Wenn man stark sein muß ...

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Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 27. November 2009 08:32

Guten Morgen alle miteinander!

Lange Zeit habe ich nichts mehr ĂŒber mich bzw. die Familie geschrieben, was verschiedene GrĂŒnde hatte. Der wichtigste jedoch ist, dass hier zu Hause plötzlich alles zusammenbrach.

Unser Mittelchen verweigerte nach wie vor den regelmĂ€ssigen Schulbesuch. Kein ruhiges GesprĂ€ch, kein Appell an ihre Vernunft, kein BrĂŒllen, keine Vereinbarung, keine Psychotherapie half. Sie redete nicht oder nur kaum darĂŒber, warum sie nicht zur Schule wolle, sagte lediglich, sie habe ein Problem. Das Problem sei aber privat und sie werde weder mit Papa noch mit mir oder sonst jemandem darĂŒber reden. GesprĂ€che mit der Klassen- und Betreuungslehrerin brachten keine Ergebnisse.
Anfang September erklĂ€rte sie mir eines Abends, sie wolle am nĂ€chsten Tag auf keinen Fall zur Schule. Sie sagte aber - wie immer - nicht, warum. Ich versuchte ihr zu erklĂ€ren, dass ich sie ohne Grund nicht aus der Schule halten könne und das sie die Pflicht habe, in die Schule zu gehen. Sie weinte, rannte in ihr Zimmer, aus dem sie ca. eine halbe Stunde spĂ€ter wieder kam. Ich hoffte, sie habe sich ein wenig beruhigt - Fehlanzeige. Statt dessen zeigte sie mir ihren Arm, der zerschnitten und zerkratzt war und sagte mir, ich solle sie sofort einweisen. Ich verlor den Boden unter den FĂŒssen, wußte kaum, wie ich reagieren sollte. Ich rief meinen Exmann an und besprach mich mit ihm. Wir kamen ĂŒberein, dass wir unser Kind am nĂ€chsten Tag nicht zur Schule schicken, sondern ich das GesprĂ€ch mit dem behandelnden Psychologen suchen sollte. Das tat ich. Er riet mir zur sofortigen stationĂ€ren Aufnahme in die Kinder- und Jugendpsychatrie der Uniklinik. Ich setzte mich also mit der Uniklinik in Verbindung und erkĂ€mpfte mir einen ersten Termin fĂŒr die folgende Woche.
Unser Mittelchen hoffte auf eine sofortige stationĂ€re Aufnahme und wurde enttĂ€uscht. Die Psychologin der Uniklinik sagte ihr, dass man ihre Probleme auch durchaus ambulant behandeln könne und vereinbarte wöchentliche Termine mit ihr. In der Folgezeit setzte unser Mittelchen alles daran, die stationĂ€re Aufnahme durchzusetzen. Sie war der festen Überzeugung, alles andere wĂŒrde nichts bringen. Sie trieb uns alle mit ihrem Verhalten an den Rand des Wahnsinns.

Am 29.September dann bekam ich einen Anruf eines Kollegen meines Mannes, der mir mitteilte, mein Mann habe einen Arbeitsunfall gehabt und sei mit dem Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus. Beide FĂŒsse waren recht schwer verletzt und eine Weile wußten wir nicht, ob mein Mann je wieder wĂŒrde laufen können. Am 20.Oktober verließ mein Mann aber mit Rollstuhl und KrĂŒcken "bewaffnet" das Krankenhaus und ja - er lĂ€uft wieder, auch wenn an Arbeit noch lange nicht zu denken ist.

Irgendwann gab die Psychologin nach und am 21. Oktober brachten mein Exmann und ich unser Kind gemeinsam in die Klinik. Sie war sehr motiviert, wÀhrend mein Exmann und ich spÀter mit TrÀnen in den Augen wieder auf der Strasse vor der Klinik standen. Es ist halt keine Blinddarm-Op.
Kaum aber war unser Mittelchen in der Klinik, kĂ€mpfte sie auch schon wieder dafĂŒr, nach Hause zu können. Sie sah, dass man dort von ihr erwartete, dass sie sich an dortige Regeln hĂ€lt, dass sie mitarbeitet, dass sie die Klinikschule besucht, dass sie selbst etwas tun muß, wenn sie VerĂ€nderungen will. Erwartet hatte sie wohl etwas völlig anderes.
Seit dem kĂ€mpft sie mit all ihren Mitteln dafĂŒr, wieder nach Hause zu kommen - vor allem mit und bei mir. TrĂ€nen, immer wieder Ritzen - sie setzt mich unter Druck, will mich zermĂŒrben, damit ich nachgebe und sie heim hole. Bisher bin ich fest geblieben, weil ich weiß, dass ihr nicht geholfen ist, wenn ich sie hole. Aber es tut mir weh, ihr immer wieder sagen zu mĂŒssen, dass ich sie nicht hole. Es tut mir weh, mein Kind dort zu wissen - allein, ohne uns. Es tut mir weh, die Vorweihnachtszeit ohne sie gestalten zu mĂŒssen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, spĂ€testens am Ende des Jahres wieder zu Hause zu sein. Das wird nichts werden, denke ich. Das wird der nĂ€chste RĂŒckschlag sein.
Mittlerweile fĂŒrchte ich mich schon fast vor den abendlichen Anrufen in der Klinik, weil ich weiß, wie sie meist enden. Sie wird den Hörer auf die Gabel werfen und wĂŒtend auf mich sein, weinen, ritzen. Ich sitze zu Hause, weine, grĂŒble und frage mich, was ich tun kann, um es ihr leichter zu machen.
Aber ich kann nichts tun, solange sie nicht sieht, dass sie etwas tun muß und das scheint noch in weiter Ferne.

