Loben oder DĂ€mpfen?

Hier wollen wir zusammen nach Lösungen suchen, die sich bei der Erziehung von Kindern oder der Suche nach Richtlinien fĂŒr Teenager ergeben

Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon FairyQueene 19. Dezember 2010 15:34

Hi,

ich bin einigermaßen verunsichert. Ich habe einen vielseitig interessierten Sohn von 12 Jahren, der dazu neigt, sich zwischen Schule und vielerlei FreizeitaktivitĂ€ten (Sport und Musik) zu verzetteln. Es liegen auch ca 20 angefangene BĂŒcher bei ihm herum, angefangene Zeichnungen, angefangenes Songgebastel, eine komatöse Greenpeace-Mitgliedschaft usw.

Er ist durchaus noch kindlich in seiner Vorstellung, wenn er etwas anpackt, wird es am Ende schon genial werden, und zwar ohne daß er sich groß anstrengen mĂŒsse. Eine Einstellung, die Menschen meiner Generation, besonders ich, aber noch mehr mein Freund, eher schwierig finden.

Ich sage hĂ€ufig, daß man so keine vernĂŒnftigen Ergebnisse bekommt, das fruchtet aber nicht. (Die einzige „Maßnahme“, bei der ich eisern bleibe, ist, daß kein neues Hobby mehr dazukommt.) Als Einzelkind in einer eher kinderfreien Umgebung wird er von diversen Erwachsenen (Omas, Freunden) ohnehin abgefeiert wie ein Wundertier.

Es kam jetzt hier zu einem kleinen Eklat – wir hatten in den vergangenen Jahren fĂŒr Verwandte und Freunde zusammen eine Weihnachts-CD aufgenommen. Da spielte Sohni noch Saxophon, das Equipment ist sowieso im Haus, war lustig. Nun hat er im Sommer aus guten GrĂŒnden das Instrument gewechselt. Er spielt jetzt Klavier, was wesentlich schwieriger zu bewĂ€ltigen ist. Er wollte trotzdem eine CD, ohne rechtzeitig was dafĂŒr zu tun, kam dann gestern mit vier selbstkomponierten Takten an, und mein Liebster hat sich geweigert, aus fast gar nichts eine CD zu machen, nur damit Sohni sich mal wieder ĂŒberall als musikalischer Held abfeiern lassen kann. Großes Drama im Haus!

Ich war hin- und hergerissen. Der Liebste hat recht, andererseits kann man einem Kind nicht sagen „Dein Zimtstern ist zu krumm, den kannste Oma nicht schenken“ (zumal mir als Kind mal sowas gesagt worden ist, da war ich aber auch noch kleiner).

Letztlich gab es dann einen Kompromiß: Wir stampfen die CD aus dem Boden, und nĂ€chstes Jahr wird es nur eine geben, wenn sie rechzeitig vorbereitet wird und ALLE ĂŒben, auch unser junger Pianostar. Damit können wir alle leben.

Trotzdem stellt sich mir die Frage, ab wann Kinder eigentlich gewisse Wahrheiten wie „Tut mir leid, aber du bist nicht genial“ oder auch nur "wenn du gut sein willst, mußt du ĂŒben" vertragen können und sollten. Sohnis Frustrationstoleranz ist nicht so groß. Weil er zu viel gelobt wurde/wird? Er kann auch nicht unterscheiden, wenn man sagt, „ich sehe, du hast dir MĂŒhe gegeben ((wenn’s denn mal stimmt)), das ist toll, aber ...“ Da hört er immer nur das Aber.

Ich höre von anderen, daß dieses etwas oberflĂ€chliche Betreiben von vielerlei Dingen und das „Lieber-Abspringen-als-sich-Anstrengen“ eine Art Zeitkrankheit unserer Kinder/Jugendlichen ist. Sie haben ja auch viel mehr Möglichkeiten heute. Deckt sich das mit Euren Erfahrungen, und was kann man dagegen sinnvoll tun?

Andererseits sehe ich Sohnis Lieblingskumpel, der Sport und Musik aufgegeben hat und nur noch am Computer spielt. FÀnde ich noch blöder als das, was wir hier haben. Gibt es einen Mittelweg?

Sorry, ganz schön lang geworden. Liegt mir aber gerade etwas auf der Seele.

