Wenn man stark sein mu├č ...

Hier finden Sie alle Themen, die in kein anderes Forum passen.

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 2. Dezember 2009 12:45

Liebe Ansa!

Au├čer mit einer Betreuerin habe ich leider mit niemandem in der Klinik sprechen k├Ânnen. Sie sagte mir, das sei eine Entscheidung gewesen, die gestern gemeinsam mit dem Chef- und Oberarzt gef├Ąllt wurde. Als ich ihr sagte, dass ich mich doch ├╝bergangen f├╝hle als Mutter bei dieser Entscheidung und das ich zumindest erwartet h├Ątte, dass man zuerst mich in Kenntniss setzt und mir die Gr├╝nde erl├Ąutert, sagte sie mir, es w├Ąre h├Ąufig der Fall, dass solche Entscheidungen von jetzt auf gleich k├Ąmen. Alles andere solle ich bitte morgen mit der behandelnden Psychologin kl├Ąren, sie k├Ânne mir sicher all meine Fragen beantworten. Ich bin mir auch sicher, dass sie das kann. Aber da mu├č ich wohl bis morgen warten.

Wenn ich nat├╝rlich jetzt klar stelle, dass ich diese Entscheidung f├╝r verfr├╝ht halte, bringe ich mein Kind entg├╝ltig gegen mich auf. Ich kann also nur hoffen, dass ich die Gr├╝nde f├╝r diese pl├Âtzliche Entscheidung nachvollziehen kann.
Ich denke mal, unser Mittelchen wei├č, dass ich mit dieser Entscheidung nicht so ganz einverstanden bin, denn ich habe ihre Freude nicht geteilt, so sehr ich das aus ihrer Sicht heraus auch verstehe.

Ich habe nach dem Besuch mit meinem Exmann telefoniert und ihm die Neuigkeiten mitgeteilt. Er war ebenso erstaunt wie ich. Als ich ihm sagte, dass ich mich etwas ├╝berrumpelt f├╝hle, sagte er mir, ich solle Vertrauen in die Klinik haben. Dort wisse man schon, was man tue. Hmmmm - das kann ich nicht mehr ganz so sehen. Er ist jedenfalls ganz relaxt und meinte, ich solle den Dingen ihren Lauf lassen.

Was die Heimatschule dazu sagt, wei├č ich bisher auch nicht. Ich wei├č nur, dass sich die Psychologin mit der Klinikschule in Verbindung gesetzt hat und man die Entscheidung von deren Seite aus ebenfalls tr├Ągt.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Ansa 4. Dezember 2009 07:50

Liebe Muckel,

Das was bei Dir passiert, geht mir gar nicht aus dem Kopf und je mehr ich dar├╝ber nachdenke, auch mitunter dar├╝ber, was ich sagen w├╝rde, h├Ątte ich in der sozialen Beratung eine Klientin mit Deinem Problem, desto mehr komme ich dazu, das mir das notwendige Vertrauen in die Klinik so langsam abhanden kommen w├╝rde und das w├╝rde ich wohl dort auch ganz deutlich machen.

Ich bleib f├╝r mich dabei, das ist eine Sache zwischen Eltern und Klinik und nicht zwischen Kind, hier noch einer Schutzbefohlenen und Klinik. Da k├Ânnen keine Entscheidungen unabh├Ąngig von den Eltern getroffen werden, zumindest nicht solche von so hoher Tragweite.

Aber gut, ich glaube ja, ihr m├╝sst damit umgehen, f├╝r Euch? Bleibt denn die Unterst├╝tzung f├╝r Euch mit Elterngruppe und Gespr├Ąchen vorhanden? Werden die Gespr├Ąche mehr? Weil ich mir denke, der Bedarf ist da h├Âher bzw. gr├Â├čer?

Ich sehe das ja bei mir im Gegenzug, da geht es nicht nur um meine Tochter sondern um uns als Familie...... und die wird in den ganzen Prozess einbezogen. Ich kann dort anrufen und sagen, das und das ist hier zu Hause los (mein Mittelchen dreht zunehmend am Rad) und ich wei├č nicht was ich tun soll.... aber sie muss was tun, bevor meine Tocher wieder heim kommt. Da nimmt man mich ernst und wir werden am Montan dar├╝ber sprechen. Man nimmt "uns" ernst, denn wir sind das System mit dem Fehler - wenn man das so nennen will. Die Klinik gegen die wir uns entschieden haben, wollte nur unsere Tochter behandeln und uns so nebenbei in Gespr├Ąchen mitbetreuen, aber wir, so sagte man uns, seien eben nicht das Problem. So unterschiedlich sind da die Ans├Ątze.

Aber das hilft Euch nicht wirklich..... ich w├╝nsche Dir so, dass das Gespr├Ąch mit der Psychologin Neues ergeben hat und Du nun sicherer bist, indem was passiert?

F├╝hl Dich gedr├╝ckt
Ansa
Sei z├Ąrtlich mit den Kindern, mitf├╝hlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm├╝tig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Administrator
Administrator
 
Beitr├Ąge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 4. Dezember 2009 08:18

Guten Morgen liebe Ansa!