Liebe GrĂŒĂŸe an euch alle
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ninja 27. November 2009 09:11

Liebe Muckel,
ich bin fassungslos.... :( Das du noch aufrecht stehst und noch keinen Nervenzusammenbruch hast wundert mich... :(
Was sagen denn die Ärzte im Krankenhaus zu deiner Tochter? Ist denn keiner da der sich auffĂ€ngen kann dort nach euren Telefonaten?

Laß dich mal drĂŒcken, es tut mir so leid :umarmen:
Ninja
 

Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa 27. November 2009 09:18

Liebe Muckel,

fĂŒhl Dich einfach mal ganz fest umarmt.... ich muss leider gleich los, aber ich schreibe Dir bestimmt spĂ€ter und ganz ausfĂŒhrlich.

Daher nur ganz kurz, Das was Du tust ist das Richtige.... und, fĂŒr mein Empfinden fĂŒhlt sich meine Tochter dort ein wenig "zu wohl", das ist dann das andere Extrem. Sie wirkt glĂŒcklich und unbefangen am Telefon, lacht und hat viel Spaß und ich frage mich, was ich da falsch gemacht habe? Hat mein Exmann vielleicht doch Recht und es geht ihr bei mir schlecht? Oder kompensiert sie so sehr?

Ich bin sicher, Dein Kind lernt es, auf sich zu achten, auch wenn das jetzt schwer erscheint..... sie ist ja mit ihrer Verweigerung bereits recht weit gekommen und das es diesmal nicht klappt, ist eine Erfahrung, die sie machen muss. Ich weiß nicht, wie oft sie bei Dir Erfolg gehabt hat, aber ich vermute, mehrfach.... nun funktioniert ihr Verhalten nicht mehr und je nach Typ braucht das einfach eine Weile. Wie sicher reagierst Du am Telefon auf ihre Bitten? SpĂŒrt sie Deine Unsicherheit? Und geht sie ihrerseits darauf ein? Bist Du ĂŒberzeugt, fĂŒr sie das Beste zu tun? Kann sie das spĂŒren? Oder spĂŒrt sie zu sehr Dein Mitleid? Ich glaube, beim 5. Anruf "ich will nach Hause" wĂŒrde ich auch mal ungehalten reagieren. "Du weißt, ich hab Dich sehr lieb und Du bist mir soooo wichtig, aber ich meine auch was ich sage. Nein!"

Liebe GrĂŒĂŸe :umarmen:
Ansa
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 27. November 2009 10:31

Liebe Ninja, liebe Ansa!

Danke fĂŒr eure Antworten :umarmen:

@ Ninja
Doch, es gibt Menschen in der Klinik (Betreuer, Psychologen, Ärzte), die sie auffangen können, nach einem Telefonat. Das Problem ist, dass sie sich ja erst an diese Menschen wendet, wenn sie schon geritzt hat.
Im letzten ElterngesprĂ€ch mit der behandelnden Psychologin hieß es, dass unser Mittelchen noch nicht verstanden hat, dass sie VerĂ€nderungen nur herbeifĂŒhren kann, wenn sie bei sich selbst damit beginnt. Sie glaubt, dass die anderen sich oder etwas verĂ€ndern mĂŒssen, damit es ihr besser geht. Das sie aber am Zug ist, sieht sie (noch) nicht.

