ESK- Trennung als Muster???

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ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 14. Juli 2012 18:35

Hi,
hab' nicht gedacht hier so schnell nochmal zu schreiben, tus nun doch, hab' lang ĂŒberlegt ob oder ob nicht, aber das Thema gehört hierher und ja vllt. gibt andere die das auch beschĂ€ftigt und wenn nicht, dann hab' ich's mir mal von der Seele geschrieben...

Wo fang ich an?
Ich habe durch das letzte Jahr und all dem was da hochkam sehr viel aufarbeiten mĂŒssen. Vieles hat mit meiner Kindheit zu tun und manches hat im jetzt stattgefunden, die Mischung aus beiden ist nicht spurlos an mir und meiner Beziehung vorbei gegangen.
Wir sind seit knapp 20 Jahren zusammen und bis vor einem Jahr war das das typisch "eingespielte Team". Da war immer eine stabile Basis, die die meisten ErschĂŒtterungen gut ausgehalten hat. Nun brökelt es und das tut es, weil ich meinen eingeschlagenen Lebensweg in Frage stelle und das tue ich, weil ich im letzten Jahr bis an den Punkt kam, an dem ich weg sein wollte, nicht nur aus der Beziehung sondern ganz.
Und das stellt alles in Frage und da ist ganz viel was jetzt immer noch dieses Fragezeichen hat.
Und ich finde Parallelen zur Geschichte meiner Eltern. Das schmeckt mir nicht, gar nicht, aber ich kann da nicht so tun als wÀre es nicht so.
Einerseits kann ich so vieles besser verstehen was damals war, andererseits steck ich da nun irgendwie in einem Muster das so aussieht...

Ich suche, habe das gefĂŒhl da muss noch mehr sein, ich habe mich da noch nicht mit allem was mir wichtig ist platzieren können in meinem Leben, das macht meinem Mann Angst, weil ich ausserhalb suche, weil er mir das (so seine Interpretation und das stimmt ja auch) nicht geben kann (muss er aus meiner Sicht auch nicht, er möchte aber), ich erlebe ihn dann in BefĂŒrchtungen und Angst vor der Zukunft verstrickt völlig erstarrt und bewegungsunfĂ€hig oder in Konfrontation zu mir, was mich dazu bringt mich ungenĂŒgend und kontrolliert zu fĂŒhlen und nicht ok und das wiederum löst Fluchgedanken aus, die er merkt was wiederum bei ihm Angst auslöst uswusf.

Da stellt sich die Frage nach Henne oder Ei.

Was mich derzeit wirklich beschĂ€ftigt ist, dass ich bei mir nun genau das erlebe, was meine Kindheit geprĂ€gt hat. Ein Vater, der wollte, dass seine Familie ein Nest ist, in das er heimkommen kann, stabil und sicher und kontrollierbar (vorhersagbar) und eine Mutter, die viel zu jung viel zu frĂŒh entschieden hat, dass sie Familie will und dann mittendrin beinah erstickt ist, Fluchtgedanken hatte, kontrolliert wurde oder sich so fĂŒhlte, geflohen ist. Letzlich habe ich nur dieses System "Beziehung" kennengelernt.
Und das hat mich dazu bewogen direkt aus dem noch nicht erwachsen sein, ohne Loslöseprozeß vom Elternhaus (auch so ein Thema, wie kann man sich von was lösen, das nicht zur VerfĂŒgung steht) mitten in eine Beziehung zu stolpern, fĂŒr die ich zum damaligen zeitpunkt alles getan habe und mir da meine Familie zusammenzubauen, die mir gefehlt hat.
Und nun steh ich hier, in einer scheinbar und eigentlich intakten Familie (es ist ja alles gut gegangen) und fĂŒhle immer noch diese Leere und den verlust und die Einsamkeit und suche, immer noch.

Meine Interpretation ist, ich habe das nicht beim Adressaten klĂ€ren oder auffĂŒllen können. Mein Mann sitzt permanent vor einem Fass ohne Boden und versucht aufzufĂŒllen und verbiegt sich und tut und macht und lĂ€uft leer und bekommt Angst und das GefĂŒhl nicht genug zu sein und ich versuche aufzufĂŒllen an den verschiedensten Orten, stelle alles in Frage, suche, rĂŒttel an Bestehendem und drehe mich im Kreis.

Und ich kĂ€mpfe gegen diese Fluchtgedanken an, immer wieder und zwinge mich hier zu sein, was es schwer macht und nicht leicht und was sich nach Zwang anfĂŒhlt und nicht nach wollen und dann stelle ich auch das in frage, will ich das ĂŒberhaupt und habe Angst, dass ich irgendwann spĂ€ter feststelle, dass genau hier der Punkt war, an dem Ende war und ich habs nur nicht gemerkt.
Und mein Mann sagt ich soll mich entscheiden, weil er nicht spĂ€ter dann feststellen will, dass hier Ende war und er keine Chance mehr hatte woanders das zu finden was er braucht und sucht. Ich versteh das..ich habe nur nicht das GefĂŒhl, dass ich da entscheiden kann, dass es da etwas gibt zu entscheiden. ich weiß es nicht...was ich glaube ist, dass ich wĂŒrde ich nun gehen irgendwann gern zurĂŒck wollte, weil ich das alles hier ja fĂŒr mich und meine BedĂŒrfnisse getan habe, es ist mir ja nicht passiert, ich habe das ja gewĂ€hlt in den Momenten, also ist das keine Option, wozu sollte ich gehen und wohin.