Gestern habe ich tats├Ąchlich endlich mit der Psychologin sprechen k├Ânnen, die meine Aufregung so gar nicht verstand. Sie begr├╝sste mich schon mit den Worten "Frau xy, warum sind sie denn so verwirrt?" Ich erkl├Ąrte ihr, dass ich diese pl├Âtzliche Entscheidung nicht nachvollziehen k├Ânne, dass ich mich als Mutter bei der Entscheidungsfindung ├╝berrumpelt und ├╝bergangen f├╝hle und auch dass ich den Eindruck h├Ątte, unser Mittelchen sei noch nicht soweit, in die Heimatschule zur├╝ck zu gehen. Au├čerdem sagte ich ihr, dass ich doch erwartet h├Ątte, dass man diese Entscheidung zun├Ąchst einmal mit uns Eltern bespricht und unsere Meinung anh├Ârt, bevor man das Kind in Kenntnis setzt. Zur Antwort bekam ich folgendendes:. Im Elterngespr├Ąch am Montag h├Ątten wir doch mit unserem Kind bereits ausf├╝hrlich ├╝ber dessen Idee des tagesklinischen Aufenthaltes gesprochen und sie (die Psychologin) habe das ins Gespr├Ąch mit der Chef- und Ober├Ąrztin getragen. Dort habe man dann ausf├╝hrlich dar├╝ber gesprochen, ob unser Mittelchen zur├╝ck in die Heimatschule kann oder nicht. Au├čerdem habe sie ein langes Gespr├Ąch mit der Klinikschule gehabt, die eine R├╝ckf├╝hrung in die Heimatschule zum jetztigen Zeitpunkt ebenfalls bef├╝rwortet. (So ganz nebenbei erz├Ąhlte sie mir dann, dass die Klassenlehrerin der Klinikschule bereits seit Mitte November engen Kontakt zur Klassenlehrerin der Heimatschule h├Ąlt. (Warum erf├Ąhrt man das nicht als Eltern?) Ferner habe man unserem Kind die Entscheidung zuerst mitgeteilt, da sie ja die Patientin sei und nicht wir. (Ah ja!? Mein Hinweis auf ihre Minderj├Ąhrigkeit wurde nicht weiter beachtet). Ich fragte, was geschehen w├╝rde, wenn unser Mittelchen die Schule weiterhin verweigern w├╝rde bzw. wieder damit beginnen w├╝rde. Ja, das w├╝rde man entscheiden, wenn es so k├Ąme. (Es gibt also keinen "Plan B".) Dann fragte ich, was geschehen w├╝rde, wenn unser Mittelchen irgendwann einmal nach der Schule nicht in der Klinik auftauchen sollte. In diesem Falle werde ich angerufen, man wird sie suchen und dann ├╝berlegen, welche Schritte man geht, um das in Zukunft zu verhindern. Die Psychologin erkl├Ąrte mir auch noch, sie w├╝rden ab sofort in unser Mittelchen ein hohes Ma├č an Selbstst├Ąndigkeit und Zuverl├Ąssigkeit setzen, denn das sei Vorraussetzung f├╝r einen reibungslosen tagesklinischen Aufenthalt.
Ganz ehrlich? Schlauer oder ruhiger war ich nach dem Gespr├Ąch auch nicht. Ganz im Gegensatz zu meinem Mann und meinem Exmann, die mir beide wie siamesische Zwillinge erkl├Ąren, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen, die Klinik wisse schon, was sie tue und ich soll den Dingen ruhig mal ihren Lauf lassen. Mein Exmann konnte, im Gegensatz zu mir, auch all das nachvollziehen, was die Psychologin mir erkl├Ąrt hatte. Er hat weder Zweifel, noch Bedenken oder ├ängste. F├╝r mich bedeutet das, dass ich hier mit meinen Gedanken so ziemlich allein da stehe.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Volker 4. Dezember 2009 22:42

Hallo Muckel,

aus der Sicht eines Vaters kann ich es recht gut nachvollziehen, dass dich der Gang der Entscheidungen etwas "├╝berrollt" hat. Du darfst allerdings nicht untersch├Ątzen, dass die selbstverletztenden Handlungen deiner Tochter auch im Zusammenhang stehen mit (unbewu├čten??) Aggressionen und ├ängsten (und damit Aggressionshemmungen) deiner Tochter, die mit dem Erwachsenwerden zusammenh├Ąngen, mit der Selbstwerdung und dem Umgang mit Freiheit.
Ich denke, die Arbeit der ├ärzte im KH entspricht gewissen Mindeststandards, ansonsten arbeitet sa ja auch niemand. Dar├╝ber hinaus, bildet sich jede ├ärztin und jeder Arzt ja auch je nach eigener Pers├Ânlichkeit fort. Bring doch mal den Erfahrungs- und Weiterbildungshintergrund der Chef├Ąrztin in Erfahrung!!!

Ich denke, deine Tochter ist in guten H├Ąnden und ich finde es wichtig, dass deine Tochter mit den ├ärzten eigene Entscheidungen trifft. Das erfordert Mut und Begleitung, ein tolles ├ťbungsfeld, wie ich finde.
Kannst du deiner Tochter vertrauen?
Es w├╝rde ihr vielleicht helfen bei der Wahl ihrer Entscheidungen.
Volker

Es ist unglaublich, wieviel Kraft die Seele dem K├Ârper zu leihen vermag. (W. v. Humboldt)
Benutzeravatar
Volker
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1059
Registriert: 3. Mai 2003 21:55
Wohnort: Bremen

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 5. Dezember 2009 07:53

Guten Morgen alle miteinander!

Seit gestern Abend ist unser Mittelchen also wieder zu Hause. Sie ist ├╝bergl├╝cklich und ich sehe mich in meinen Bef├╝rchtungen bereits jetzt best├Ątigt.

