Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Der Treffpunk fĂŒr Alleinerziehende und Patchworkfamilien. Hier können Erfahrungen und Sorgen ausgetauscht werden.

Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa 22. August 2014 14:01

Liebe Maxi,

neinneinnein, mit "das hat sie doch nicht so gemeint" oder schlimmer "sie weiß ja nicht, was sie sagt" kann man dem nicht mehr begegnen, mit Nachsicht fĂŒr pubertĂ€re HintergrĂŒnde (da gehören eben auch Provokationen zu) durchaus - aber und das ist groß gemeint, das Wichtigste in dieser Zeit ist eben auch, die Jugendlichen lernen lassen, was sie mit ihren Äußerungen anrichten.

Sie ernst nehmen und jemand, der sagt "och, sie weiß ja nicht was sie tut" der nimmt einen Heranwachsenden nicht ernst und das spĂŒren die Jugenldichen und legen immer noch mal eines drauf - sie testen wie die kleinen Dickköpfchen mit 2/3 Jahren alles noch einmal aus. Gelten die Regeln die wir getroffen haben, was passiert wenn ich drĂŒber bin, wie reagieren meine Eltern wenn ich etwas mache, von dem ich sicher weiß, es ist inakzeptabel (Stichwort Jugenddelinquenz)....

Das ist natĂŒrlich in Deiner Situation sehr belastend, aber das Vertrauen eben auch unbequem zu reagieren udn zu sagen, wie Du das empfindest, das sollte sie haben.... auch wenn sie es versteckt. Ihr habt einen langen Weg zusammen gehabt und da sollte schon was vorhanden sein, das es ermöglicht eben mal nicht die Klappe zu halten. Punktum, da will sie hin und da muss sie vielleicht wirklich durch.

Eben mal nicht nachsichtig sein, sondern Tacheles reden und so wie ich Dich kenne, lenkst Du sowieso ein und bist bereit fĂŒr eine ausgestreckte Hand, auch diese Zeit ist eine Zeit des Lernens, in einigen Jahren wird man sehen - was ĂŒbrig geblieben ist. Nur nicht nachtragend sein, das ist das Wichtigste.

Liebe GrĂŒĂŸe und fĂŒhl Dich gedrĂŒckt - ich kann Deine MĂŒdigkeit so gut verstehen
Ansa

P.S. Vieles von ihrem Verhalten ist ganz normales Verhalten in dieser Zeit, das zeigen alle Jungedlichen und am Ende ist es sogar etwas Positives - wĂ€re nĂ€mlich alles gestört - wĂŒrde sie das nicht probieren. Paradox - aber so fĂŒhlen sie sich auch mitunter.
Sei zĂ€rtlich mit den Kindern, mitfĂŒhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmĂŒtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Hexe666 27. August 2014 12:10