Mein Ansatz ist irgendwie, dass ich das in mir klĂ€ren muss, aber...wir kommen gemeinsam immer wieder sehr schmerzhaft und verletzend an den Punkt, dass plötzlich alles in Frage steht und da weiß ich nicht wie es dazu kommt und da frage ich mich dann wollen wir das nur nicht sehen, reden wir uns das schön, relativieren wir etwas das schmerzt, damit es aushaltbar wird oder ist das alles eben "nur ein altes Muster" das wir miteinander nachspielen, weil wir uns eben auch aufgrund unserer Geschichten da erkannt und gewĂ€hlt haben...oder...oder...oder...

Ach ich habe Fragezeichen soviele und ich bin traurig, so sehr und ratlos und es schmerzt mich was da passiert und ich fĂŒhle mich auch schuldig meinem Mann gegenĂŒber, meinen Kindern gegenĂŒber und in allerletzter Instanz, ganz am ender einer lange Liste auch mir gegenĂŒber bleibe ich etwas schuldig udn habe keine Idee, wie ich das in meinem Jetzt leben oder umsetzen soll.

Dieses System Ehe, eine Entscheidung fĂŒr lebenslang, mein Gott wie soll ich zu was Ja sagen, von dem ich noch nichts weiß, sehen oder erahnen kann. Ich kann ja sagen zu meinem Leben, weil ich das in der Hand habe, aber was darin an Beziehungen passiert, an VerĂ€nderungen, wie soll ich da jetzt verlĂ€sslich zu ja sagen, das beinhaltet ja schon das Verbot eines neins und das ist dann nicht freiwillig und dann ist das kein Ja sondern Angst und das ist dann nicht vereinbar mit Liebe und ein Irrtum davon zu sprechen und...scheiß Kopfkino...

Ich stoppe hier mal...

Erstmal konnte das raus und das ist schwer das auszusprechen, ganz viel Angst macht mir das grade :(
Tami
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Ansa 15. Juli 2012 12:08

Liebe Tami,

all das was Du schreibst, ist eine langjĂ€hrige Geschichte und fĂŒr mich (ich kenne Deine Geschichte nicht) sieht es so aus, als wĂŒrdest Du jeden kleinen Moment, jede Begebenheit, jedern Vorfall unendlich oft ĂŒberdenken, sezieren, reflektieren und in einen Zusammenhand setzen, der irgendwann in der Trennung Deiner Eltern begrĂŒndet liegt.

Mir fehlt, und das sind nur meine Gedanken, bitte versteh mich da nicht falsch, das fließen lassen.......... das annehmen, dessen was heute ist. Das Leben lassen. Mir kommt in den Sinn, das ich sagen möchte "denk nicht so viel - lebe doch einfach mal. Schau auf das, was da ist, was Du hast und nicht auf das, was einmal war."

Wir sind natĂŒrlich alle Menschen, die auf Grund ihrer eigenen persönlichen Sozialisation sich so und so entscheiden. Wir denken alle, aufgrund unserer Erfahrungen in bestimmte Richtungen, ich kann mich da nicht ausschließen. Aber, wir haben auch alle jederzeit die Entscheidungsgewalt ĂŒber uns und unser Leben. Wir mĂŒssen nichts widerholen, wenn wir das nicht wollen. Und das scheint mir eine Kernfrage zu sein, "Was willst Du fĂŒr Dich?" Kannst Du Dir das beantworten, ohne einmal an alle Dich umgebenden Menschen zu denken? Und natĂŒrlich, nachdem Du darĂŒber nachgedacht hast, auch an sie... an alle Beteiligten. Du kannst wĂ€hlen und, manchmal stehen wir an einem Platz im Leben, den wir einnehmen mĂŒssen, auch, weil wir die Verantwortung tragen, fĂŒr uns und fĂŒr andere. Aber das darf uns nicht fesseln sondern sollte uns nach vorn bringen.

Kannst Du los lassen, die Dinge annehmen wie sie sind? Das ist natĂŒrlich ein Gesichtspunkt aus der Individualpsychologie - nicht immer sehen, (bzw. hauptsĂ€chlich sehen) was war, sondern sehen was ist. Das ist der Punkt um den es geht. Die landlĂ€ufige Meinung aller Psychoanalysen legt Wert darauf, was war..... ich habe da eine sehr gegenteilige Meinung. NatĂŒrlich muss man, um sich zu verstehen, wissen was einmal war, aber nicht um jeden Preis, nicht um jeden Gedanken. Die Vergangenheit kann man nicht verĂ€ndern, nur das was jetzt um einen herum ist. Kannst Du diesen Punkt annehmen? Das ist wichtig, nicht trauern, sondern im hier und heute leben, was ist, denn das ist Dein Weg in die Zukunft. Und in erster Linie gehört dazu eine Annahme dessen, was ist. SĂ€mtliche Beziehungen sind so, wie sie sind - was Du daraus machst, wenn Du nach vorn schaust, das ist Dein Weg und er sollte das morgen bestimmen, denn das ist das Einzige was Du gestalten kannst.