Sie erz├Ąhlte mir, sie habe noch ein Gespr├Ąch mit der Psychologin gehabt und die habe ihr erkl├Ąrt, wie von Montag an ihr Tagesablauf sein w├╝rde. Ok, das ist nachvollziehbar und richtig so.
Nein, ich sollte anders beginnen.
Bei meinem Telefonat mit der Psychologin am vergangenen Donnerstag fragte ich nach dem Tagesablauf und auch danach, wie die Ferien, die ja bald kommen, geregelt seien. Sie erkl├Ąrte mir, dass unser Mittelchen in den Ferien jeden Tag (abgesehen von den Weihnachtstagen, Silvester und Neujahr) p├╝nktlich um halb neun zu erscheinen und bis 18.00 Uhr zu bleiben h├Ątte. Da schwante mir ja schon etwas. Jedenfalls h├╝pfte unser Mittelchen gestern Abend gl├╝cklich vor uns her, als wir die Klinik verlie├čen und sagte mir, sie freue sich, dass sie dort endlich nicht mehr schlafen m├╝sse und das bald Ferien seien und sie dann dort nicht hin m├╝sse. Ich war total geschockt. Man hatte also mit meinem Kind nicht ├╝ber die Ferien gesprochen. Sie erz├Ąhlte weiter, dass sie ja dann zu ihrer Cousine nach Th├╝ringen fahren k├Ânne (ihre Cousine hat sie ├╝ber Silvester oder in den darauffolgenden Ferien zu sich eingeladen). Ganz ruhig versuchte ich ihr zu erkl├Ąren, dass daraus wohl Silvester nichts w├╝rde und auch warum. Unser Kind brach in Tr├Ąnen aus, warf die Topfpflanze, die sie in der Hand hatte auf die Strasse und br├╝llte, dann sei ja alles umsonst gewesen. Ich fragte sie, ob der Besuch bei ihrer Cousine der Grund gewesen sei, warum sie h├Ątte tagesklinisch werden wollen. Das bejahte sie mir. Mir best├Ątigte das, dass sie all die Gr├╝nde, die sie der Psychologin und uns Eltern als Begr├╝ndung genannt hatte (verpasster Schulstoff, weiter Schulweg) nur vorgeschoben waren, weil sie ja im ersten Moment vern├╝nftig klingen. Als sie sich ein wenig beruhigt hatte, sagte sie mir, in den Ferien w├╝rde sie auf gar keinen Fall in die Klinik fahren, das s├Ąhe sie ja gar nicht ein. Ich versuchte ihr zu erkl├Ąren, dass dies mit Sicherheit Konsequenzen f├╝r sie h├Ątte. Aber das wischte sie vom Tisch und meinte, es sei ihr egal. Sie w├╝rde einfach jede Mitarbeit in der Klinik verweigern und dann w├╝rde man sie dort sozusagen "rausschmeissen" aus der Behandlung und sie habe endlich wieder ihre Ruhe.
Sp├Ąter am Abend gab mir mein Mann dann zu, dass er das nicht erwartet habe und ich mich meinen Bef├╝rchtungen wohl recht h├Ątte. Er meinte, man solle der Klinik diese Geschichte erz├Ąhlen und schauen, wie sie reagieren.
Mit meinem Exmann habe ich leider noch nicht sprechen k├Ânnen.

@ Volker
Beantwortet das deine Frage nach dem Vertrauen in meine Tochter?

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Volker 5. Dezember 2009 10:17

Hallo Muckel,

was in der Klinik nun auch deutlich wird, ist, wie deine Tochter ihre Interessen durch Manipulation durchzusetzten versucht.
Entweder durch Verschweigen oder durch "w├╝ten". Ich sehe es so, dass deine Tochter vers├Ąumt mitzuteilen, was ihr wichtig ist (Besuch in Th├╝ringen) und sich dadurch unn├Âtig in Konflikte bringt. Ich sehe es so, dass es durchaus Verhandlungsspielraum geben k├Ânnte, wenn sie es anspr├Ąche: Sylvester ist dieses Jahr ein Donnerstag, was bedeutet, dass sie ein verl├Ąngertes WE in Th├╝ringen verbringen darf, wenn sie mitarbeitet.

LG
Volker
Volker

Es ist unglaublich, wieviel Kraft die Seele dem K├Ârper zu leihen vermag. (W. v. Humboldt)
Benutzeravatar
Volker
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1059
Registriert: 3. Mai 2003 21:55
Wohnort: Bremen

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Ansa 5. Dezember 2009 12:29

Guten Morgen Ihr Lieben,

*ups* das sind ja tolle Neuigkeiten, die mich schlicht umhauen....

Die zentrale Frage in der Kindererziehung und auch im Umgang mit jungen Menschen ist f├╝r mich ja immer "was lernt mein Gegen├╝ber aus meinem Verhalten? Daraus folgt ihr Handeln und in Folge auch ihr weiteres planen und vorgehen. Was also lernt sie, wenn sie nun aus Vorspiegelung falscher Motive (Schule, Freunde etc.) ihr eigenes Motiv (Urlaub in Th├╝ringen) manipulativ durchgesetzt hat - und sie darf nun fahren?

Meiner Meinung dazu ist ganz klar, sie hat alle Beteiligten gelinkt und es w├Ąre gleichsam eine Belohnung wenn sie unter Ber├╝cksichtigung all dieser Tatsachen fahren d├╝rfte - egal ob das in den Plan passt oder nicht. Weder hat sie irgendwem vertraut noch ein Ziel erreicht, das sie in der Klinik erarbeiten sollte, ganz im Gegenteil, sie hat dort die Menschen ebenso manipuliert wie sie das zu Hause mit Mama macht. Nur das Mama jetzt offensichtlich aufmerksamer ist und erkennt, was da passiert? Ich w├╝rde sie in gar keinem Fall fahren lassen und das w├╝rde ich ihr auch klar sagen, SO NICHT! Geht gar nicht!

Gleich eines vorab, ihr Verhalten beruht zum Teil ganz sicher auf unbewussten Handlungen, sie hat einfach im Alltag erfahren und erlernt, das sie ihre Ziele auf Umwegen erreichen kann - von daher ist das (auch wenn es weh tut) ein Zusammenspiel aller Beteiligten.... sie handelt aber auch, das haben wir jetzt gesehen, sehr zielgerichtet....... clever, aber unfair und am Ende hat das auch b├Âse Folgen f├╝r sie selbst, denn wenn man das jetzt nicht unterbricht, dann wird sich das fortsetzen, wenn sie erwachsen ist und sie selbst wird irgendwann darunter leiden.

Vermutlich w├╝rde ich das was ich jetzt erfahren habe auch unbedingt in einem Krisengespr├Ąch so schnell als m├Âglich in der Klinik kund tun und besprechen, denn es geht ja um mehr. Auch die dort Beteiligten m├╝ssen erfahren, wie expliziet sie auf ein Ziel hingearbeitet hat, das nicht offen gemacht worden ist, denn DAS ist wohl die Problemlage um die es geht? Und die daraus resultierenden Folgen w├╝rde ich in jedem Fall mittragen, auch wenn das bedeuten w├╝rde, das sie wieder aufgenommen wird.