@ Ansa
Doch, ich bin mir sicher, dass sie in der Klinik gut aufgehoben ist und das dies der richtige Schritt war und ist. Ich weiß auch, dass es niemandem, am wenigsten ihr selbst, helfen wĂŒrde, wenn ich sie jetzt heim hole. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich ihr das auch so vermitteln kann. Ja, sie hatte zu hĂ€ufig Erfolg bei mir und versucht natĂŒrlich jetzt, sich wieder durchzusetzen. Ob sie mein Mitleid spĂŒrt, kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, wie sicher ich ihr am Telefon begegnete. Auf alle FĂ€lle versuche ich, ihr zu vermitteln, dass ich mich dieses Mal nicht erweichen lasse. Seit vorgestern erinnert sie mich ja an meinen Aufenthalt im Internat wĂ€hrend meiner Schulzeit fĂŒr ein Jahr. Sie weiß, dass ich dort damals nicht sein wollte und sie weiß, wie ich mich gefĂŒhlt habe. Nun versucht sie, mir ein schlechtes Gewissen damit zu machen, dass sie mir erklĂ€rt, ich mĂŒsse doch wissen wie es ihr geht und wie (Zitat) sche.... es doch von mir sei, ihr da nicht zu helfen. Aber da habe ich mich auf keine Diskussion mit ihr eingelassen, weil die GrĂŒnde, die zu meinem Internataufenthalt damals fĂŒhrten gĂ€nzlich andere waren, als die, die zu ihrem Klinikaufenthalt fĂŒhrten.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Tamara22 28. November 2009 08:53

Liebe Muckel,

mensch lass dich mal fest drĂŒcken!
Das ist eine harte Zeit, die ihr alle da grade durchmacht und ich fĂŒrchte da hilft grade alle Aussicht auf spĂ€ter nichts.
Ich habe das manchmal, dass ich versuche mir ein Bild zu machen, wie ich spĂ€ter ĂŒber etwas denken werde. So komme ich aus einem
GefĂŒhl raus und kann Luftholen. Das wĂ€re auch etwas, das ich dir im Bezug auf deine Tochter an die Hand geben wĂŒrde.
Sprich mit ihr ĂŒber spĂ€ter, damit gibst du ihr eine Aussicht, die sie scheinbar im Moment nicht sieht.
Ich meine damit nicht irgendwelche Termine wie Entlassung aus der Klinik, sondern spÀter im Leben, wenn die Sicht anders ist,
das Leben sich mehrfach weitergedreht hat und andere Dinge angesagt sind, als sie momentan Thema sind.
Du hast fĂŒr sie das Richtige getan, nun muß sie viele Schritte tun um in ihrem Leben wieder Fuß zu fassen, das kannst du nicht fĂŒr sie tun.
Aber du kannst ihr vermitteln, dass du auch spÀter noch da sein wirst, ihr irgendwann wieder auf eine Seite stehen werdet und gemeinsam
auf diesen Lebensabschnitt schauen werdet, der sie hat wachsen lassen und dich auch. Genauso wie du auf deine Internatszeit heute anders
sehen kannst als damals als du drin warst. Verstehst du was ich meine? Lass dich nicht in Diskussionen verstricken sondern sag ihr worĂŒber du gern
sprechen willst, wenn du sie anrufst und worĂŒber nicht. Biete ihr etwas an dem sie sich orientieren kann, egal ob es ihr gefĂ€llt oder nicht.
Dass sie sich ritzt ist ihre Entscheidung, egal wie du dich verhÀlst hat sie die Wahl es zu tun oder zu lassen. Nur wenn du ihr die
Verantwortung fĂŒr ihr Leben zutraust und ihr auch ĂŒbergibst, wird sie lernen sie irgendwann auch anzunehmen.
Mir scheint, die Psychologin hat das schon sehr gut erkannt und wird sie zielgerichtet dabei begleiten.

Ich wĂŒnsche dir liebe Muckel Kraft, Zuversicht und den Glauben daran, dass deine Tochter mit allem ausgestattet ist, das sie fĂŒr ihr Leben braucht.
Sie wird es schaffen und du auch. FĂŒhl dich in Gedanken begleitet und such dir fĂŒr das Leben auch eine Begleitung, bei der du umamrnt sein kannst und
deine TrÀnen Platz haben, aber das hast du sicher schon.

Von Herzen liebe GrĂŒĂŸe
Tami
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Volker 29. November 2009 15:34

Hallo Muckel,

puhhh, deine Tochter befindet sich in großer seelischer Not und die Selbstverletzungungen wahrzunehmen und nicht zu wissen, was warum und wieso ...
Ihr braucht Kraft fĂŒr die Prozesse und bei allen guten Tipps finde ich es primĂ€r wichtig, dass du und dein Mann euch UnterstĂŒtzung zukommen lasst, so dass ihr eure eigene Mitte finet aus der heraus ihr eurer Tochter begegnen könnt.
Was auch immer in eurer Tochter vorgehen mag, sicherlich braucht ihr viel Liebe, Selbstliebe und Vertrauen, dass eure Tochter und ihr diesen Weg gehen und auch schaffen könnt.

