Wehleidig, beleidigt und Co.

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Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon FairyQueene 17. August 2009 22:21

Hi,

das hat nichts mit der Trennungsgeschichte zu tun, aber ich habe ein Problem mit meinem Sohn: Er ist sehr leicht beleidigt und auch extrem wehleidig. D. h., wenn er sich irgendwo ein bi√üchen st√∂√üt, stimmt er ein Geschrei an, als w√ľrde er ermordet. (Und er ist schon 11, nicht mehr 3). Besser ist es, wenn andere dabei sind (Fu√üball oder so), da heult er nicht so schnell ‚Äď allerdings ist er da gern beleidigt, weil er sich immer furchtbar schnell √ľbergangen oder schlecht behandelt f√ľhlt.

Ich w√ľrde ihm gern vermitteln, da√ü es ihm auch selbst besser ginge, wenn er hier und da mal etwas von sich absehen k√∂nnte. Das ist mir aber bisher nicht gelungen, manchmal habe ich geradezu das Gef√ľhl, da√ü er regelrecht nach Anl√§ssen sucht, um sich zur√ľckgesetzt zu f√ľhlen.

Vor allem platzt mir in solchen Situationen leider immer sehr schnell der Kragen. Ich kenne dieses ganze Verhaltensmuster aus meiner Familie, habe es nie leiden können, in mir selbst nach Möglichkeit bekämpft und anscheinend trotzdem weitergegeben. :rolleyes: (Es hat sogar ziemlich lange gedauert, bis ich begriffen hatte, daß man sich zur Welt auch noch anders verhalten kann als als Leberwurst. Wurde mir halt so vorgelebt.)

Ich bei√üe manchmal die Z√§hne zusammen und versuche, meinen Sohn auch bei Nichtigkeiten liebevoll zu tr√∂sten, was mir ehrlich gesagt leichter fiele, wenn er nicht immer gleich so ein Fa√ü aufmachen t√§te. Ich habe aber mal gelesen, da√ü man damit Wehleidigkeit noch unterst√ľtzt. Und die ganzen eingebildeten Beleidigtheiten kann ich sowieso beim besten Willen nicht unterst√ľtzen.

Hat jemand von den vielen kompetenten Eltern in der Runde einen Tip, wie man damit gut umgehen kann? D. h., ohne daß wir miteinander in Streit geraten? (Und ehe jemand fragt: er kriegt auch ohne das genug Aufmerksamkeit.)

F√ľr Antworten dankbar gr√ľ√üt
FairyQueene
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Re: Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon sonnenschein2 18. August 2009 15:11

Hej Fairy,

hui das ist bestimmt nicht immer einfach, denn du mußt ja entscheiden, ist es eine dolle Verletzung oder eben nicht.
Ich habe mir zum Punkto Fu√üball angew√∂hnt mich nicht mehr zu k√ľmmern. W√§hrend des Trainings oder Spieles ist meine Tochter das Kind vom Coach. Ich bin immer anwesend, laufe aber nicht mehr bei jeder Verletzung hin. Erst wenn ich gerufen werde oder mir gewunken wird. Seitdem ist es besser. Ich halte mich auch beim Verhalten meiner Tochter zur√ľck, denn im Verein kann auch das der Trainer regeln.
Ansonsten versuche dahinter zu kommen was los ist. Wenn es nicht an mangelnder Aufmerksamkeit liegt, woran kann es noch liegen? Bekommt er beim Fußball die nötige Anerkennung? Oder wird er nur als beleidigte Leberwurst gesehen? Manchmal hilft es ihm Aufgaben zu geben, im Verein ...z.B. das Trainingsmaterial tragen usw...So kann er sich anders definieren.

kannst du damit etwas anfangen?
Viele gr√ľ√üe
Sonnenschein2
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Re: Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon FairyQueene 19. August 2009 21:07

Hi Sonnenschein,

danke, daß Du Dir Gedanken gemacht hast.

Beim Fu√üball ist mein Sohn eigentlich akzeptiert, allerdings flucht und heult er manchmal ganz sch√∂n herum (er ist Torwart und mu√ü die Fehler der anderen ausbaden. Seine eigenen Fehler beheult er auch). Die anderen wissen nat√ľrlich auch l√§ngst, da√ü er leicht beleidigt ist und nehmen je nach Temperament R√ľcksicht darauf oder √§rgern ihn noch extra. Beim Tennis hat er mich neulich gefragt, ob er ein Spiel wegen Beleidigung abbrechen kann :rolleyes:

Was ich aus deiner Post allerdings mitnehmen kann, ist, daß ich beim Fußball nicht zuständig bin. Und vielleicht auch sonst manchmal nicht. Bleiben die Gelegenheiten, wo sich das Verhalten ausgesprochen an mich richtet. Und da bin ich immer noch ratlos ... vielleicht sollte ich einfach versuchen, gelassener zu bleiben? Wenn ich ihn schon nicht ändern kann, dann vielleicht meine Einstellung dazu. Ist ja eh ein alter Trick ,)

Einen sch√∂nen Abend w√ľnscht
Fairy
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Re: Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon MarliJo 21. August 2009 00:18

Hi Fairy !