Vielleicht liege ich komplett daneben, dann sieh es mir nach.

Alles Liebe Ansa
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 15. Juli 2012 19:39

Liebe Ansa,
danke fĂŒr deine Gedanken...ich werde spĂ€ter noch antworten. Bin jetzt mit einer Freundin verabredet um zu reden, das wird da etwas die Statik rausnehmen hoffe ich.
Und ja ich weiß, dass ich da verstrickt bin und sehr im Kopf, mein FĂŒhlen, das durchaus da ist, hier in vollem Ausmaß Preis zu geben kann und will ich grade nicht.
Bis spÀter
Tami
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 16. Juli 2012 01:26

Hi,
du schriebst von loslassen und annehmen liebe Ansa und das sind durchaus zwei Dinge, die Bedeutung fĂŒr mich haben.
Ich danke dir erstmal fĂŒr deine ausfĂŒhrliche Antwort...
Ja ich ĂŒberdenke vieles, das steht bei mir meist nach dem FĂŒhlen, das verstehen und einsortieren wollen. Das GefĂŒhl, da stimmt etwas nicht, es fĂŒhlt sich nicht stimmig an, nicht rund, nicht ok, nicht gut ist ja erstmal nur eine Wahrnehmung. Meins ist, damit ich damit umgehen kann, muss es fĂŒr mich deutlicher, verstĂ€ndlicher, greifbarer sein. Daher mein Versuch mich mit Dingen auseinander zu setzen.
Ich sehe es nicht so, dass das was in meinem Leben passiert in der Vergangenheit begrĂŒndet liegt, schon garnicht in der Geschichte meiner Eltern.
Ich sehe aber, dass es mich geprÀgt hat, dass mein Lebenslauf das heute hat entstehen lassen und das meint nicht, dass ich das nicht selbst beeinflusst habe, es meint lediglich, dass mein Wahrnehmen des jetzt von dem gefÀrbt ist, was ich bis dato erlebt habe, es macht mich und meine Wahrnehmung aus, nicht nur, aber auch...Was ich da zusammensetze und in Verbindung bringe bin ich, das alles ist Teil von mir.
Und wenn ich das systemisch betrachte und das tu ich gern, dann hĂ€ngt das alles zusammen, da gibt es Schleifen und Wiederholungen und Ähnlichkeiten...hm... Ich möchte mich fĂŒr diese Muster wachmachen, damit ich anders handeln kann und eben nicht "ferngesteuert" bin...

Das ist jetzt sehr philosopisch, ist halt meins :-)

Du fragst ob ich die Dinge annehmen kann wie sie sind und da mag ich nein sagen.
Ich kann ihnen meine Achtung und WertschĂ€tzung entgegenbringen, sehen wofĂŒr sie Sinn machen und ich darf dazu nein sagen und ÄnderungswĂŒnsche haben.
Ich kenne den Gedanken, dass VerĂ€nderung geschieht wenn ich aufhöre etwas dafĂŒr oder dagegen zu tun...lose lassen eben, Raum geben und Zeit, ja da kann ich etwas mit anfangen.
Ich steh aber noch vor dieser VerÀnderung, ich will noch schauen was war und was ich möchte das sein wird.
Ich finde es total schwer, wenn Sicherheit vermeintlich dadurch entsteht, dass etwas konstant und kontrollierbar ist, bekannt eben und Gewohnheit, weil dann eine verÀnderung ganz schnell beÀngstigend erscheint und nicht als Chance erlebt wird.
Und bei uns ist es im Moment so, dass mein Mann sich wĂŒnscht, dass alles so bleibt, bzw wieder so ist, wie es war und ich merke, dass sich da etwas Ă€ndert und dieses Festhalten an Altem zwar sehe und nachvollziehen kann, aber es kostet mich soviel Kraft, dass ich nach den letzten zwei Tagen glaube, dass ich uns / ihm den Schmerz und die Unsicherheit nicht ersparen kann, wir kommen da nicht drumrum, wenn wir zu zweit weitergehen wollen. Ja und das braucht eine Entscheidung und Mut.
Und grade spĂŒre ich da Trauer um das was wir da loslassen mĂŒssen, weil uns das ganz viel gegeben und ermöglicht hat, eine lange Zeit...ja.

Und deswegen ist da Trauer und die darf sein finde ich...das bedauern, dass da etwas zu Ende ist.

Tami
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Muckelmaus 16. Juli 2012 08:20

Guten Morgen liebe Tami und guten Morgen liebe Ansa!

Wie immer, habe ich ein Weilchen nachdenken mĂŒssen und wie immer bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken jetzt so in Worte fassen kann, dass sie verstĂ€ndlich werden. Aber ich will es versuchen und hoffe, dass ich niemandem zu nahe trete.