Ich glaube selbstverletztendes Verhalten hat viele Ursachen, aber letztlich ist auch immer eine Art verzweiflung dabei, sich selbst nicht mehr richtig zu spĂŒren - auf der seelisch-emotionalen Ebene. Insofern ist der Akt der Selbstverletzung immer auch ein versuch sich wieder zu spĂŒren um "heil" zu werden. Letztlich gibt es da auch einen teil, der sich schĂŒtzen möchte -- auch vor Schmerz -- diesen Teil anzunehmen, zu pflegen und zuzulassen, das wird vielleicht ein Aspekt auf eurem Weg sein, bedeutet auch: "da" zu sein... Wer könnte Dich un deinen Mann dabei unterstĂŒtzen?
Volker

Es ist unglaublich, wieviel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag. (W. v. Humboldt)
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 29. November 2009 20:54

Ihr Lieben!

Leider kann ich erst jetzt antworten, da unser Rechner ein kleines Problem hatte.
Aber zunĂ€chst einmal ein liebes Danke an Tami und Volker fĂŒr ihre Antworten. Sie haben mir gut getan.

Heute ist der 1. Advent, die Wohnung ist weihnachtlich geschmĂŒckt und mir wird schmerzhaft bewußt, dass mein Töchterchen die Vorweihnachtszeit nicht mit uns verbringen wird.
Das Wochenende hat sie bei ihrem Papa verbracht und er sagte mir gestern am Telefon, es ginge ihr ganz gut, sie sei fröhlich und ausgeglichen. Das wird sich ganz sicher morgen Abend am Telefon wieder ganz anders anhören, zumal wir am Nachmittag auch noch ElterngesprÀch mit der behandelnden Psychologin haben werden.

@ Tami
Mein Mann ist meine StĂŒtze. Bei ihm kann ich weinen und meinen GefĂŒhlen freien Lauf lassen. Da er durch seinen Arbeitsunfall ja zu Hause ist, nimmt er mir hier viel ab und hĂ€lt mir den RĂŒcken frei. DafĂŒr bin ich unendlich dankbar. Schließlich trĂ€gt er all diese Sorgen mit mir und meinem Exmann.
Ich habe begonnen, ein besonderes Tagebuch zu schreiben, seit unser Mittelchen in der Klinik ist. Dort schreibe ich Alltagsdinge auf, aber auch meine GefĂŒhle und Gedanken. Vielleicht - eines Tages - werde ich ihr das Tagebuch ĂŒberlassen.

Mir ist bewußt, dass diese Selbstverletzungen ihre eigene Entscheidung sind. Niemand gibt ihr die Schere, das Messer oder was auch immer in die Hand und sagt ihr, sie solle sich damit weh tun. Manchmal scheint es mir, sie setzt diese Verletzungen als Druckmittel mir gegenĂŒber ein, wenn ich nicht so reagiere, wie sie es gern hĂ€tte. Ob ich mit dieser Vermutung allerdings richtig liege, kann ich nicht sagen.
Auf alle FĂ€lle werde ich mir deinen Rat zu Herzen nehmen.

@ Volker
Wir haben als Eltern UnterstĂŒtzung von Klinikseite aus. Dort gibt es Elterngruppen zum Austausch. Außerdem hatten wir bereits ein GesprĂ€ch mit der Sozialarbeiterin der Klinik. Sie hat uns Wege aufgezeigt, die wir nach dem Klinikaufenthalt mit UnterstĂŒtzung des Jugendamtes gehen können.
Aber du hast schon recht, wir mĂŒssen einen Weg finden, fĂŒr unser eigenes seelisches Wohl zu sorgen, weil noch ein langer und steiniger Weg vor uns liegt.

Liebe GrĂŒĂŸe an euch alle
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon sonnenschein2 30. November 2009 09:37

Liebe Muckel,

lass dich auch von mir drĂŒcken wenn du magst. Es ist ein sehr schwerer und langer Weg vor euch, den die ganze Familie beschreiten wird...
Volker hat schon gut beschrieben was eine der GrĂŒnde sein können warum eure Tochter sich verletzt. Es ist gut und richtig, dass sie in der Klinik ist. Die Hilfe, die sie dort bekommt, könnt ihr ihr nicht geben. Sie ist dort auf ihren eigenen Wunsch und das finde ich schon mutig von ihr.
Aber ich sehe auch eure Not. Muckel, du mußt nicht stark sein. Auch du darfst SchwĂ€che zeigen. Ich wĂŒnsche dir sehr, dass dir Hilfe gegeben wird und ihr gemeinsam eine Weg findet. Ich stimme Volker zu, der sagt, dass ihr zu eurer Mitte finden solltet. Es ist sicherlich wichtig, zu einer inneren StĂ€rke zu finden, damit du eurer Tochter auch StĂ€rke spiegeln kannst. Was und wem nutzt es wenn sie jetzt nach Hause kommt? Die Behandlung ist noch lange nicht beendet und es ist sooo wichtig jetzt am Ball zu bleiben. Vielleicht kann ihr dann nachhaltig geholfen werden. Ich wĂŒnsche es euch als Familie sehr.