Hallo Maxi !
So nun möchte ich einmal Stellung zu dem Ganzen nehmen ! Habe Dein Thema "Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz? " lange mit verfolgt !
Zu mir: Ich bin auch ein (25jÀhriges ) Scheidungskind und kann mich deshalb SEHR GUT in deine Stieftochter hineinversetzen. Bei meinen Eltern lief es so Àhnlich ab wie bei Euch.
Sie waren fast 22 Jahre verheiratet. Dann kam plötzlich eine jĂŒngere Frau in unser Leben. FĂŒr mich hat diese Frau alles kaputt gemacht. FĂŒr mein Vater war sie aber die neue
LebensgefÀhrtin.
Von Anfang an wurde von mir verlangt, dass ich nun diese Situation zu akzeptieren hatte. Viel geredet hat mein Papa mit mir darĂŒber nie.
So hart sich die Aussage von deiner Stieftochter auch anhört "zu ihrer Familie gehöre ich nicht und meine Tochter also ihre Halbschwester auch nicht" ich kann sie jedoch nachvollziehen. Und ich verstehe auch nicht warum dich das so sehr belastet da du ja jetzt deine eigene Familie (mit eigenem Kind) hast, sie ist ja immerhin NUR die Tochter deines Mannes und somit nicht deine Leibliche Tochter. Vielleicht willst du sie ja gar nicht als deine "leibliche Tochter "ansehen aber so wie du hier schreibst was du fĂŒr Anforderungen stellst, wie sie zum Beispiel mit deinem Kind umgehen soll, könnte man meinen du möchtest das.
Im Grunde genommen hat sie auch mit der Aussage recht. Da ihre biologische Familie aus leiblicher Mutter, leiblicher Vater und Geschwister besteht. Genau diese Einstellung hatte UND habe ich heute auch zu meiner Familie. Die neue Frau meines Vaters war das dann auch ,nachdem ich das klar gestellt hatte, egal. Es ist ihr einfach klar geworden das es fĂŒr mich bei meinem Vater keine Normale Familie ist. Zudem fĂŒhlte ich mich auch bei meinem Vater nie so richtig wohl weil das einfach NICHT MEIN zuhause war.
Außerdem wurde von mir von Anfang an verlangt das ich meinen Halbbruder (der geboren wurde als ich 17 war)"auf HĂ€nden trage". Ich habe mich noch nie sonderlich fĂŒr Kinder interessiert und das wusste mein Vater auch, trotzdem wurde dieses Normale Verhalten gegenĂŒber meiner Stiefmutter und meinem Stiefbruder von mir verlangt. Ich habe es auch probiert , mich anzupassen, aber ich wollte diese "neue Familie" nicht. Und hatte das dann endlich 2 Jahre spĂ€ter klargestellt.
Wenn ich das lese was du ĂŒber deine Stieftochter schreibst könnte ich meinen du erzĂ€hlst gerade etwas ĂŒber mich. Du musst auch bedenken, dass Deine Stieftochter nicht in einer intakten Familie aufgewachsen ist.

L.G. Hexe666
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Hexe666 3. September 2014 20:08

Hallo,
Das tut mir leid das jetzt kein kontakt mehr besteht. Hat deine Stieftochter auch keinen kontakt mehr mit ihrem Vater ?
L.g hexe666
:trost:
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Ansa 4. September 2014 09:52

Liebe Maxi,

wir glauben immer an das Gute.... am Ende ist es das, was eine Mutter ausmacht, der Glaube an das Gute und auch daran, das sich wieder alles zum Besten wendet. Je Àlter ich werde, desto gelassener kann ich solche "Phasen" nehmen - die Dinge bleiben nicht statisch.

Was daraus wird, wie und warum - auch das ist ein Prozess..... aber erst einmal schmerzt es und ich kann mir gut vorstellen, wie tief getroffen Du bist. Diese Entwicklung tut mir wirklich leid. Du hast so sher gekÀmpft - vielleicht, vielleicht ist da ein Hauch von Sicherheit, das von Seiten der Tochter auch probieren zu können? Klingt blöd - aber so sind Kinder..... komm Du erst mal zur Ruhe und bleib bei Dir und Deinen Lieben.

FĂŒhl Dich gedrĂŒckt
Ansa
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Re: Halbgeschwisterchen mögen? Konkurrenz?

Beitragvon Schnatterinchen 5. September 2014 11:43

Hallo zusammen,


jetzt habe ich eine ganze Weile ĂŒberlegt, ob ich hier was schreibe oder nicht, aber manche Dinge haben mich auch sehr berĂŒhrt, und ganz am Ende will ich dann vielleicht auch noch etwas positives sagen.

Als ich den Eingangspost gelesen habe, musste ich an meinen Bruder und mich denken. Ich war neun als er zur Welt gekommen ist.
Tatsache ist, dass er nicht mal ein Halbgeschwisterchen ist, aber er trotzdem fĂŒr mich eine schreckliche Konkurenz war.
Dass er da war hat mein Leben auf eine fĂŒr mich schlimme Art verĂ€ndert.

Mir wurde immer gesagt wie schön es doch ist, dass ich jetzt einen Bruder habe, dass wir eine ganz besondere Verbindung zueinander haben, die uns nie jemand weg nehmen kann und die fĂŒr immer hĂ€lt. Dass ich ihn doch lieb haben muss, einfach weil das bei Geschwistern so ist.
Ich hab das nicht kapiert und kapiere die Aussagen meiner Eltern ehrlich gesagt bis heute nicht.