Eine Ehe basiert zunĂ€chst einmal auf diesem "Ja" zueinander und einem gemeinsamen Leben. Dieser Weg ist nicht vorhersehbar. Manchmal mit Steinen ĂŒbersĂ€ht und manchmal ganz gradlinig und leicht. Aber ich glaube auch, dass in den allermeisten Ehe (immer mal wieder vielleicht) ein Punkt kommt, an dem man diese Ehe, sich selbst, den Partner, die Lebensplanung hinterfragt. Meist schaut man dann auf die Summe seiner eigenen Erfahrungen zurĂŒck - schaut auf die Eltern, die Familie, auf die Geschwister. An diesem Punkt ist es wichtig, mit dem Partner zu reden, ihm zu sagen, was man fĂŒhlt, denkt, hofft. Das ist meist fĂŒr beide Seiten sehr schmerzhaft. Aber es bietet auch die Chance sich selbst und den Partner neu zu finden, die Beziehung auf eine neue Stufe zu stellen und daran zu arbeiten. Das ist enorm wichtig, finde ich.

Unsere Erfahrungen und Erlebnisse machen uns zu dem, was wir im Heute sind. Aber - und das sehe ich als große Chance und Herausforderung an - wir haben es in der Hand, mit diesen Erfahrungen das Heute und uns selbst zu gestalten, es nach unseren WĂŒnschen auszurichten.
Ich habe es hier sicher schon einmal geschrieben, dass ich auch diesen Weg habe gehen mĂŒssen. Meine Kindheit war geprĂ€gt von der AlkoholabhĂ€ngigkeit meiner Mutter und ĂŒberĂ€ngstlichen Großeltern, die mir ĂŒber lange Jahre predigten, dass ich aufpassen solle, was ich sage oder tue. Ansonsten sei ich schuld, wenn meine, inzwischen trockene, Mutter wieder zu trinken beginnt. Es hat mich geprĂ€gt und ich war, selbst im Erwachsenenalter, immer darauf bedacht, vorsichtig zu sein. Ich wollte auf keinen Fall fĂŒr einen eventuellen RĂŒckfall meiner Mutter verantwortlich sein. Mich hat es viele TrĂ€nen gekostet, bis ich begriff, dass meine Mutter ihr eigenes Leben lebte und fĂŒr sich die Entscheidungen traf. Ich habe ihr niemals die Flasche in die Hand gedrĂŒckt und sie zum Trinken gezwungen. Es war immer ihre eigene Entscheidung. Und ich begriff, dass ich mein Leben leben musste. UnabhĂ€ngig davon, ob meine Mutter trank oder nicht. Ich war fĂŒr mein Leben genau so verantwortlich, wie sie fĂŒr das ihre.
Als ich das fĂŒr mich klar hatte, ging es mir besser.

Ich denke, es wichtig, dass du - so wie Ansa schon schrieb - zunÀchst nach dir schaust und das was du dort findest, dann in den Zusammenhang mit deinem Mann, den Kindern und anderen, dir wichtigen Menschen, setzt. So lange du mit dir selbst nicht im Reinen bist, wird es schwer werden, ein Weiterkommen möglich zu machen.

In der Hoffnung, jetzt nicht absolut am Thema vorbei geschrieben zu haben, schicke ich dir viel Kraft, Mut, helfende HĂ€nde und Ohren.
Muckel

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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 16. Juli 2012 09:26

Guten Morgen liebe Muckel und liebe Ansa,

nein du bist in meinen Augen nicht am Thema vorbei, ich hab' da ja einfach ne Frage in denRaum geworfen, die mich grade beschÀftigt.
Sich seiner Verantwortung seinem Leben gegenĂŒber bewußt zu sein und der Entscheidungsmöglichkeiten find ich sehr wichtig und auch sehr schwer das immer zu bewerkstelligen.

Zu dem was du zur Ehe schreibst...hm... ich glaube dass dieses Wort, das was dahinter steckt an Bedeutung irgendwie manchmal genau das nicht möglich macht, in Beziehung sein.
Klar habe ich ja gesagt und das in diesem Moment so gefĂŒhlt und gemeint, aber darauf alles aufzubauen macht es fĂŒr mich starr und erzwungen.
Irgendwie wÀre es viel echter und authetischer, wenn dieses Ja ein Ja zu sich selbst wÀre und ein damit möchte ich mit einem anderen Menschen in Verbindnung sein.
So wie es sich fĂŒr mich nĂ€mlich grade anfĂŒhlt ist diese Ja zum anderen in einigen Momenten dann ein nein zu mir und da stimmt dann was nicht.
Und da glaube ich, dass dieses ja bis dass der Tod euch scheidet ein sich selbst und auch gesellschaftlich angebotener und auferlegter Zwang ist, der zwar Sicherheiten schaffen kann, der aber auch starr und unbeweglich macht, weil er keinen RĂŒckzug anbietet.
Ich habe mich soviel mit mir beschĂ€ftigen mĂŒssen, dass ich tatsĂ€chlich vieles hinterfrage und nochmal neu schaue, ob Entscheidungen, die ich vor langer Zeit getroffen habe heute noch GĂŒltigkeit haben oder ob es einfesthalten ist, an Gewohnheit und Sicherheit, anstatt VerĂ€nderung zuzulassen.