Wie geht es denn deinem Mann? Was macht Felix?
Ich schicke dir ein ganz dickes Engelpaket mit viel Liebe und warmen Gedanken fĂŒr euch alle.
FĂŒhl dich gehalten, getragen und verstanden in deiner Not und Traurigkeit
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 30. November 2009 14:18

Hallo liebe Sonnenschein!

Auch an dich ein ganz dickes Danke fĂŒr deine Gedanken und WĂŒnsche.

Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie ich meine innere Mitte finden soll, wenn mir eigentlich kaum Zeit bleibt. Neben den alltÀglichen Dingen und Terminen kommt ja nun auch die regelmÀssige Fahrt in die Klinik dazu. Daneben noch ElterngesprÀche, Elterngruppe usw. Ich sortiere mir fast tÀglich den Tag bzw. die Termine und schaue, was ich evtl. absagen oder verschieben kann, damit auch mal Zeit zum Luftholen bleibt.

Meine SchwĂ€che zeige ich, wenn auch nur bei meinem Mann oder einer Freundin. Aber vielleicht hat Ansa recht und unser Mittelchen spĂŒrt meine SchwĂ€che, so gut ich sie auch zu verbergen versuche. Ich werde das nachher im ElterngesprĂ€ch mit der Psychologin einmal ansprechen und hoffen, dass sie einen Rat fĂŒr mich hat.

Meinem Mann geht es tĂ€glich ein kleines StĂŒckchen besser - Krankengymnastik und Lymphdrainage sei Dank. Mittlerweile passen die eigenen Schuhe wieder und die KrĂŒcken sind eingemottet im Keller. Trotzdem ist an eine RĂŒckkehr zur Arbeit noch nicht zu denken. Bis dahin wird noch eine Weile vergehen.

Klein-Felix hat sich zu einem aufgeweckten, neugierigen, kleinen Jungen entwickelt. Er wickelt jeden - vor allem Ă€ltere Damen - im Sturm um den Finger und sie finden ihn einfach unwiderstehlich :D Mir ist das teilweise bald schon peinlich. Er ist den ganzen Tag auf seinen kleinen Beinchen unterwegs und entdeckt die große, weite Welt. Vorallem jetzt in der Vorweihnachtszeit mit all den Lichtern ist es besonders spannend. Er saugt das förmlich auf. Es macht so viel Spaß und Freude, ihn in seiner Entwicklung zu beobachten.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Tamara22 1. Dezember 2009 08:03

Liebe Muckel,

ich hoffe euer ElterngesprÀch ist gut verlaufen?
Ich kann mir vorstellen, wie hart das im Moment sein muß, es kommt aber auch alles zusammen. Wie schön dass dein Junior das Ganze etwas kompensiert indem er euch so
eine Freude bereitet, das kann man richtig hören :) Ich bin mir sicher ihr schafft das. nimm alle Hilfe an die du bekommen kannst, die dir gut tut. deiner Tochter wĂŒnsche ich, dass sie sich erinnert, an das was in ihr ist...manchmal wird so etwas vergessen und es braucht ganz viel Vertrauen in sich, um die Erinnerung wortwörtlich wieder lebendig werden zu lassen.
Diese Selbstverletzung ist ihr Versuch sich zu fĂŒhlen und sie findet momentan noch keinen anderen Weg. Und ich glaube es ist sehr schlimm das als Mutter mitansehen zu mĂŒssen.
Ich wĂŒnsche ihr und euch auch, dass sie erkennt, dass es noch andere Wege gibt, die sie gehen kann, dass sie es KANN...

Deine Idee mit dem Tagebuch finde ich gut...vielleicht wird es ihr viel spÀter helfen können und vielleicht kann es das im Moment auch dir, das wÀre eine schöne Verbindung.
FĂŒhl dich in Gedankn begleitet und deine Tochter auch.
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 1. Dezember 2009 08:58

Guten Morgen alle miteinander!