Verantwortung f├╝r sich selbst ist das eine, Vertrauensvorschu├č etwas, das ich meinen Kindern ein ums andere Mal immer wieder gew├Ąhre, aber den h├Ątte sie in so einem Fall doch verspielt. Und das muss sie erfahren, am eigenen Leib sozusagen - sie muss ihre Verantwortung ├╝bernehmen und die Folge das sie nun nicht fahren darf, die ist mehr als logisch. Was dazu geh├Ârt, haben wir ja oft besprochen. Festigkeit, kein Vorwurf, kein Schimpfen, schlicht So nicht und h├Âchstens "schade, das Du so gehandelt hast", damit die Folgen auch bei ihr bleiben.

Im ├ťbrigen ist es in "unserer" Klinik so, das, egal was f├╝r Wochentage, die Kinder am 26. Dez. Abends wieder da sein m├╝ssen, was mich nicht besonders erfreut hat, weil es auch mein Weihnachten sprengt...... und zwischen Weihnachten und Sylvester ist dort Alltag, das m├╝sste man hinterfragen? Da geht es um Vollbelegung und dergleichen, es k├Ânnte also gut sein, das auch f├╝r Vergn├╝gungsfahrten keine Zeit bleibt. Klinikaufenthalte kosten auch. Das ist ja keine Erholung.

Liebe Muckel, f├╝hl Dich mal ganz doll gedr├╝ckt, ich reich Dir erst mal eine sch├Âne Tasse hei├čen Kakao r├╝ber und dann tief durchatmen..... mag sein, das ich hier Dinge schrieb, die Dir weh tun, aber ich denke, an so einem Verhalten haben viele ihren Anteil und wir vergessen dabei immer etwas ganz wichtiges, auch das betreffende Kind hat seinen Anteil und kann entscheiden, wie und warum es so handelt, wie es handelt. Nun muss sie lernen, wie die Folgen ihres Handelns sind und auch, dass das "alte" nicht mehr funktioniert, weil Du Dein Verhalten dringend ver├Ąndern musst. Ich glaube aber auch, dass Du das erkannt hast und mehr wahr nimmst, als noch vor einigen Wochen, das ist ein guter Anfang. ├ťberlege Dir was Dein Ziel ist, was soll sie lernen...... und was lernt sie aus Deinem Verhalten? Frag Dich das immer wieder, das macht Dein Handeln dann leichter, auch wenn es unbequem ist.

Dir ganz liebe Gr├╝├če
Ansa
Sei z├Ąrtlich mit den Kindern, mitf├╝hlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm├╝tig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Administrator
Administrator
 
Beitr├Ąge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Volker 5. Dezember 2009 13:02

Hallo Ansa, Hallo Muckel,

ich schalt mich jetzt nochmal kur dazwischen, wenns recht ist *g*.

Ich habe das mit dem Termin so gemeint, dass es immer eine M├Âglichkeit gibt, sobald die Dinge auf dem Tisch liegen. Insofern gebe ich Ansa recht, dass es fatal w├Ąre, sie in diesem Fall fahren zu lassen.
Absolut notwendig - glaube ich - hingegen ein Gespr├Ąch bei dem dieser Vertrauensverlust deutlich wird und aben auch die Alternative, dass durch offenlegen der W├╝nsche gemeinsam auf ein Ziel hingearbeitet werden kann. So wie deine Tochter handelt, sind alle drumherum nur Statisten, bzw. Schachfiguren ... In der Realit├Ąt sind aber alle Menschen mit Gef├╝hlen, die auch entt├Ąuschbar und verletztlich sind.
Ich denke, deine Tochter sollte es auch schaffen sich selbst klar zu werden, dass ihr eigenes Handeln auf Misstrauen basiert hat.
Auf einem Weg wie es Ansa gerade beschrieben hat, kann Vertrauen wieder wachsen.
Volker

Es ist unglaublich, wieviel Kraft die Seele dem K├Ârper zu leihen vermag. (W. v. Humboldt)
Benutzeravatar
Volker
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1059
Registriert: 3. Mai 2003 21:55
Wohnort: Bremen

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 5. Dezember 2009 13:21

Ihr Lieben!

Danke f├╝r eure Antworten :umarmen:

Sp├Ątestens seit letztem Donnerstag wei├č sie, dass auch Mama sich ver├Ąndert hat. Ich rief sie - wie immer - abends an und hatte ein fr├Âhliches Kind am Telefon. Das kippte dann, als sie mich fragte, wer denn nun mit dem Auto k├Ąme, um sie abzuholen am Freitag. Ich sagte ihr, dass mein Mann und ich mit der Bahn k├Ąmen, da kein Auto zur Verf├╝gung st├╝nde. Dann solle ich doch mal die Oma fragen, die mache das ganz sicher. Ich sagte ihr, dass ich das nicht tun w├╝rde, weil ich das der Oma nicht zumuten wolle - abends im dunklen, evtl. Regen und sie ist nicht mehr die J├╝ngste. Nein, sagt mein Mittelchen, sie f├╝hre auf keinen Fall mit dem Gep├Ąck in der Bahn, ich solle Oma bitten. Ich sagte ihr noch einmal, ich w├╝rde das nicht tun und w├╝rde nun auch nicht weiter mit ihr dar├╝ber diskutieren. Sie habe die Wahl, entweder Bahn mit Mama oder dort bleiben. Zur Antwort bekam ich, es sei ihr sche.... egal, ob ich diskutieren wolle oder nicht, sie wolle das jetzt aber. Darauf hin w├╝nschte ich ihr ganz ruhig noch einen sch├Ânen Abend, verabschiedete mich und legte den H├Ârer auf. Mein Mann meinte, ich habe ganz genau das richtige getan und gestern Abend fuhr sie mit uns problemlos Bahn.