FĂŒr mich war es nicht "schön", dass er da war. Dass er da war hat fĂŒr mich bedeutet, dass meine Mum weniger Zeit fĂŒr mich hatte. Dass sich alles plötzlich nur noch um ihn gedreht hat. Dass ich still sein musste, wenn er geschlafen hat. Je Ă€lter er wurde umso schlimmer wurde es. Zum Beispiel wenn wir gegessen haben - er durfte sich dann als erstes nehmen was er wollte, und dann erst war ich dran. Wenn er sich dann alle Tomaten genommen hat, ja dann hatte er halt alle und ich musste ohne Tomaten leben. (Ich hab heute noch einen schrecklichen Futterneid!). Wenn er Sachen von mir zum Spielen haben wollte, dann sollte ich ihm die geben, auch wenn ich nicht wollte, dass er sie kaputt macht. Ich hĂ€tte gerne einen Euro fĂŒr jedes Mal, das ich gehört habe "Du bist doch jetzt die Große, du musst vernĂŒnftig sein!" - dann hĂ€tte ich wohl echt keine Geldsorgen.
Damit will ich nicht sagen, dass es wo anders oder bei euch auch so lĂ€uft, ich denke mir dass es genau nicht so ist. Ich will nur unterstreichen, dass es fĂŒr mich nicht "schön" war, einen Bruder zu haben.

Durch den großen Altersunterschied konnte er mir nĂ€mlich auch nichts zurĂŒck geben. Ich konnte nicht mit ihm spielen, ich musste auf ihn aufpassen, die Große sein. Er hat mir auch keine Bilder gemalt oder was gebastelt, da haben immer nur Mama und Papa was bekommen. Von der angeblichen Verbindung die wir haben sollten, habe ich nichts gespĂŒrt außer dass ihm von unseren Eltern beigebracht wurde, dass er eine große Schwester hat und die ist immer und bedingungslos fĂŒr ihn da. Aber er hatte mir tatsĂ€chlich nichts zu bieten.

Je Ă€lter ich wurde, umso weiter hab ich mich von ihm entfernt, und ja ich wĂŒrde auch sagen, ich hab ihn ignoriert.
Ich weiß, dass ich kein einziges Mal seine Windeln gewechselt hab, ich hab ihn nie gefĂŒttert, als er noch ein kleines Kind war.
Ich hab ihn dann spÀter ab und zu ins Bett gebracht, aber auch nur wenn unsere Eltern ausgehen wollten und ich sozusagen Babysitten musste.

Ich hab ihn genauso ignoriert wie die Tochter deines Liebsten das macht. FĂŒr mich war er nur eine NervensĂ€ge, eine Belastung, aber keine Freude.

Ich habe an der Stelle eine Frage, weil mich das wirklich interessiert, meine Eltern kann ich nicht fragen, aber euch!!!
Warum glaubt ihr denn, dass ein Ă€lteres Kind sich ĂŒber ein Geschwisterchen freut? Was hat das Ă€ltere Kind "schönes" davon, dass jetzt ein Geschwisterchen da ist?

Bei uns ist es so weiter gegangen, dass ich jahrelang eben einfach nicht mal ne schlechte sondern einfach keine Beziehung zu meinem Bruder hatte (vielleicht ist das sogar besser als eine schlechte Beziehung zu haben).
Oft hab ich mich ĂŒber unsere Eltern geĂ€rgert, weil sie ihm mehr ermöglicht haben als mir, weil es ihnen dann einfach finanziell besser ging. Er hat so viele Dinge bekommen, auf die ich verzichten musste, weil kein Geld da war: Karatekurs, MotorradfĂŒhrerschein, Motorrad...

Ich sollte an dieser Stelle erwĂ€hnen: Ich habe immer klar gewusst, dass mein Bruder fĂŒr das alles gar nix kann und die meisten Dinge, die ich als ungerecht emfpunden habe, an unseren Eltern lagen. Aber auch obwohl ich Ă€lter wurde und nichts mit ihm zu tun hatte, war sein Dasein nix "Schönes" fĂŒr mich. Ich hatte keinen Bezug zu ihm, keine gemeinsamen Interessen, wenn dann hatte ich eben Ärger weil ich etwas ungerecht fand.

Als ich 19 war bin ich von zu Hause ausgezogen und hatte GAR KEINEN Kontakt mehr zu meinem Bruder außer kurz beim Essen wenn ich meine Familie besucht habe.

Und jetzt kommt das große ABER!!! (kann man das hier irgendwie grĂ¶ĂŸer machen? Das geht gar nicht so groß wie ich es gerne hĂ€tte!)