@ Tami
Du fragst nach dem ElterngesprÀch.
Es ist komplett anders verlaufen, als ich dachte. All die Fragen, die ich stellen wollte, habe ich nicht stellen können.
Wider Erwarten war nÀmlich unser Mittelchen bei dem GesprÀch dabei und so kam es, dass alles anders verlief, als ich mir das vorgestellt hatte.
Sie "ĂŒberfiel" uns (die Psychologin, meinen Exmann und mich) mit dem Gedanken, dass sie gern, anstatt stationĂ€r behandelt zu werden, tagesklinisch behandelt werden möchte. Das begrĂŒndete sie damit, dass sie von der Klinik aus einen umstĂ€ndlichen und recht langen Weg zur Heimatschule hier habe und dass es daher doch viel einfacher wĂ€re, wenn sie zu Hause schlafen könne, dann von hier aus zur Schule ginge und nach der Schule gleich in die Klinik fahren wĂŒrde. Außerdem wĂŒrde sie ihre Freundinnen vermissen und ihren Kater und die Klinikschule wĂŒrde ihr nichts bringen, weil dort nicht das gelehrt wird, was auch in der Heimatschule an Unterrichtsstoff unterrichtet wird. Sie wĂŒrde soviel verpassen bzw. hĂ€tte doch schon so viel verpasst. Die Psychologin sagte ihr, sie wolle bei der heutigen Chefarztvisite das Thema ansprechen, weil irgendwann mĂŒsse es ja zu einem Übergang in die Heimatschule kommen.
Anschließend wollte die Psychologin mit uns Eltern gemeinsam ĂŒberlegen, welche Hilfen hier zu Hause "installiert" (sie nannte es wirklich so) werden mĂŒssten, um unserem Mittelchen und uns als Familie UnterstĂŒtzung zu bieten. Wir sprachen also ĂŒber die verschiedenen Möglichkeiten, die uns das Jugendamt bieten könnte. Unser Mittelchen hörte sich das eine Weile ein und platzte dann damit heraus, dass sie keine Hilfe wolle und auch brauche, sie wisse ja nun, wie sie sich zu verhalten habe. Sie wĂŒrde einfach ihre Klassenkameraden in der Heimatschule ignorieren und ĂŒberhaupt hĂ€tten die bestimmt schon ein anderes Opfer gefunden, so dass sich die Lage sicherlich entspannt hĂ€tte. Sie brauste auf, begann zu weinen und zeigte genau das Verhalten, das sie auch hier zu Hause an den Tag legt. Einzig, dass sie aus dem Zimmer rannte, das fehlte. Die Psychologin versuchte ihr zu erklĂ€ren, dass die Hilfen ja nur ein Versuch seien und wenn man merken wĂŒrde, das sei nicht das richtige, wĂŒrde man nach etwas anderem schauen. Aber unser Mittelchen war fĂŒr nichts mehr zugĂ€nglich. Einzig der Gedanke, sie wolle nach Hause und tagesklinisch betreut werden, kam noch von ihr.

Tja - nĂ€chste Woche sehen wir uns wieder zum ElterngesprĂ€ch. Mal schauen, was sich bis dahin getan hat. Mein Mann und ich haben uns gestern abend hier so unsere Gedanken gemacht. Aber dazu spĂ€ter, ich muß das alles noch ein wenig sortieren.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa 1. Dezember 2009 10:27

Liebe Muckel,

das ist fĂŒr alle eine schwere Situation, fĂŒhl Dich mal gedrĂŒckt.

Mir scheint, Dein Mittelchen zieht alle Register "wenn Mama mich nicht nach Hause holte, dann suche ich mir selbst eine Möglichkeit, die Dinge hier zu umgehen und alle auszutricksen!", Tagesklinik ist da doch eine tolle Alternative, die am Ende nicht mal falsch klingt. Mein GefĂŒhl, das mich beim Lesen Deiner Worte beschlich, war da ganz spontan. Sie ist pfiffig und durchaus in der Lage fĂŒr sich zu sorgen, nur noch nicht so ganz auf dem richtigen Weg......... "wie erreiche ich mein Ziel um hier raus zu kommen?" Was meinen die Beteiligten, wie lange wird es dauern, bis sie die Nachmittage woanders verbringt und nicht in die Klinik fĂ€hrt? Oder sich der Therapie verweigert, weil die ist schon besonders anstrengend. Und ihr Verhalten nachdem sie wohl spĂŒrte "das geht nicht so fix" spricht ja fĂŒr sich auch eine deutliche Sprache. Ich will was ich will und wenn nicht, dann......... wie zu Hause, das schreibst Du ja selbst. Wo ist die VerĂ€nderung um die es gehen sollte?

NatĂŒrlich vermisst sie Euch, ihre Freundinnen, ihr Umfeld.... das geht meiner Tochter genauso, denke ich. Sie hat sich letztes Wochenende dann auch sofort mit ihrer Freundin verabredet und die beiden hatten hier ihren Spaß. Andererseits aber fĂŒgt sich mein Kind in die Gruppe ein und freut sich sichtlich auf eine "Neue", die auf ihr Zimmer kommt. Sie tauscht also zwischen den Lebenswelten. Ich finde das ganz wichtig, eben um auch andere Möglichkeiten kennen zu lernen. Um das "erlernte" zu proben, in einem Umfeld in dem UnterstĂŒtzung und zwar die therapeutisch richtige, alltĂ€glich ist. Bevor man dann nach Hause kommt und mit denen ĂŒbt, die einem sooo nah sind und an denen man bereits seine eigenen festen Muster erprobt und fĂŒr erfolgreich befunden hat.

