ich lese in Deinen eigenen Threads ĂŒberwiegend nur still mit und wĂŒnsche mir, dass Du irgendwann dieses GefĂŒhl "nur ein Bein" in "zwei beine" umwandeln kannst.


Wieso tut es dir leid?
Es geht nicht darum, dass dir da etwas leid tun mĂŒĂŸte nicht bei mir und auch nicht bei der Tochter deines Mannes, sondern es geht darum verstehen zu wollen, damit VerstĂ€ndnis und EinfĂŒhlung möglich werden, das ist in meinen Augen die Basis fĂŒr Beziehung. Sich fĂŒr die Sichtweise und Welt des anderen zu öffnen, mag sie einem noch so fremd erscheinen.
Das GefĂŒhl lĂ€ĂŸt sich nicht umwandeln, sondern man lernt mit einem Bein zu gehen...Alles andere wĂ€re ver-rĂŒckt...

Ja es ist deine Situation, wir haben hier angeboten von uns zu erzĂ€hlen, weil du danach gefragt hast. Ich kenne Eure Situation nicht, ich bin mir aber sehr sehr sicher und das zeigt auch meine Erfahrung mit Menschen, die so etwas erlebt haben, dass es Parallelen gibt im Erleben. Und da erkennen sich die, die gemeinsames Erleben teilen wieder...Was meinst du wĂŒrde die Tochter deines Mannes hier finden?

Noch ein Gedanke, vielleicht weiß die Tochter warum es wichtig war, aber sie muß es nicht ok finden, denn fĂŒr die Eltern war das wichtig fĂŒr sie war es schmerrhaft. Es tut weh, wenn die Welt, in der ein Kind lebt in zwei StĂŒcke zerrissen wird, die danach unvereinbar sind.( Ein gutes Buch dazu "Kind sein zwischen zwei Welten", wenn es dich interessiert. )

Liebe GrĂŒĂŸe
Tami
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Traum-TĂ€nzerin 10. April 2013 21:01

Liebe Maxi,

ich werde hier jetzt aufhören, ich fĂŒhle mich vollkommen unverstanden und ich werde mich auch nicht nochmal dazu erklĂ€ren! Wenn du deiner Stieftochter in der selben Art und Weise gegenĂŒber argumentierst, wirst du weder ihre WertschĂ€tzung, noch ihre Anerkennung erhalten- ich soll mich exakt beschreiben, gebe meine Empfindungen preis, damit sie im nĂ€chsten Moment niedergebĂŒgelt werden!

Ich wĂŒnsche dir und deiner Familie alles Gute und einen Weg den ihr gemeinsam gehen könntet!

Liebe GrĂŒĂŸe,

TT
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Tamara22 10. April 2013 22:54

Liebe Maxi,

ich habe auch das GefĂŒhl von UnverstĂ€ndnis im Moment und das kann ich so stehen lassen. Ja du schreibst aus einer anderen Persektive und ich bin dennoch der Meinung, dass Beziehung eben dadurch entsteht, dass man sich auf die Perspektive des anderen einlassen kann. Ich dachte das wolltest du gerne bei der Tochter ermöglichen...oder habe ich mich da getĂ€uscht?
Mir scheint du hast eine Menge Erwartungen an sie, woher kommt das?

Was ich hier an dieser Stelle mal auch an Ansa und Muckel gerichtet sagen mag...es heißt Scheidungskinderforum und bis vor einiger Zeit war es ein großes Anliegen, das Erleben und Empfinden der Scheidungskinder deutlicher zu machen und zu verstehen, es war ein Angebot an die Eltern, an neue Partner, andere Familienmitglieder.
Ihr seid euch in diesem Post sehr einig, klar ihr habt ja auch Ă€hnliche Erlebnisse und das verstehe ich auch, ihr macht damit aber dicht fĂŒr alles andere Erleben und das schockiert mich sehr...
Ich glaube wenn die Tochter hier lesen wĂŒrde, dann wĂŒrde das eine riesen Verletzung erzeugen, einfach deswegen weil ihr euch eigentlich nur selbst bestĂ€tigen wollt, dass ihr Recht habt und sie unrecht. Und das ganze untermauert mit "Man-Aussagen" und moralischem Zeigefinger.
Ich dachte wirklich es geht um das Erleben und Empfinden und dass der weg hin zu LösungsansĂ€tzen genau ĂŒber das verstehen und VerstĂ€ndnis haben ermöglicht wird.
Ich weiß nicht, was dazu beigetragen hat, dass hier eine solche Mauer aus Schutzmaßnahmen errichtet wird und ein anderes Erleben nicht "gestattet" ist.

Ich bin traurig, dass da so wenig EinfĂŒhlung möglich ist.
Und wenn selbst Therapeuten der Meinung sind, dass das Kind doch mal nach vorn schauen soll und froh sein soll, was es heute hat, dann frage ich mich ob die vielleicht auch geschieden oder eine Zweitfrau gewesen ist und ihres nicht hat trennen können...der Tellerrand ist eben manchmal sehr hoch...

Tami
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