Herzlich grĂŒĂŸt
Fairy
FairyQueene
 

Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon Bolz 20. Dezember 2010 14:14

Hallo Du,

das "abgefeiert werden wie ein Wundertier" ist eine wirklich schöne Umschreibung, da sprichst Du mir aus dem Herzen. Das ist bei der Tochter meines Mannes auch so.

Ich denke Du kannst nicht viel tun, außer es ihm vorleben und ihn in die richtige Richtung "loben". Soll heißen, dass Du ihn fĂŒhlen lĂ€ssst, wenn Du etwas von ihm ehrlich toll findest und auch, wenn Du etwas nur zur Kenntnis nimmst, aber nicht in LobgesĂ€nge ausbrichst.

Bei der Tochter meines Mannes rede ich mir auch seit Jahren den Mund fusselig, dass nicht jede Fingerbewegung wie ein Weltrekord aufgenommen wird. Aber langsam ist es Ă€hnlich wie Du beschreibst, sie macht nichts zuende, kann sich mit nichts lĂ€nger beschĂ€ftigen und auch in der Schule lassen die Leistungen dramatisch nach. Anstrengen nicht gelernt. Das merken nun auch einige anderen Beteiligten wie Mutter und Oma, daher habe ich noch die Hoffnung, dass sie vielleicht doch ihre Haltung ĂŒberdenken.

Wenn Du bist wie Du bist und einen guten Draht zu ihm hast wird er Dich nachahmen wenn Du GlĂŒck hast. Dann kannst Du ihm dann auch deutlich zeigen wie stolz Du auf ihn bist. Und ihm immer wieder auch Konsequenzen seines Handelns erklĂ€ren und merken lassen ( z.B. nichts ausbĂŒgeln, wenn er es durch mangelndes Anstrengen nicht schafft). Mehr kann man glaube ich nicht tun...

GrĂŒĂŸe
Bolz
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Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon MarliJo 21. Dezember 2010 11:51

Hallo Fairy !

Nun habe ich (noch) keine eigenen Erfahrungen mit 12j. Jungs mit "ĂŒbertriebenem" Interesse an allem Möglichem. Mein fast 11jĂ€hriger ist doch recht kontinuirlich bei den Dingen, die er macht und was er anfĂ€ngt,bringt er in aller Regel auch zu Ende, wĂ€hrend mein Töchterchen ganz und gar dem Reiz des Neuen verfĂ€llt, kein Sitzfleisch hat und mit der MentalitĂ€t einer Eintagsfliege in und durch den Tag lebt.
Mein erster Gedanke beim Lesen war, eigentlich, >schön, dass sie einen so vielseitig begabten Sohn hat<, und >klar, dass er das Anerkannt haben will<. Ich wĂŒrde sagen, lass ihn sich ausprobieren und selbst seine Erfahrungen machen, womit er wie mit den seinen "Ergebnissen" landet. Wobei ich finde, das weniger das Resultat zĂ€hlt, sondern der Wille, etwas zu schaffen und der Weg. Vielleicht ist es eine Idee, seine Erwartungen an ĂŒberschwenglichem Lob etwas gedĂ€mpfter anzubringen und mehr Lob zu geben, wĂ€hrend er sich beschĂ€ftigt mit dem, was ihn gerade interessiert, alles wohldosiert. Ich denke, dass das auch die Motivtion zum Weitermachen unterstĂŒtzen könnte. Und wenn "sein Zimtstern" krumm wird,..ich meine schon, dass man einem Kind sowohl in seinem Alter und auch frĂŒher ein freundliches, aber ehrliches Feedback geben kann im Sinne von >guck mal,...das könntest du doch hier oder da noch etwas besser/schöner... machen!<. Kinder nur einer nett gemeinten Lobhudelei auszusetzen und sie vor jeder Kritik und EnttĂ€uschung zu bewahren, kann es meiner Meinung nach jedenfalls nicht sein. Wenn sie etwas anfangen und nur halbherzig voran bringen, kann man eben auch nicht sagen >das haste aber fein gemacht< und denken >stimmt ja eigentlich nicht<.
Ich finde eure Lösung zu der jetztigen CD ganz gut, so kann er "zeigen", was er gelernt hat seit den Ferien und nĂ€chstes Jahr bei entsprechender Anstrengung den Pianostar "mimen". Wenn er dazu den Willen hat, und ihr ihm dabei untestĂŒtzt, wird das schon klappen.
Und,.. es muß ja auch nicht wirklich 100 prozentig sein, was KInder abliefern. Ein mir große Gelassenheit verschaffendes Sprichwort sagt "die letzten 5% bedeuten 50 % des Gesammtaufwandes". Wenn also dein Sohni mit einem etwas farig erscheinden, geringen Aufwand ein gutes Ergebnis schafft , ist doch gut. Andererseits ist er alt genug, dass ihr ihm innerhalb seiner Hobbys immer mal wieder ĂŒberschaubare Ziele vorgebt.
So etwas wie 20 angefangene BĂŒcher kann mann ja auch etwas reglementieren, indem es erst mal keine neuen BĂŒcher gibt oder eben nur 2 BĂŒcher aus der BĂŒcherei geliehen werden, also keine neuen, bevor die alten nicht abgelesen sind.
Oder Greenpeace,...wenn er seine Mitgliedschaft wirklich ernst nimmt, soll er doch monatlich einen Obulus spenden. Wenn ihm das nicht angemessen erschient, dann kann er es eben auch ganz lassen.
Wichtig ist unter dem Strich, denke ich, dass ihr ihm "logisch" nachvollziehbare Konsequenzen vermittelt. Je klarer er eure Haltung wahrnehmen kann, desto weniger wird er zu diskutieren versuchen - der Mittelweg kommt dabei von ganz alleine, wenn doch Kompromisse angesagt sind.