Wenn ich es so richtig herauslese, dann ist es bei dir wohl in der momentanen Situation so, dass es eine Gratwanderung ist, ob dein Sohn in seinem Weh-Leid Beachtung "verdient" oder es besser ist, in bestimmten Situationen seinem Befinden eher diese Beachtung zu verwehren (ich bin ja im Moment auch in einer Situation, in der ich mich frage, was ist angemessen?).

Was k√∂nnte dein Sohn denn mit seiner Wehleidigkeit und dem √ľbertriebenen Beleidigtsein ausdr√ľcken wollen ? Wenn du darauf eine Antwort weisst, ergibt sich vieleicht eine Antwort, wie du damit am besten umgehen k√∂nntest.
Oftmals steckt hinter dem Beleidigtsein, Schmollen usw. ja ein ganz normaler (kindlicher )Protest, nach dem Motto, >dass passt mir hier aber gerade nicht, ich will das so nicht !<.
Ich habe im ersten Moment zwar echt herzlich gelacht, als ich von der Frage deines Sohnes las, ob er ein Spiel wegen Beleidigung abbrechen darf (ich hab mir das mal bildlich vorgestellt :D ).
Doch beim zweiten betrachten denke ich,... da hast du doch einen sehr sensiblen Sohn. Er F√úHLT sich beleidigt und er sucht nach einem Weg, da eine Grenze zu ziehen.
Du hast ihm vermutlich erklärt, >nein, man kann deshalb kein Spiel abbrechen< und damit hat er gelernt, das er sich eienen anderen Weg suchen muß - vielleicht gibt er dem "Beleidiger" nächstes Mal zu verstehen >so nicht mit mir!<

Ich denke, du musst ihm nicht in allem hinterherlaufen, alles beäugen. Lass ihn wo es geht seine eigenen Erfahrungen machen, wie es ankommt in seinem Umfeld, wenn er sich so oder so verhält.
Wo wirklich Wehleidigkeit und Co fehl am Platze sind, nimm ihn vielleicht einen Moment an die Seite und sag ruhig zu ihm >sieh mich mal an,...meinst du kommst mit deiner Reaktion weiter? Das l√§sst ihm Spielraum, zu √ľberlegen und eine eigene Antwort darauf zu finden.

Das wären so meine Ideen.

Viele liebe Gr√ľ√üe
MarliJo
MarliJo
 

Re: Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon Ansa 21. August 2009 10:54

Guten Morgen,

hmh, wenn ich mir das mal anders herum √ľberlege.... ich bin immer gleich sehr wehleidig oder beleidigt, und dann schaue, was da passiert? Ich bekomme Aufmerksamkeit und Trost, die anderen k√ľmmern sich um mich, tanzen um mich herum. Klar, da sind auch einige bei, die √§rgern mich extra, das ist gemein, aber ich bekomme dadurch noch mehr Aufmerksamkeit, denn DAS merken ja die anderen auch?

Wenn Kinder in solche auff√§lligen Verhaltensmuster fallen und auf eine unbotm√§ssige Art Aufmerksamkeit einfordern, dann d√ľrfen wir uns immer fragen, "was bringt meinem Kind ein solches Verhalten?" "Was hat es davon?" "Was erreicht es damit?" Und was w√§re, wenn es das nicht mehr tun w√ľrde? Und aus diesen Atworten k√∂nnen wir Umgehensweisen f√ľr uns finden.Und dann, in jedem Fall, das Kind ernst nehmen. Sehr ernst.

Unsere eigene Reaktion bestimmt das sehr viel dr√ľber, wie k√∂nnen das spiegeln. Uns sto√üen und zu Boden fallen und Zeter und Mordio weinen..... wenn man mutig genug ist, ruhig auch in der √Ėffentlichkeit. Und dann kann man auch √ľber Peinlichkeiten miteinander reden...... man kann das nicht mehr beachten, sondern tr√∂stend sagen "wird schon wieder" und sich abwenden. Die Dinge zur Normalit√§t werden lassen.

Oder das Gegenteil tun, das Kind v√∂llig √ľberbemuttern..... "Du hast Dich gesto√üen? Och, komm, leg Dich hin, ich hol Dir ein Eis. Nein, nicht spielen gehen, Dir geht es nicht gut, morgen kannst Du wieder spielen gehen....." Das ist so √§hnlich wenn meine Tochter mit Bauchweh kommt und nicht in die Schule mag, dann wird sie behandelt als w√§re sie schwer krank. Bauchweh - bedeutet Kamillentee, Zwieback, Liegeruhe..... Da kann das Bauchweh ruhig weg sein, geschont wird sich diesen Tag trotzdem. Und zum Abendessen gibt es was Besonders gutes, f√ľr die Anderen nat√ľrlich nur. Das hat mein Mittelchen zwei Mal ausprobiert und seitdem hat sie nur noch Bauchweh, wenn sie wirklich was hat.