Ach das ist alles grade Kopf,
bei mir ist heute morgen so, dass ich mich nicht gut fĂŒhle, Druck auf der Brust habe, eben dieses Gewohnte suche um mich sicher zu fĂŒhlen udn gleichzeitig spĂŒre, dass dieses Aussprechen von dem was grade ist schon soviel verĂ€ndert, dass ich da im Moment grade schwimmen muss, da ist nicht die gewohnte Insel, sondern viel Wasser das in Bewegung ist.
Und im jetzt fÀllt mir das Atmen schwer und manchmal merk ich, dass ich das vor lauter Druck vergesse, dass ich die Luft anhalte.
Weitermachen....und weiteratmen, das steht grade an...

LG Tami
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Ansa 16. Juli 2012 10:00

Liebe Tami,

ich meinte auch mit annehmen, die Vergangeheit. Also, den Teil den Du zwar verĂ€ndern wĂŒrdest, wenn Du könntest, aber der einfach statisch ist und bleibt, egal, was Du Dir wĂŒnscht. Solange Du das so nicht annehmen kannst, und dagegen kĂ€mpfst (wogegen dann eigentlich) wird es leider nicht vorwĂ€rts gehen können.....

Muckel beschreibt das anhand er Problematik mit ihrer Mutter gut..... es war ihr Weg und sie hatte das Recht und auch die Pflicht, ihren Weg zu gehen, ansonsten gerÀt man ja in CoabhÀngigkeit, das will ja niemand bewusst tun.

Eine Ehe basiert, da gebe ich Muckel auch recht, zuerst einmal auf "ich will......... jetzt, momentan......." ich mein, ich bin geschieden, als Erste ĂŒberhaupt in meiner Herkunfstfamilie - ich hab nichts wiederholt oder weiter getragen..... ich hab nur fĂŒr mich entschieden, das ich mein Leben so leben darf, wie ich es brauche. Na gut, wĂ€re ich bei meinem Ex geblieben, was der gen wollte, nebenher, sozusagen, wĂ€re ich unter gegangen und das war es mir nicht wert.

Wenn man heiratet weiß man ja nicht, in welche Richtung man sich entwicklen wird, was das Leben einem bringt, wie sich die Dinge verĂ€ndern. Ich finde es gut und richtig, dann Entscheidungen treffen zu dĂŒrfen, die entgegen dem "bis das der Tod Euch scheidet" liegen, bei allen Interpretationsmöglichkeiten die wir heute haben, kann dieser "Tod" ja durchaus auch ein innerlicher sein? Und, historisch gesehen, vergessen wir ganz oft, frĂŒhere Ehen haben nie so lange gedauert, wie die heutigen.... das ist zwar ein unrĂŒhmliches Kapitel, aber noch vor hundert Jahren, starben die Menschen viel frĂŒher, die Frauen sowieso..... wir erwarten heute manchmal einfach zu viel von uns.

Im Gegensatz dazu steht der Trend "wenns nicht passt, dann geh ich halt....." den halte ich fĂŒr viel zu hastig im Alltag. Mein Exschwager ging auch von dannen, um dann festzustellen, das der Alltag, als er dann da war, sich in gar nichts von dem "alten" Alltag unterschied. Also packte er seine Sachen, ging zu seiner Frau und sagte wohl "das ist genauso wie hier, da kann ich auch bei Euch bleiben." Sie hat ihn wieder genommen, ich hĂ€tte das nicht getan....... aber wĂ€hrend ich heute glĂŒcklich bin und mit meinem Liebsten die schönsten 8 Jahre meines Lebens gelebt hab, bisher, sieht sie immer betrĂŒbt aus. man lĂ€sst sich eben nicht scheiden. Murks.... wenn die Liebe geht, leiden die Kinder ebenso, wenn die Eltern beieinander bleiben, als wĂŒrden sie sich entgĂŒltig trennen. Zumal, dann irgendwann die Liebe wiederkommt und das auch den Kinder zu Gute kommt. GlĂŒckliche Eltern sind fĂŒr Kinder viel wichtiger.

Man soll schon angemessen miteinander umgehen, fĂŒreinander kĂ€mpfen und Möglichkeiten suchen. Ich halte viel von guten Paarberatungen und Aufgaben, die diese da so stellen. Es gibt ĂŒbrigens ein Buch, (ich bin nicht so der Freund von Beziehungsratgebern - aber dieses ist echt klasse) es heißt "jetzt mache ich uns glĂŒcklich" von Susan Forward. Leider ist es vergriffen und man bekommt es schlecht, aber ich könnte es Dir ausleihen wenn Du magst. Anders als alle Ratgeber die ich kenne, arbeitet es nĂ€mlich damit, einem persönlich die Möglichkeiten zu eröffenen oder sich darĂŒber klar zu werden, mit allerlei Aufgaben. Mir war das sehr hilfreich.