Dir schöne vorweihnachtliche GrĂŒĂŸe !
MarliJo
MarliJo
 

Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon FairyQueene 21. Dezember 2010 18:17

Ah, danke erstmal, Ihr Beiden!

Ich meine nicht, daß Kinder alles perfekt machen mĂŒssen, nur eben, daß sie lernen mĂŒssen, sich anzustrengen. Erarbeitete Erfolge machen (mir) mehr Spaß als in den Schoß gefallene.
Naja. "MentalitĂ€t einer Eintagsfliege" beschreibt es ĂŒbrigens super :D Wird sofort in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen.

Auch Euch (und allen) schöne Weihnachten!
Fairy
FairyQueene
 

Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon Ansa 22. Dezember 2010 13:31

Liebe Fairy,

einer meiner GrundsĂ€tze ist es, einfach gar nicht zu loben. Diese klassischen LobansĂ€tze "Toll", "das hast Du einfach wunderbar gemacht" und wie sie alle heißen, sind nĂ€mlich, finde ich, austauschbar und oft genug nebenbei benutzt, so dass sie wenig aussagen.

Ich bin da ehrlich und sage, was ich meine, bei einem gemalten Bild erzĂ€hle ich, was ich sehe und frage ggfs. nach und bin mit dem Kind im GesprĂ€ch. Bei Musik kann ich das auch tun, indem ich ehrlich sage, "Wow, das klingt schon viel besser als letzte Woche" so bleibt meine Anerkennung (um die geht es im Grunde) bei der Wahrheit.... oder eben auch "Menno, Du bist durcheinander gekommen, was ist los? Magst noch einmal ĂŒben und ich höre Dir zu?" Immer ehrlich sein, auch wenn Kinder das tolle Lob den eigenen Aussagen vorziehen mögen, so wissen sie am Ende doch, wer da ehrlich ist. Liebe sagen "ich bin beeindruckt, wie ernsthaft Du ĂŒbst," als "oh toll....."

Kinder können von Lob auch abhĂ€ngig werden, von ernstgemeinter Anerkennung nicht, denn die sieht die BemĂŒhung, die Arbeit und nicht nur das, was alle anderen sehen..... jedes "meine GĂŒte, was Du Dir fĂŒr Arbeit gemacht hast" wiegt schwerer als das schlicht "Oh toll!" Obgleich das viel aufregender klingt. Weißt Du was ich meine?

Dies alles anfangen, aber nichts zu Ende bringen, kenne ich auch..... es zieht sich durch unsere Zeit und kann im Grunde, glaube ich, nur durch Vorleben entwickelt werden. Erwachsene, die mit ihrer Zeit nichts zu beginnen wissen, allein mein ich, die betreiben Eventhopping..... bloss nicht nichts tun, immer am Ball, immer was Neues, immer höher, weiter und mehr.... da bleibt nur vorleben.