Wie geht es Dir mit dem Gedanken? FĂŒhlst Du Dich dem gewachsen oder brauchst Du noch Zeit fĂŒr Dich, um Dich zu hinterfragen (auch die Sache mit dem von ihr gespĂŒrten Mitleid?) Bist Du Dir inzwischen sicher, was gut fĂŒr sie ist und wie Du Dich im Alltagsstress verhalten willst? Ich meine, auch verhalten kannst, denn Du hast viel um die Ohren.

VerhaltensĂ€nderungen brauchen ihre Zeit. Meine Tochter erzĂ€hlte mir so nebenbei, das es in ihrer Klinik auch Kinder gab, die völlig unauffĂ€llig waren und bei denen keine einzige Verhaltensweise auftratt, aufgrund derer sie daheim aufgefallen waren - die durften dann nach sechs Wochen nach Hause. Das könnte fĂŒr sie durchaus ein Ziel sein.... aber was sie dabei nicht ĂŒbersieht, um ihre neuen Verhaltensmuster zu festigen, braucht es mehr Zeit..... auch bei uns und von daher werde ich nach sechs Wochen sicher nicht sagen "okay, alles paletti." DafĂŒr ist mir das hier viel zu wichtig, fĂŒr uns alle.

Dir und Euch alles liebe und Gute
Ansa *dieihreTochtergradinderWeihnachtszeitsooooovermisst*
Sei zĂ€rtlich mit den Kindern, mitfĂŒhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmĂŒtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 1. Dezember 2009 14:03

Liebe Ansa!

Danke fĂŒr deine Umarmung. Das tut gut. :umarmen:

Ja, unser Mittelchen ist durchaus ein cleveres MĂ€dchen. Das wird dir jeder bestĂ€tigen, der sie kennt. Sie weiß innerhalb kĂŒrzester Zeit, wie sie mit ihrem GegenĂŒber umgehen muß und dabei spielt es keine Rolle, ob Mensch oder Tier. Mein Mann sagte gestern Abend noch zu mir, dass er unserem Mittelchen durchaus zutrauen wĂŒrde, Fische dahin zu bekommen, dass sie auf dem RĂŒcken schwimmen, ohne tot zu sein.
Auch die Psychologin bestÀtigt, dass sie intelligent und clever ist. Aber das kommt bei unserem Mittelchen leider nicht an. Sie sieht sich negativ in allen Bereichen - zu dick, zu dumm, zu nichts zu gebrauchen.
Der Gedanke mit dem tagesklinischen Aufenthalt zeigt mir, dass sie anscheinend sehr wohl durchdenkt, wie sie ein Ziel erreichen kann und begrĂŒndet es dann auch dementsprechend. In diesem Falle begrĂŒndet sie es mit einem recht langen Anfahrweg zur Schule und dem Schulstoff, den sie bisher verpasst hat und noch verpassen wird. Das klingt ja zunĂ€chst einmal recht vernĂŒftig. Erst bei nĂ€herer Betrachtung fallen die Diskrepanzen auf. Den Weg, den sie bisher von der Klinik nach Hause bzw. dann in die Schule kennt, ist der den ich gewĂ€hlt habe, um meinem Mann lange Fußwege zu ersparen (wir haben ja kein Auto und fahren daher Bahn). Aber es gibt durchaus einen Weg, bei dem sie nicht umsteigen mĂŒsste von einer Bahn in die nĂ€chste. Nur der setzt einen Fußweg von ca. 15 Minuten vorraus. Das haben wir ihr auch gesagt. Aber das kam mal wieder nicht bei ihr an. Zum Schulstoff sagte die Psychologin, dass sie heute sowieso das GesprĂ€ch mit dem Schulleiter ihrer Heimatschule suchen wolle und bei der Gelegenheit wĂŒrde sei gleich mal erfragen, wie sie an den aktuellen und vergangenen Stoff kommen könne. Das Ergebnis bei unserem Mittelchen war das gleiche. Sie fĂŒhlte sich unverstanden und wollte nur noch nach Hause. Sie prangerte stattdessen die stĂ€ndige Gewichtskontrolle in der Klinik an ( drei Mal in der Woche), weil sie den Sinn nicht sieht. Die Psychologin erklĂ€rte ihr, dass sie sich nun mal in einem Krankenhaus befĂ€nde und dieses behalte sich vor, körperliche Kontrollen dann durchzufĂŒhren, wann sie es fĂŒr richtig hielten. Da gĂ€be es also keinerlei
Diskussionsbedarf. Reaktion unseres Mittelchens: "Ich will nach Hause."