Solche Aufgaben gab uns auch mal unser Paarberater, eine Woche lange bewusst zu sagen, was ich am anderen liebe und schÀtze, kein Mal darauf sehen, was blöd lÀuft..... oder nicht passt, sondern mal wahr nehmen, was gut ist. Denn wir neigen schon dazu, alles wahr zu nehmen, was schief liegt und vergessen das Schöne, das ist ja normal...... ist es eben nicht. So gar nicht.

Vielleicht musst Du fĂŒr Dich heraus finden, woher der Druck kommt, vieles, so scheint es mir von außen, kommt aus Dir, nur woher und fĂŒr wen..... "FĂŒr wen machst Du das" ist so eine Frage...... der man durchaus auf den Grund gehen sollte. Mitunter kommen da Dinge heraus, an die man gar nicht denkt. Damit Du weißt, was ich meine, mein Liebster hat oft gesagt, er habe den Eindruck, er wĂŒrde die Dinge nicht beenden und mĂŒsste Durchhalten lernen (beruflich, na ja, wenn ein Projekt zu Ende ist, ist halt fertig.....) irgendwann hab ich mal gefragt, woher denn diese Forderung an ihn selbst kĂ€me, wer hĂ€tte das von ihm gefordert? Und dann kam er darauf, das er das nie fĂŒr sich gehört habe, sondern diese Forderung seinen großen Bruder betraf, aber er hat geglaubt, das gĂ€lte auch fĂŒr ihn.... kann sehr spannend sein, dieser Frage "fĂŒr wen tust Du das" nachzugehen.

So, sei sanftmĂŒtig zu Dir und pass auf Dich auf
Ansa
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon miau 16. Juli 2012 10:07

Hallo Tami,

die Muster, die wir von unseren Eltern ĂŒbernommen haben, können wir durchbrechen. Den ersten Schritt dazu hast du schon getan, indem dir aufgefallen ist, dass deine Beziehung der deiner Eltern Ă€hnelt. - Das ist ein anerzogenes Muster. Wurde dir so vorgelebt und da es keine Alternative gibt, wird schleicht sich das "Vorbild" dann im eigenen Leben ein.

Die PrĂ€gungen aus deiner Kindheit können auch verĂ€ndert werden. Es gibt heute zum GlĂŒck verschiedene Methoden, die einen emotional das alte auflösen lassen und dann wir dann in einem neuen Weg völlig anders weiter gehen können. z.B. Klopftechnik wie EFT, TFT o.a., körperzentrierte Herzensarbeit, psychologische Kinesiologie nach Dr. Keding oder auch Aufstellungen/Rollenspiel.

Eine Ehe ist eine sinnvolle Angelegenheit. Bist du verheiratet? Irgendwie ist es komisch, aber bei der Ehe spielt der Gott dann plötzlich eine Rolle, als mahnende Instanz oder gar als Verbot. Als ob wir uns sonst an seine Gebote halten wĂŒrden, aber hier gibt es scheinbar eine HĂŒrde in uns, die wir als Gott definieren, die aber vielleicht in uns selbst begrĂŒndet liegt, wie z.b. unserer Einstellung zum Leben, zu Partnerschaft, zu Beziehungen.

viele GrĂŒĂŸe Micha
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Muckelmaus 16. Juli 2012 16:13

Hallo ihr Lieben alle!

Ich weiß nicht, ob man die Ehe bzw. die Konsequenzen und HĂŒrden daraus, an Gott festmachen kann.
Vielmehr denke ich, dass es uns allen von klein auf mit auf den Weg gegeben wurde - Treue, VerlĂ€sslichkeit, Liebe, Respekt usw. Die Tugenden, die zu einer Ehe, nach Meinung vieler, einfach dazu gehören. Immer mehr Paare verzichten auf den Trauschein und leben in "Wilder Ehe". Aber - tut eine Trennung in diesem Falle weniger weh, als das Auseinanderbrechen einer Ehe. Hat sich das Paar nicht bewusst gegen die Ehe, aber doch fĂŒreinander entschieden? Ich glaube da nicht wirklich an einen Unterschied.
An einer Ehe muss genau so gearbeitet werden, wie an einer ehelosen Beziehung (mir fÀllt gerade kein anderes Wort ein) auch. Es ist ein stÀndiges Beobachten, Hinterfragen, miteinander sprechen, ausloten, Möglichkeiten und Wege suchen und finden.
Oft ist es doch so, dass sich im Laufe der Jahre Unterschiede offenbaren, die zu Beginn der Ehe einfach noch nicht da waren. Tami hat doch hier ein gutes Beispiel gegeben. Ihr Mann möchte, dass alles so bleibt wie es war bzw. wieder so wird wie es war. FĂŒr sie aber fĂŒhlt sich das nicht mehr stimmig an. Sie hat den Wunsch nach VerĂ€nderung. VerĂ€nderung bedeutet aber ja nicht automatisch das Aus dieser Ehe. VerĂ€nderung kann auch als Chance begriffen werden, sich selbst und den Partner neu zu entdecken, neue Ziele zu definieren, die Ehe auf eine andere Stufe zu stellen. Ihr Mann hat Angst vor dieser VerĂ€nderung. Vielleicht resultiert diese Angst daraus, die "alte" Tami, die er zu lieben gelernt hat, zu verlieren. Das kann er sich nur allein beantworten.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 16. Juli 2012 17:53