Wir haben gestern in unserm Erziehungskreis √ľber ein Geschwisterpaar gesprochen, 10 und 13, bei denen der 10j√§hrige entsetzlich neidisch ist und immer nur sieht, was seine Schwester darf und kann. Diese mag schon gar nicht mehr erz√§hlen, wenn sie etwas Sch√∂nes erlebt hat, weil ihr Bruder dann jammert und mault und sich beklagt. "Das Unerwartete tun" sagte meine Christiane und meinte damit, ihn ernst nehmen, und wenn seine Schwester in ihrem Zimmer sitzt und Vokabeln paukt, dann d√ľrfe er eben nicht schwimmen gehen. Er w√ľrde ja eh ungerecht behandelt und dann k√∂nnte die Mama das ja wirklich mal tun. "Du, Deine Schwester ist heute nicht verabredet, Du musst auch zu Hause bleiben." Ich bin gespannt, was passiert..... Ich wette, ihm wird schlagartig klar werden, wie sch√∂n er es daheim doch hat und was er alles bekommt.

Solange wir den Kindern nachgeben glauben diese oft, das an ihren unberechtigten Forderungen etwas dran sein k√∂nnte und verst√§rken ihr Verhalten. Tr√∂sten bewirkt viel zu oft das Gegenteil. Meine Dozentin beobachtete zwei kleine Jungs, einer fiel aufs Knie, weinte und lief zu seiner Mama. Die ihm daraufhin einen dicken Lollo gab. Damit ging er, nicht mehr weinend, zu seinem Freund. Der hatte sich das ganze angesehen, lie√ü sich fallen und lief zu seiner Mama, die gab ihm keinen Lolli, sondern sagte nur "ach schau mal, nicht so schlimm", er gr√ľbelte eine Weile, fiel dann noch mal hin und rannte zur Mama seines Freundes, laut weinend. Ratet mal was er da bekam? Genau, einen Lolli....... Kinder sind klug, oft wissen sie ganz genau, was sie durch ihr Tun erreichen k√∂nnen.

Liebe Gr√ľ√üe
Ansa
Sei z√§rtlich mit den Kindern, mitf√ľhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm√ľtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Wehleidig, beleidigt und Co.

Beitragvon FairyQueene 23. August 2009 17:40

Ihr Lieben,

vielen Dank f√ľr die Antworten. Das hat doch auch bei mir noch ein paar Gedanken zum Thema herausgefordert.

@ MarliJo:
Ich glaube, die verst√§rkten Beleidigtheiten im Umgang mit mir und meinem Freund haben auch damit zu tun, da√ü die Rollen noch nicht so richtig verteilt sind. Mein Sohn ist da sehr eifers√ľchtig, und ich finde es nicht immer leicht, deutlich zu machen, da√ü er auf den Platz des Kindes geh√∂rt, ohne da√ü er versteht, er sei jetzt nur noch Nummer 2. - Beleidigtheit bei Freunden ist noch was anderes, aber vielleicht auch etwas, was die unter sich regeln m√ľssen.

Wehleidigkeit: Das ist anscheinend auch situativ sehr unterschiedlich. Derselbe Bauchklatscher kann einmal den Weltenbrand auslösen (weil Sohni Köpfer lernen wollte und es nicht gepackt hat) und ein anderes Mal von ihm selbst mit "ach nö, war gar nicht so schlimm" abgetan werden, wenn er sich gerade keine Blöße geben will oder was anderes interessant findet.

@ Ansa:
Ich glaube, ich k√∂nnte es eher mit der Variante "wird schon wieder" versuchen. Mich auf den Boden werfen ... ich wei√ü nicht. Au√üerdem w√ľrde mein Sohn, der mich ja kennt, durchschauen, da√ü es p√§dagogisches Handeln ist und w√§re wahrscheinlich beleidigt :rolleyes:
Manchmal macht das Leben ja auch selbst solche Sachen. Da hat er sich neulich beim Fu√üball wegen eines Sturzes dramatisch auswechseln lassen und mu√üte dann mit ansehen, wie an seiner Stelle eine Pfeife in seinem hei√ügeliebten Tor stand. Und ich habe ihn nicht wieder reingelassen, weil er sich ja an der Schulter verletzt hatte (und mu√üte mal kurz an dich denken, Ansa ,) ). Das wird er sich dann beim n√§chsten Mal auch zweimal √ľberlegen. Aber wie gesagt, beim Fu√üball ist Wehleidigkeit eher selten.

Liebe Gr√ľ√üe
Fairy
FairyQueene
 


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