Ich hab mit meinen Kindern Kompromisse geschlossen, wenn sie etwsa beginnen wollten, gab es immer die Verabredung, wie lange sie das mindestens machen mĂŒssen - das war meist ein halbes Jahr. Und Absprachen werden bei uns sehr ernst genommen. Ein halbes Jahr ist fĂŒr mich die Zeit, die es braucht, um etwas ansatzweise ĂŒben zu können, um ein wenig Routine einkehren zu lassen und auch um feststellen zu können, das ist eben nicht nur ein Flackerlicht am Horizont.

Und, wenn die Schulleistungen nicht mehr stimmig sind, dann wurde und wird bei uns an den umgebenden Dingen gekĂŒrzt, nicht aus Strafe oder Trotz, sondern einfach weil Schule der allererste und wichtigste Job fĂŒr alle Kinder ist. Und wenn die klappt, können alle machen, was sie wollen..... das ist bei uns Großen nicht anders, erst der Job, dann das VergnĂŒgen. Ach, wie hab ich den Satz als Kind gehasst, aber die Aussage stimmt trotzdem. :D

Neues Zubehör gibt es erst, wenn das alte verkauft ist, Kinder brauchen da eine Grenze, sie mĂŒssen sehen, das man nicht alles kann, auch nicht unter dem MĂ€ntelchen der ernsthaften und förderungswĂŒrdigen TĂ€tigkeiten, bei denen sagen Eltern viel schneller mal "Ja klar" als ginge es um fernlenkbare Autos oder PC Spiele.

Und am Ende geht es auch um vernĂŒnftige Auseinandersetzungen, um das Lernen, das viele Dinge hochspannend sind, aber das man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann, sondern sich entscheiden muss. Also das man unter UmstĂ€nden tauscht, Greenpeace gegen etwas Anderes, oder eben doch nicht. Das man miteinander heraus findet, was einem wichtig ist und warum? Dabei können Eltern helfen und auch nachfragen "wie stellst Du Dir das vor?"

Dir und Euch liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
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Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon SoulOnFire 26. Dezember 2010 02:20

Ich möchte gerne den Beitrag von Ansa bzgl "Loben" ergÀnzen.

Ein "Hast du gut gemacht" macht ein Kind schnell abhĂ€ngig - es muss bei allem fragen "Bin ich gut? Ist es genug? Bin ich genug?" und wird diese Sicherheit nicht in sich finden. Es wird stattdessen empfĂ€nglich fĂŒr Manipulation.

Ein Lob sollte in jedem Fall immer realistisch und ehrlich sein! Kinder spĂŒren ob es wahr ist oder nicht. Ein falsches/unwahres Lob verunsichert ("ich dachte ich hĂ€tte es nicht gut gemacht, aber Papa/Mama gefĂ€llt es trotzdem... war das also gut? oder schlecht? naja Mama/Papa wird es besser wissen... ich bin nicht so wichtig.")

Ein gutes Lob macht das Kind und sein Handeln und die Konsequenzen sichtbar. Z.B.: "Oh dein Text reimt sich ja. Als du mir die Stelle mit der wĂ€ssrigen Zitrone vorgelesen hast, ist mir das Wasser im Munde zusammen gelaufen! :)" oder "Du hast alle BĂŒcher geordnet. Jetzt können alle ganz einfach jedes beliebige Buch finden. Dankeschön!"
Dann kann das Kind selbst den Schluss ziehen "ICH habe Mama/Papa berĂŒhrt. (bzw ICH habe alles ordenltlich gemacht!) Das habe ich gut gemacht! Ich bin gut!"
So lernt es die Konsequenzen seines Handelns realistisch kennen.

Macht das Kind mal etwas ungeschicktes, dann wird es das selbst merken. Auch dann ist Sichtbarkeit wichtig (wie Ansa Àhnlich schrieb) : "Oh das Glas ist runtergefallen. Jetzt ist der Saft auf dem Boden ausgelaufen und das Glas ist kaputt. Hast du dich erschrocken? Was möchtest du jetzt tun?... weiter essen? .. hm ich hab jetzt grad Angst dass ich gleich ausversehen in eine scharfe Scherbe trete und mir weh tue. Was meinst du? ... es wegmachen? ok, aber wie denn? Glaubst du der Besen aus dem Flur kann uns dabei helfen?"