Hey Ihr Lieben,
ich roll mal von hinten auf...
Liebe Muckel, ich finde mich da in einem Gedankengang von dir sehr wieder, nĂ€mlich, dass der Wunsch nach VerĂ€nderung von meiner Seite aus besteht und das die Sorge und den verlust von etwas fĂŒr meinen Mann bedeutet. Ich glaube dass in so langen Beziehungen es leicht passiert, dass man sein Bild davon wie der Partner ist festhalt bis irgendwann ĂŒber das aufeinander reagieren deutlich wird, dass die Diskepanz so groß ist, dass man da nicht dran vorbei kommt.
So fĂŒhlt es sich grade fĂŒr mich an...Und dennoch sehe und verstehe ich seinen Wunsch, es möge doch so bleiben wie es war, es war doch gut und das war es ja auch fast 20 Jahre lang.
Aber auch da hat VerĂ€nderung stattgefunden, nur dass es bis dato irgendwie noch halbwegs synchron war oder zumindest zwischenzeitlich immer wieder mal synchron. Momentan ticken wir völlig verschicken und mal passt es und dann zeiht es sich extrem an und mal gibt es eine Abstoßungsreaktion, dass uns Angst und Bange wird...

@Micha, ich glaube an Gott, allerdings habe ich es nicht so mit der Kirche als Institution, zu starr zu wenig weltoffen ist mir das...wenn ich in einen Gottesdienst gehe, dann weil ich dort Ruhe und Auszeit finde von meinem Alltag, nicht weil ich dort Anschluss finde an etwas, das meinen Alltag erweitert, es ist ein anderer Ort.
Ich tu mich schwer mit deinem "wir", ich erlebe "einen gott" nicht als mahnende Instanz, sondern viel mehr als eine Instanz, die mich begleitet, die mir Orientierung sein kann, von der ich mich beschĂŒtzt fĂŒhlen darf, das hat was mit Liebe fĂŒr die Menschen zu tun, in meiner Vorstellung und das schließt das Menschsein im Sinne von fehlbar sein mit ein.
Die morlaische Instanz ist eher etwas das anerzogen in mir stattfindet, wie man zu sein hat und wie nicht. Dagegen anzukommen, was prÀgend vermittelt wurde ist mitunter irre schwer. Das ist vielleicht das was du als vorgelebt und Muster bezeichnest...?

@Ansa, das ist interessant, ich bin nĂ€mlich der Meinung, dass ich jemand bin, der seine Vergangenheit in sein leben integriert hat und das verstehe ich unter annehmen. Das andere ist fĂŒr mich damit umzugehen, nicht kĂ€mpfen, hab' eher so das Bild wie ein TrödelhĂ€ndler, der altes zeug sammelt und irgendwann findet er in dieser Sammlung etwas das er gut brauchen kann, das plötzlich passt, das fĂŒr etwas gut ist...so sortiert sich das langsam, wenn ich immer wieder mal nachschaue was mein Trödel so macht.... :-)

Ich wĂŒnsche mir fĂŒr unsere Beziehung ein Bewußtsein von dem was ist und was wir haben und den Platz fĂŒr das was fehlt oder was wir uns noch wĂŒnschen. Nicht alles ist umsetzbar das ist mir völlig klar, aber es mal auszusprechen und damit in die RealitĂ€t zu holen, find ich wichtig. Das mag wie Unzufriedenheit aussehen, ich hab da aber ganz viel positives fĂŒhlen zu, zu den Möglichkeiten, die man sich da schaffen kann ĂŒber das eingestehen von dem was NOCH nicht ist...
Wo der Druck herkommt, ja dazu habe ich Ideen...werd da nochmal nachspĂŒren.

Als Frage in mir bleibt grade wie geht man mit dem nicht synchron sein um?

Liebe GrĂŒĂŸe und danke fĂŒr den Austausch
Tami
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Muckelmaus 16. Juli 2012 18:48

Hallo liebe Tami, liebe Ansa, liebe miau!

ZunĂ€chst möchte ich mal sagen, dass mich der Austausch mit euch bereichert und ich spĂŒre, dass er auch mich ein StĂŒck voran bringt in meinen Gedanken.

Wie erreicht man SynchronitÀt? Puhhhhhh - eine schwierige Frage.
Ich glaube, eine Ehe/Partnerschaft lĂ€uft nicht immer synchron und im Gleichklang. Es gibt immer wieder Situationen und Momente, in denen deutlich wird, das es gerade keinen Gleichklang gibt. Und das einer der Partner lieber den rechten Weg einschlagen möchte, wĂ€hrend der andere lieber den linken Weg bevorzugt. Das ist der Augenblick, in dem es herauszufinden gilt, ob man sich gemeinsam fĂŒr einen der beiden Wege entscheiden kann oder ob es vielleicht noch einen dritten Weg gibt, den man gemeinsam gehen kann.