@ Ansa
Selbstverst├Ąndlich wird sie nicht nach Th├╝ringen fahren. Das w├Ąre ja noch sch├Âner.
Am Montag werde ich - sobald sie in der Schule ist - versuchen, die Psychologin zu erreichen und ihr das alles erz├Ąhlen. Mal h├Âren, was sie dazu sagt.
Einen erneuten station├Ąren Aufenthalt lehnt mein T├Âchterchen ├╝brigens strikt ab. Auch daf├╝r hat sie sich ja schon eine Strategie zurecht gelegt - totale Verweigerung der Mitarbeit, in der Hoffnung, dass die Klinik aufgibt. Also genau so, wie sie es sich auch f├╝r die Weihnachtsferien ├╝berlegt hat.
Eigentlich erschreckt mich an der ganzen Sache am meisten, dass sie nicht nur uns Eltern, sondern auch die Fachleute in der Klinik so hat ├╝bers Ohr hauen k├Ânnen.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon MarliJo 5. Dezember 2009 14:01

Guten Morgen Muckel !

Das vieles, von dem was passiert, in dir Unverst├Ąndniss ausl├Âst, kann ich gut verstehen.
In der Klinik scheint es im Zusammenspiel unter den ├ärzten und Betreuern keinen "roten Faden" zu geben, der Vertauenserweckend auf dich wirkt und m├Âglicher weise "nutzt" deine Tochter diese L├╝cken, um ihre Interessen einzufordern.
Mir kommt es auch so vor, das in diesem Dreieck -Klinik, Tochter, Mutter- die jeweiligen Vorstellungen nicht deffiniert sind, so dass am Ende auch wenig zusammenl├Ąuft. Auch diesen "Schwachpunkt" mag deine Tochter wahrnehmen und findet darin Wege, um scheibchenweise an ihr Ziel zu gelangen ? Von au├čen betrachtet sieht es f├╝r mich so aus, als befindest du dich mit deiner Tochter in einem Tauziehen um die jeweiligen Interessen.
So sehr ich deine Sorge um deine Tochter verstehen kann und deinen ├ärger, dass deine Tochter sich so "geschickt" aus der Aff├Ąre gezogen hat, so sehr finde ich den Gedanken, denn Volker eingebracht hat, bedenkenswert.
Es ist eben eine Frage GEGENSEITIGEN Vertrauens. Selbst dann - und das ist sicher das Schwierige daran - wenn deine Tochter dein Vertrauen mi├čbraucht hat. Klar, du f├╝hlst dich nat├╝rlich bast├Ątigt darin, weil deine Tochter in Bezug auf den Besuch der Cousine schon wieder auf ihre Art
den Willen durchzusetzen versucht. Also gew├Ąhrst du ihr diesen Wunsch (erstmal) nicht und so nimmt das Tauziehen seinen Lauf.
Vern┬┤mutlcih wird deine Tochter es sp├╝ren, dass du ihr nicht vertraust und ihr eigene Entscheidungen nicht mehr (oder momentan nicht) zutraust. L├Ąsst sie eigene Erfahrungen aus Sorge um ihr Wohl nicht machen ?

Das kenne ich auch aus meiner Jugend.
Ich erinnere mich zur├╝ck und sehe (aus heutiger Perspektive) meine Mutter, die mir verdammt wenig zugetraut hat, die mir immer gasagt hat, was "richtig" und was "falsch" ist aus ihrer Sicht(sie tut es noch heute !) und wie schlecht ich damit zurecht kam. Mit 15 hatte ich meine 1. Freundin, mit 16/17 meine 2. - beide Male hat sie mir diese Beziehungen nicht zugetraut und schlecht gemacht. Also verfolgte ich meine Interessen hinter ihrem R├╝cken.Kletterte nachts zum Beispiel aus dem Fenster, um ein paar Stunden bei meiner Freundin zu sein. Von MEINEM KOnfirmationsgeld kaufte ich mir eine tragbare Hifi-Anlage,.. sie hat ein Mordstheater gemacht wie ich dazu k├Ąme so etwas ohne zu Fragen, einfach zu kaufen. Der ausersehnte und ausgedachte Urlaub mit meiner 3. Freundin (da war ich fast 19) war auch nicht richtig, weil meine Freundin erst 17 (und damit minderj├Ąhrig) war. Gemacht haben wir es trotzdem, denn ICH wollte meinen Willen. Danach ├╝brigens bin ich ausgezogen.
Ich k├Ânnte noch einige Beispiele nennen, wo ich mit <dem nicht zutrauen seitens meiner Mutter< zu k├Ąmpfen hatte. Letztlich hat es mich dazu bewogen, "mein Ding" allein zu machen, ohne gegenseitiges Vertauen, ohne Aussprache und ohne gemeinsame Basis.Und um ein Ziel zu erreichen, habe ich sie auch oft genug hinter das Licht gef├╝hrt, habe "L├╝cken im System" genutzt. Manchmal hat es geklappt, manchmal bin ich auf die Klappe gefallen,.... nur richtig hat sich dieser Weg nicht wirklich angef├╝hlt.
Denn letztlich war dieses Verhalten (m)eine "Notl├Âsung" , um Unannehmlichkeiten mit meiner Mutter aus dem Weg zu gehen. Heute denke ichm dass dieses unehrliche Herumlawieren/agieren schon sehr dadurch bedingt wirde durch mangelndes gegeseitiges Vertrauen.

Vergleichsweise harmlos mit der Situation, in der sich deine Tochter und du befindet, ich wei├č.
Doch vielleicht hast du den Mut, und bist auf diese Weise stark, deiner Tochter trotz ihren Verfehlungen zu vertrauen und ihr das auch zu zeigen ?!
Was n├╝tzt es deiner Tochter, wenn du Recht hast in deinen Bef├╝rchtungen und Mutma├čungen ? Sie wird wieder versuchen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen,...irgendwie.
Vielleicht kannst du ihr diesen Besuch bei der Cousine gew├Ąhren und kn├╝ppfst das gleichzeitig an Zugest├Ąndnisse von ihrer Seite, zum Beispiel, dass sie sich an die sonstigen Vorgaben der Klinik h├Ąlt ?
Ein Ganz oder garnicht scheint mir in der momentanen Situation nicht m├Âglich, von daher ist ein Kompromiss wohl unumg├Ąnglich. Einer wo deine Tochter sieht, dass es ein gegegnseitiges Nehmen und Geben ist und auch sie zur Mitarbeit gefordert ist. Aber dazu braucht sie vielleicht eine Vorschuss an Ver - und Zutrauen ?