Bei deinem Beispiel könnte ich mir das so vorstellen: "Puh da liegen 8 (genaue Anzahl!) BĂŒcher und ich weiß bei keinem wie es ausgeht. Ich bin ganz durcheinander. Gibt es eins davon, was dir besonders gefĂ€llt und wo du gerne wissen wĂŒrdest wie es ausgeht? Ich wĂŒrde mich sehr freuen, wenn ich eines mal bis ganz zum Ende kennen wĂŒrde. Dann wĂ€re das abgehakt. :-)" (Ein positives GefĂŒhl damit verbinden, etwas bis zum Ende erledigt zu haben = Lustgewinn/Motivation).
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Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon FairyQueene 27. Dezember 2010 11:27

Dank, Ansa und Soul on Fire,

fĂŒr Eure Gedanken. "GrundsĂ€tzlich nicht loben"? Ich hoffe, Ansa, Du wirst manchmal gelobt und jemand sagt mal "Deine Suppe schmeckt" und nicht bloß immer "wie interessant, da sind ja Bohnen drin". Vielleicht meinst Du ja falsches oder oberflĂ€chliches Lob, was mir einleuchtet (und von mir ohnehin nicht verteilt wird, ich gelte bei meinem Sohn als "negativ" :D was gar nicht stimmt, höchstens im Gegensatz zu Oma)

Und alles, was nach pĂ€dagogischem Verhalten riecht, kann man hier knicken. Mein Sohn ist 12 und viel zu gewitzt, um nichts zu merken ... das finde ich auch ganz ok. so. Er wĂŒrde mich als unauthentisch empfinden.

Übrigens haben wir auf der langen Fahrt zu Oma nochmal unsere Weihnachts-CDs der vergangenen Jahre angehört, und niemand fand sie perfekt, auch Sohni nicht. Aber wir haben uns daran erinnert, wie viel Spaß wir bei den Aufnahmen hatten. Das war sehr schön :)

Liebe GrĂŒĂŸe
Fairy
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Re: Loben oder DĂ€mpfen?

Beitragvon Ansa 31. Dezember 2010 13:45

Liebe Fairy,

*kicher* ich hab mich zu Beginn sehr schwer getan, diese Unterschiede immer sinnvoll zu erkennen. Zwischen "Deine Suppe schmeckt aber gut" und "oh da sind ja Bohnen drin" und einem von einem Kind gemalten Bild und dem ĂŒblichen "Oh das hast Du aber schööön gemalt" sind hoffentlich doch Unterschiede.

Ich weiß nicht wie es bei Euch ist, aber ich kenne viele Eltern, die ihre eigenen Kinder immer loben und das ĂŒber den grĂŒnen Klee hinaus. Wenn Oma dann noch mit einstimmt, oder andere Verwandte, kommt es ab und an dazu, das die Kinder sich völlig selbst ĂŒberschĂ€tzen und große Probleme bekommen, wenn sich spĂ€ter heraus stellt, ihre Leistungen sind gar nicht so ĂŒberragend, sondern einfach durchschnittlich. Lob kann abhĂ€ngig machen.

Und das Ermutigen ist mir zu Beginn an sehr schwer gefallen, aber grad jetzt, wo meine Kinder alle Ă€lter sind, klappt es zunehmend immer besser und bringt uns einander nahe. Weil sie sehen und spĂŒren, das ich hinsehe was sie anbelangt und auch, das ich wahr nehme, was sie gut können und was ihnen Probleme macht und dann ist ein "Hej, darauf kannst Du jetzt aber wirklich stolz sein" auch wenn es keine Eins war, sondern eine gute Drei (die mĂŒhsam erarbeitet worden ist) wirklich ein großes Lob. So ganz kommt man an dem Wort nicht vorbei.

PĂ€dagogisches Verhalten, dazu fĂ€llt mir meien Große ein, die ja grad eine Ausbildung zur Erzieherin macht, sie beschĂ€ftigte sich mit Rudolf Dreikurs und sagte dann zu mir, "Das Gemeine daran ist einfach, man weiß wie es funktioniert und es klappt trotzdem, selbst bei mir!" Das klang leicht empört, aber ich konnte mir mein Schmunzeln nicht verkneifen. Gute Konzepte funktionieren eben auch so.

Dir liebe GrĂŒĂŸe und das Wichtigste scheint mir, das Ihr Spaß hattet, beim zuhören. Ich kann mir vorstellen, das CDÂŽs aus unterschiedlichen Jahren auch eine gute Dokumentation sind, fĂŒr das, was man geschafft hat, was besser geworden ist.

Ansa
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