Nein, ich fĂŒhle mich noch nicht im Stand und in der Lage, sie nach Hause zu holen. Ich brauche noch Zeit, um mich vorzubereiten. Erst dann kann ich darĂŒber nachdenken, fĂŒr mich.
Mitleid, ja - das habe ich nach wie vor mit ihr. Aber nach gestern kann ich es besser fĂŒr mich behalten. Irgendwie hat mir ihr Verhalten gestern wĂ€hrend des GesprĂ€ches mit der Psychologin gezeigt, dass sie kein Mitleid braucht, sondern eine stĂ€rkere Hand, die sie fĂŒhrt. Da sie das gleiche Verhalten zeigte, dass ich von zu Hause kenne, ich aber nicht ihr "Ziel" war, konnte ich das alles mit einer gewissen Distanz betrachten und das hat mir sehr geholfen. Ich bin sicher noch nicht am Ziel, aber ein StĂŒck weiter gekommen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel LĂ€rm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und lĂ€sst das Haus stumm zurĂŒck, dass Du denkst, du wirst verrĂŒckt.
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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Muckelmaus 2. Dezember 2009 10:32

Guten Morgen alle miteinander!

Dann schreibe ich mal so was Ă€hnliches wie einen Doppel-Post, weil sich die Dinge seit gestern grundlegend geĂ€ndert haben und ich weiß noch nicht, wie ich es deuten bzw. was ich davon halten soll.

Gestern war - wie immer am Dienstag - Besuchstag in der Klinik. Also sind mein Mann, Klein-Felix und ich zu unserem Mittelchen gefahren. Sie fiel uns ĂŒberglĂŒcklich in die Arme und teilte uns freudestrahlend mit, dass sie am Mittag ein GesprĂ€ch mit der Psychologin hatte und die hat ihr mitgeteilt, dass sie ab dem kommenden Montag nicht mehr stationĂ€r betreut wird, sondern tagesklinisch. Sie geht ab diesem Zeitpunkt auch wieder in die Heimatschule, also in ihre alte Klasse zurĂŒck.
Leider war die Psychologin gestern nicht mehr im Haus und ist auch heute nicht dort, so dass ich sie erst morgen wenigstens mal ans Telefon bekomme. Irgendwie geht mir diese Entwicklung nun zu schnell.
Ich persönlich halte mein Kind fĂŒr noch nicht stabil und sicher genug und ich wĂŒrde gern wissen, was passiert, wenn es wieder zu Problemen kommt. Bisher konnten mir die Betreuer nĂ€mlich nur sagen, wie der Tag ab Montag fĂŒrs Kind aussehen wird.
Sie hat morgens, bevor sie zur Schule geht, in der Klinik anzurufen und zu sagen, dass sie nun zur Schule geht. Im Anschluß an die Schule hat sie sofort in die Klinik zu fahren, wo sie bis 18.00 Uhr bleibt und therapeutisch betreut wird. Danach kommt sie heim und am nĂ€chsten Tag gehts von vorn los. Sollte sie nach der Schule nicht in der Klinik auftauchen, ruft man mich an und gibt mir Bescheid. Dann wird sie gesucht.
Ich weiß auch noch nicht, wie nun die Ferien ablaufen bzw. ob sie wĂ€hrend der Ferienzeit auch tĂ€glich zur Klinik muß, was mir allerdings logisch wĂ€re. Ansonsten weiß ich nur, dass wir sie am Freitag um 18.00 Uhr abholen sollen, weil sie dann aus der stationĂ€ren Behandlung entlassen wird.

Verwirrte GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: Wenn man stark sein muß ...

Beitragvon Ansa 2. Dezember 2009 10:50

Guten Morgen Muckel,

:oah: also das zieht mir glatt die Schuhe aus, denn ich bin mir sicher, das ist etwas, das die Klinik nicht mit Deiner Tochter besprechen muss und vor allem entscheiden muss, sondern mit Euch Eltern und das in keinem Fall ohne Euch.......... Da wĂ€re ich ernsthaft sauer, denn Deine Tochter ist ja nicht 18 und fĂŒr sich verantwortlich, sondern das ist etwas, das sie gar nicht zu entscheiden hat. Punkt!

Das wĂŒrde ich klĂ€ren und zwar umgehend. Nicht nur mit der Psychologin, sondern auch mit dem Team und der Klinik. Und meinem Kind wĂŒrde ich, glaube ich, sehr deutlich machen, das diese Entscheidung auch andere Konsequenzen haben wird, da ich nicht mit in den Entscheidungsproszess eingebunden bin. Jedenfalls wĂŒrde ich ihr zu verstehen geben, das ich mich da gelinkt fĂŒhle.

Ich weiß aber nicht, inwieweit ihr mit der Situation umgeht? Es ist so vieles ungeklĂ€rt, die Schule und ihre Haltung dazu? Die Entscheidung ohne Euch? Die VerĂ€nderungen im Alltag? Das kann man doch nicht so aus dem Ärmel schĂŒtteln?

Hast Du denn niemanden in der Klinik sprechen können? Außer der nicht anwesenden Psychologin? Normalerweise behandeln sie in Kliniken doch im Team? Und, denk daran, Du darfst auch immer noch "nein" sagen - was sagt der Papa dazu?

FĂŒhl Dich mal gedrĂŒckt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
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