Im ├╝brigen sehe ich es so, dass du einen, mit deiner Tochter ausgehandelten Kompromiss auch ohne Einwilligung der Klinik darstellen und gehen kannst, wenn dies die Therapeuten in der Klinik auch ohne deine Zustimmung tun. Vielleicht enttseht am Ende daruas ja eine produktivere Zusammenarbeit ?

Dir und euch alles Gute
MarliJo
MarliJo
 

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Ansa 5. Dezember 2009 14:35

Liebe Muckel,

das hast Du genau richtig gemacht, ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen und sie eben doch per Bahn abholen. Sie hatte da die Wahl (wenn auch eine etwas verquere), dort bleiben oder Bahn fahren und sie hat sich am Ende entschieden.

Sie die Wahl haben lassen, ist etwas, das Dir, wenn Du es Dir bewusst machst, sehr helfen kann. Auch das ist von Dreikurs..... nicht das Kind w├Ąhlen lassen, was es will.... sondern Alternativen bieten, die aber Grenzen setzen. Kleine Kinder, die sich nicht anziehen wollen, kann man also fragen "willst Du den blauen oder den roten Pullover anziehen" (was willst Du anziehen und die m├Âgliche Alternative "nichts" umgeht man so sehr klug); das Kind kann w├Ąhlen und wird das zumeist tun.... so nimmt man unglaublich viel Streitpotential aus den allt├Ąglichen Verrichtungen. Wir haben das ausprobiert mit einem Kind das jeden Abend ein Wahnsinnstheater beim Z├Ąhneputzen machte. Auf unseren Tipp fragte es die Mama "soll ich Dir die Z├Ąhne putzen oder willst Du das allein tun (sind die Kinder noch recht klein, sollte man immer, das, was man selbst am liebsten h├Ątte, als letztes in die Frage stellen) und zu ihrer ├ťberraschung antwortete ihr Kind "allein" ging ins Bad und putzte sich die Z├Ąhne.... Das ist auch so geblieben, sagte sie neulich erst.

Was bei den Kleinen funktioniert geht auch bei den Gro├čen. "willst Du vor oder nach den Hausaufgaben f├╝r mich einkaufen gehen?" Die Alternative "kein Bock" ist so umgangen..... und man hat eine feste Absprache auf die man sich berufen kann. Ich kann mir vorstellen, das es bei Euch in vielen Situationen ganz hilfreich sein kann, so zu handeln, denn es l├Ąsst der Tocher immer eine eigene Wahl und Handlunsgalternative. Geht das schief, k├╝ndige ich Folgen auch an.... "Wenn Du zu sp├Ąt kommst, kann ich mich nicht auf Dich verlassen und Du musst n├Ąchstes Mal zu Hause bleiben." Da sie wissen, das ich meine was ich sage, funzt das gew├Âhnlich ganz gut. Dir und Euch wird da schon das Richtige einfallen.

Und - sie hat ein Recht auf toben, weinen und kreischen (wenn das auch eher kleinkindhaft ist) aber in ihrem Zimmer. Notfalls - stehen lassen und weg gehen "schade das Du traurig bist, kann ich gut verstehen." Sonst nichts mehr..... zumeist h├Âren sie dann ganz fix damit auf. Mein Mittelchen steht ja grad neben sich, der Streitpartner fehlt - wenn sie nun auf mich los geht, in ihrer Not - lasse ich sie stehen udn verschwinde in mein Zimmer. Aus die Maus. Findet sie reichlich bl├Âd, aber grad geht das, weil sie nicht ├╝ber ihre kleine Schwester herfallen kann, wie das bei Euch mit Kleinfelix geht, musst Du sehen... und f├╝r Euch passend zurecht finden.

Dir noch einmal liebe Gr├╝├če
Ansa
Sei z├Ąrtlich mit den Kindern, mitf├╝hlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm├╝tig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Administrator
Administrator
 
Beitr├Ąge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 5. Dezember 2009 15:09

Hallo alle miteinander!

Puh - da hatte ich ja einiges zu lesen :)

@ MarliJo
Ich kann ihr die Fahrt nach Th├╝ringen schon allein deshalb nicht gestatten, weil es sich zeitlich - zumindest bisher - gar nicht lohnen w├╝rde und die Klinik nicht mitspielt. Unser Mittelchen hat - wie ich ja schon schrieb - in den Ferien jeden Tag in der Klinik zu sein, au├čer an den Weihnachtsfeiertagen und Silvester bzw. Neujahr. Das w├╝rde bedeuten, sie f├Ąhrt am Silvestermorgen hier los und mu├č am Neujahrsabend schon wieder hier sein. Da ist ja fast l├Ąnger im Zug, als das sie bei ihrer Cousine ist.
├ťber die Fahrt nach Th├╝ringen habe ich mit der Psychologin gesprochen. Sie wei├č also davon und sagte mir gleich, das ginge nicht. Jetzt ├╝berlege ich schon die ganze Zeit, ob sie unserem Kind evtl. absichtlich nichts davon gesagt hat, dass sie auch in den Ferien zur Klinik mu├č, weil sie ihr Spiel durchschaut hat oder ob sie tats├Ąchlich ebenso auf das Spiel hereingefallen ist, wie wir auch. Die Absicht der Psychologin k├Ânnte ja sein, dass sie sich sagt, ich lasse dich mal machen und du wirst die Konsequenz deines Handelns schon sp├╝ren, in dem du nicht nach Th├╝ringen fahren kannst. Wie gesagt, es ist nur eine ├ťberlegung.
Vertrauen habe ich im Moment recht wenig in mein Kind, das stimmt. Das liegt wohl an solchen Dingen, wie ich sie oben beschrieben habe. Es f├Ąllt mir - zugegeben - auch schwer Vertrauen in sie zu setzen. Da ist die Schule, die mit der K├╝ndigung des Schulvertrages droht, wenn sie nicht regelm├Ąssig zur Schule geht. Da ist die Klinik, die erwartet, dass sie ab sofort regelm├Ąssig jeden Tag dort erscheint. Aber ich kenne mein Kind und ich wei├č, wie sie reagiert, wenn sie keine Lust mehr hat oder aber der Druck zu gro├č wird. Sie wird wieder ihre Verweigerungshaltung einnehmen und ich kann sie weder zur Schule, noch in die Klinik pr├╝geln. Nur, was geschieht dann? Ich wei├č, ich sollte versuchen, abzuwarten, ob es wirklich soweit kommt. Aber meine Gedanken kreisen nun mal und ich k├Ânnte mich t├Ąuschen. Wenn ich mir dann aber mein Kind und sein Verhalten anschaue, zweifle ich wieder, ob das alles in den n├Ąchsten Wochen gut geht.