HEUTE ist mein Bruder einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und einer der am besten Bescheid weiß wie ich mich fĂŒhle. Dass ich einen neuen Freund habe, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, wusste mein Bruder frĂŒher als meine Eltern zum Beispiel. Wir chatten regelmĂ€ĂŸig, ich freue mich ĂŒber seine Anrufe, dieses Jahr war er zum ersten Mal auf meiner Geburtstagsfeier und ich auf seiner und beide Parties waren so mega-genial, dass wir bestimmt in zehn Jahren noch zusammen drĂŒber reden.
HEUTE wird mir nur warm ums Herz, wenn ich an meinen Bruder denke, und ja heute liebe ich ihn wirklich und wenn es mir richtig schlecht geht, dann ist einer der lautesten Gedanken in meinem Kopf "Ich will zu meinem Bruder!"

Aber dazu musste Zeit vergehen. Dazu mussten wir beide zu Menschen werden, die etwas miteinander anfangen können.
Das hat so angefangen, dass mein Bruder snowboarden gelernt hat und ich ihn dann irgendwann einfach mal mit zu mir genommen habe nach einem Weihnachten, damit wir zusammen in die Berge fahren können. Wenn ich zu Besuch bei der Familie war hab ich ihn oft gefragt ob er mit mir eine Runde Motorrad fÀhrt, weil wir das beide lieben, ich aber keinen Schein hab - und er hat mir den Gefallen dann getan. Irgendwann hat er mich dann mal zum Oktoberfest besucht - und seit diesem ersten Mal macht er das jedes Jahr (und die Interessen haben sich mittlerweile von Achterbahnfahren zu Biertrinken verschoben *hihi*). Wenn es geht, besucht er mich jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester zum Snowboarden. Und mittlerweile auch unter'm Jahr einfach so.
Auch das hat Zeit gebraucht, war anfangs seltsam, weil ich nicht wusste worĂŒber ich mit ihm reden soll, was ich mit ihm anfangen soll. Es geht ja nicht nur darum etwas zusammen zu unternehmen sondern auch ĂŒber etwas reden zu können.
Irgendwann dann Abi - ein gemeinsames Thema.
Dann Studium, Arbeit, gemeinsame Themen.
Plötzlich sein erster Liebeskummer. Absolute LoyalitĂ€t der großen Schwester - seit dem sprechen wir ĂŒber Beziehungen.
Seit dem fragt er mich regelmĂ€ĂŸig wie es mir geht und versichert mir, dass er immer fĂŒr mich da ist. Und tatsĂ€chlich ist er das auch.
Mittlerweile reden wir ĂŒber GefĂŒhle, vertrauen einander. Wenn ich was hab, dann schreib ich ihm.
Ich kann auch mittlerweile mit körperlicher NĂ€he zu ihm anders umgehen, seine Umarmungen genießen, mich bei ihm anlehnen und das entspannend finden.

Und ja mittlerweile kann ich denke ich auch diese wunderbare Bindung zwischen Geschwistern spĂŒren. Aber - dazu musste er erst 21 und ich 30 werden!!!

Ich weiß nicht wie es fĂŒr meine Eltern war das zu sehen und das auszuhalten. Meine Mutter sagt trotz allem, dass ich eine "gute große Schwester" war.
Aber sie sagt auch oft "wenn du ihn nich haben wolltest, hab ich dich halt machen lassen".

Ich betone nochmal, dass er nicht mal ein Halbgeschwisterchen ist. Damit will ich sagen, dass das Verhalten der Tochter deines liebsten vielleicht nicht ausschließlich darauf zurĂŒck zu fĂŒhren ist. Ich wollte aber mal MEINE Sicht hier darstellen. Vielleicht will ich ein bisschen VerstĂ€ndnis fĂŒr eine große Schwester erreichen. Und vor allem wĂŒrde mich eine Antwort auf die Frage interessieren, eben warum Eltern felsenfest davon ausgehen, dass ein kleines Geschwisterchen soooooo toll ist?

Alles in Allem:
Auch wenn es jetzt gerade bei euch richtig mies aussieht.
Es kann gut werden!! Auch wenn es vielleicht noch 20 Jahre dauert.

:winken:
Carpe Diem!
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