@ Ansa
Aber wie soll ich ihr die Wahl lassen, ob sie zur Schule bzw. in die Klinik f├Ąhrt oder nicht? Welche Alternativen habe ich ihr anzubieten? Wo soll ich die Grenze setzen? In einen station├Ąren Aufenthalt bekomme ich sie nie wieder. So gut kenne ich mein Kind.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Ansa 5. Dezember 2009 15:33

Liebe Muckel,

das die Psychologin sie hat ausprobieren lassen wollen, was passiert - das ist denkbar - ebenso wie, das sie das nicht so ├╝bersehen hat. Da w├╝rde ich sie doch drauf ansprechen, glaube ich. Es ist ja vieles, was nun besprochen werden muss. Ich kann mir zum Beispiel so gar nicht vorstellen, das innerhalb der Klinik nicht ├╝ber Ferien gesprochen worden ist? Das ist doch ein Thema, das alles Kinder (und die Eltern) brennend interessiert?

Die Wahl zwischen zur Schule gehen und nicht; die sollst Du ihr ja nicht lassen, in keinem Fall! Ihre Wahl ist zwischen "gehst Du allein oder soll ich Dich begleiten?" Andere Alternativen gibt es ja nicht. Au├čer man zeichnet ihr mal auf, was passiert, wenn sie nicht geht? Dann n├Ąmlich kommt am Ende die Polizei und f├Ąhrt sie und..... vorher gibt es Bu├čgelder f├╝r die Eltern, die nat├╝rlich das Buget der ganzen Familie belasten und Einsparungen f├╝r sie (in erster Linie - da sie die Verursacherin ist) bedeuten. Nicht damit drohen, sondern das einfach mal ganz klar aufzeigen...... sachlich und ohne Vorw├╝rfe, nach der Art "wei├čt Du eigentlich was passiert, wenn.....?"

Ich habe erst neulich eine ├Ąhnliche Diskussion mit meinem Mittelchen gef├╝hrt, da ging es darum, ob sie es schafft auf die Oberstufe ├╝bernommen zu werden oder nicht (letztes Jahr war ja ihr Hauptschulabschluss gef├Ąhrdet, also sind unsere Diskussionen da sehr bedeutsam) und was sie tun wolle, falls sie das nicht schafft. Da sagte sie das sie das nicht wisse und dann erst mal ein Jahr zu Hause bummeln wolle.... um sich zu ├╝berlegen, was sie tun k├Ânnte. Und ich habe ganz sachlich und ruhig und deutlich gesagt, "Ein Jahr bummeln ohne Nichts zu tun gibt es bei uns in der Familie nicht! Die Alternativen sind Schule, Ausbildung (notfalls ├╝ber Papa und seine Kollegen) oder wenn sie nichts f├Ąnde, dann m├╝sse sie jobben gehen und sich ihren Unterhalt verdienen. Ich stehe grade f├╝r Schule und Ausbildung, aber wer bummeln wolle - der k├Ânne das nur nur, wenn er f├╝r sich selbst sorgen w├╝rde. Punkt!" "Oh," sagte sie, aber da machen doch viele.... die sind dann arbeitslos und sitzen zu Hause." "Ja," hab ich gesagt, "m├Âglich, aber bei uns nicht!" Und dann sagte sie, das sie sich unter den Umst├Ąnden dann mal lieber doch antrengen wolle und nun schreibt sie eine zwei nach der anderen. Sie wei├č aber auch ganz bestimmt und sicher, das ich meine, was ich sage... Dies ist meine/unsere Familie und manche Grundregelen stelle ich bzw. stellen wir hier als Eltern auf. Mein Job ist Studium, Haushalt und emotionaler Halt f├╝r alle, der Job meines Liebsten ist klar - und der Job der Kinder ist ihre Schule.... die hat Vorrang. Auch Deine Tochter hat einen Job, den sie bislang nicht sehr ernst genommen hat und nun muss sie lernen, das es Folgen haben kann.... wenn Dein Mann nicht arbeiten geht, verdient er kein Geld - wenn sie nicht arbeitet, kann es manche Verg├╝nstigungen nicht geben?

Gute Noten hei├čt bei uns zum Beipiel auch unbefristeter Zugang zum Internet bzw. PC. Wer da aber schlecht ist, bekommt seine Zeiten zugeteilt..... und kontrolliert. Oder so wie heute, sie will zum Nikolausmarkt und ihr Taschengeld ist alle - sie bekommt 10,- ÔéČ f├╝r ihr Vergn├╝gen, aber auch mit den Worten einer leichten Anerkennung..... "da ich mich momentan so sehr auf Dich verlassen kann, m├Âchte ich, das Du Dir einen sch├Ânen Abend machen kannst......" das setzt sie schon in die richtigen Bez├╝ge.

Und die Wahl zwischen ich gehe in die Klinik oder nicht darf sie auch nicht haben, auch hier soll sie erst mal den Vertrauensvorschu├č haben und ihr macht ihr deutlich "ich freue michauf heute Abend, pass auf Dich auf" und wenn sie sich davon schleicht, darf sie w├Ąhlen zwischen, "gehst Du allein oder soll Dich jemand begleiten?" Und die Folge des Begleitens w├Ąre dann, das keiner f├╝r sie Zeit hat, wenn sie mal shoppen will oder sonst was m├Âchte, denn die Zeit die f├╝r sie bestimmt ist, die ist ja f├╝r die Begleitung drauf gegangen.

Station├Ąre Aufenthalte sind ja nicht nur freiwillig.... aber ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen oder schwarz sehen, sondern erst einmal davon ausgehen, das man sich auf sie verlassen kann..... und dann sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Ihr die Wahl ├╝berlassen. Ritzt sie sich denn noch weiter oder hat sie aufgeh├Ârt damit?

Dir liebe Gr├╝├če
Ansa *imBackwahn*
Sei z├Ąrtlich mit den Kindern, mitf├╝hlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftm├╝tig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
Benutzeravatar
Ansa
Administrator
Administrator
 
Beitr├Ąge: 2601
Registriert: 14. August 2006 11:52

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon MarliJo 5. Dezember 2009 17:43

Hallo Muckel !

Ok, wenn das mit der Reise nach Th├╝ringen allein schon aus technischen und zeitlichen Gr├╝nden schwierig ist, ist es vieleicht ein Gedanke, ihr diese Reise zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt zu gew├Ąhren - Zeugnissferien oder so ?
Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum, das Fehlverhalten (so sie es denn ├╝berhaupt selbst so sehen kann) noch zu belohnen. Es geht mir darum, ihr zu zeigen, >ich traue dir dieses oder jenes zu und erlaube es, wenn... <. Dieses "wenn" kann zum Beispiel sein, das sie dieses Freiraum NUR bekommt, WENN sie regelm├Ą├čig in die Schule geht oder auch den Klinikaufenthalt ernst nimmt. Eben ein gegenseitiges Geben und nehmen.
Alternativen aufzeigen, wie sie Ansa beschrieb, finde ich sehr gut. Nicht ganz oder gar nicht sondern entwedeer oder im positiven Sinne. Also, schaffst du das alleine oder sollen wir dir helfen ? Aber klar machen, dass Das, was IHR Job ist (Schule, Klinik momentan,...) eben auch zu erf├╝llen ist. Kannst du ihr bei allen Widrigkeiten das Gef├╝hl geben, dass sie ihren Weg schafft ?

Liebe Gr├╝├če
MArliJo
MarliJo
 

Re: Wenn man stark sein mu├č ...

Beitragvon Muckelmaus 5. Dezember 2009 19:49

Hallo ihr Lieben alle!

@ MarliJo
Unser Mittelchen wu├čte von Anfang an, dass sie die Reise auch durchaus in den Oster- oder Sommerferien antreten kann, wenn es ├╝ber Silvester nicht klappen sollte. Aber sie war und ist so darauf fixiert ├╝ber den Jahreswechsel zu fahren, dass alles andere f├╝r sie nicht im Raum steht.

Allerdings bin ich gerade so richtig ├╝ber meinen eigenen Schatten gesprungen und ob es richtig war, dar├╝ber mu├č ich noch mal nachdenken.
Unser Kind hat eine Freundin hier zu Besuch im Moment - ein M├Ądchen aus ihrer Klasse der Heimatschule. Sie sitzen im Zimmer und man h├Ârt nur Gel├Ąchter (sch├Ân ist das :) ). Jedenfalls haben sich die Beiden ├╝berlegt, dass unser Mittelchen doch von Sonntag auf Montag bei der Freundin ├╝bernachten k├Ânnte und dann von dort aus zum ersten Mal wieder zur Schule geht. So h├Ątte sie Begleitung und m├╝sse den Abend vorher nicht allein verbringen. Also stand mein Mittelchen vor mir und fragte, ob ich ihr die ├ťbernachtung bei ihrer Freundin erlauben w├╝rde und begr├╝ndete mir das dann auch mit o. g. Gr├╝nden. Irgendwie f├╝hlte ich mich an die Situation im letzten Elterngespr├Ąch erinnert. Also bat ich mir Bedenkzeit aus. Schlie├člich mu├č unser Kind ja in der Klinik anrufen, wenn sie sich auf den Weg zur Schule macht usw. Aber was mir viel mehr auf der Seele lag war, dass ich abwog, ob da nicht vielleicht irgendwo ein Hintert├╝rchen sei, dass sie sich als Schlupfloch offen h├Ąlt. Halt genau so, wie mit der Idee des tagesklinischen Aufenthalts. Mein Mann meinte, ich solle sie gehen lassen. Die Klinik w├╝rde sich ganz sicher melden, wenn das Kind nicht anruft, um zu sagen, dass es nun zur Schule geht. Abgesehen davon wei├č ja mittlerweile auch die Heimatschule, dass unser Mittelchen am Montag wieder da ist. Au├čerdem k├Ânne ich immer noch in der Klinik anrufen und nachfragen, ob sie sich gemeldet habe.
Unser Mittelchen hat dann also - in meinem Beisein - die Telefonnummer der Klinik in ihr Handy gespeichert und ich habe ihr verdeutlicht, was ich von ihr erwarte und auch, wie schwer es mir f├Ąllt, ihr die ├ťbernachtung zu gestatten. Sie sagte mir, sie wisse das und hat sich bei mir bedankt.
Hinterher ist mir aufgefallen, dass sie nicht w├╝tend wurde, als ich nicht sofort "Ja" sagte zu ihrer Idee. Das w├Ąre vor dem Klinikaufenthalt mit Sicherheit anders gewesen. Ob das nun tats├Ąchlich eine Ver├Ąnderung ist oder aber nur die Freude dar├╝ber, der Klinik ein St├╝ck weit entkommen zu sein, bleibt abzuwarten.

Liebe Gr├╝├če
Muckel

Ein Kind betritt deine Wohnung und macht in den folgenden zwanzig Jahren so viel L├Ąrm, dass du es kaum aushalten kannst. Dann geht das Kind weg und l├Ąsst das Haus stumm zur├╝ck, dass Du denkst, du wirst verr├╝ckt.
v. John Andrew Holmes, amerik. Publizist
Benutzeravatar
Muckelmaus
Inventar
Inventar
 
Beitr├Ąge: 1717
Registriert: 26. Januar 2005 02:02
Wohnort: in der N├Ąhe von K├Âln

VorherigeN├Ąchste

Zur├╝ck zu Sonstiges

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 G├Ąste