Liebe Tami - die Angst und Sorge deines Mannes kann ich sehr gut verstehen. Weiß er doch nicht, was ihn mit einer verĂ€nderten Tami erwartet. Aber vielleicht kannst du ihm die Angst ein wenig nehmen, in dem du ihn einlĂ€dst, dich auf dem Weg der VerĂ€nderung zu begleiten. Lass ihn - sofern er es möchte - teilhaben an deinen Gedanken und GefĂŒhlen (wobei ich sicher bin, dass du das bereits tust). Höre genau in dich und spĂŒre nach, was dir gut tut, was sich stimmig anfĂŒhlt. Frage ihn, wie sich das fĂŒr ihn anfĂŒhlt und ob er sich vorstellen kann, damit umgehen zu können.

Das sind so meine ersten Gedanken zu deinem letzten Post.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon miau 16. Juli 2012 19:00

Hallo Tami,

mein Mann und ich befinden sich an einer Ă€hnlichen Weggabelung und ich habe keine Ahnung wie ich meine BedĂŒrfnisse mit den seinen unter einen Hut kriegen soll. FrĂŒher hieß es, wenn sich einer Ă€ndert, dann zieht der andere mit oder er ist weg. Heute kann ich das nicht mehr unterschreiben. Und zwar deshalb, weil es um mehr geht. Nicht darum, ob einer dem anderen folgt, sondern wie man den Weg gemeinsam gehen kann, trotz der Unterschiede. Denn diese waren es einst, das uns am anderen anzog. Und daheim sollte der andere dann "plötzlich" wie wir selbst sein. Das passt nicht zusammen. Und so Ă€hnlich ist es scheinbar heute: der Partner möchte anders sein als wir und besteht darauf, so wie wir auf unsere verĂ€nderung bestehen. Vielleicht finden wir noch im Laufe der Diskussion eine Lösung.

viele GrĂŒĂŸe Micha
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Ansa 16. Juli 2012 20:21

Liebe Tami,

ich finde den Austausch hier auch sehr bereichernd. Und, ich fĂŒr mich, habe den Eindruck, als suchtest Du in den "alten Dingen" um Lösungen fĂŒr das heute zu finden. Das muss gar nicht so sein, aber ich empfinde es so..... ich mag mich tĂ€uschen.

Ich war viele Jahre lang immer jemand, der sagte "vertrau auf Dein GefĂŒhl, wenn Du niemandem trauen magst, trau Deinem GefĂŒhl, es betrĂŒt Dich nicht." Und ehrlich, genau DAS tut es mitunter, wenn GefĂŒhle und Emotionen so konditoniert sind, das sie quasi auf "Auslöser" ablaufen, dann tĂ€uschen sie einen und zwar gewaltig. Da laufen Dinge ab, die heute gar nicht mehr so sind..... oft genug verbunden mit alten GlaubenssĂ€tzen (siehe bei meinem Liebsten, bring doch endlich mal was zu Ende) und, dann denke ich immer an Konrad Lorenz, der gesagt hat:

"Gesagt ist noch nicht gehört.
Gehört ist noch nicht zugehört.
Zugehört ist noch nicht verstanden.
Verstanden heißt noch nicht Einverstanden.
Einverstanden heißt noch nicht umgesetzt.
Umgesetzt heißt noch nicht Beibehalten."

Damit sagt er, es ist ein langer Weg, vom Hören ĂŒbers Verstehen und Begreifen und Umsetzen bis zur VerĂ€nderung. Ein Prozess, der seine Zeit braucht.

Die meisten Menschen fĂŒrchten sich so sehr vor VerĂ€nderungen, das sie lieber im Bekannten verharren. Grade MĂ€nner sind da sehr stark drin. "never change a running system" ĂŒbertragen sie gleich auf ihr Leben. Wozu was Ă€ndern ist doch alles schön..... und schön ist auch gleich gut so und kann so bleiben. Oft genug, merken sie nicht, wie die Wege sich dann trennen. Ich begreife solches heute als Chance, wieder zueinander finden und vielleicht auch mit Hilfe eines guten neutralen (das kann so wichtig sein, wie oft ĂŒberhört man wichtige Aussagen weil man so betroffen ist) Therapeuten oder Beraters. Kannst Du Dir das fĂŒr Euch vorstellen?

Solange Kompromissbereitschaft da ist und vor allem Liebe, solange lohnt es sich, miteinander zu gehen. Auch wenn Liebe manchmal nicht ausreicht. Ich sag Trennungseltern, die sich sorgen oft "Schau auf die Alternative - wie wĂ€re sie gewesen?" Und dann wird deutlich, das es eben nur einen anderen Weg gibt. Aber bis dahin, sollte man alles versuchen, sofern dass das Ziel beider ist. Mir hat meine Paarberatung damals sehr geholfen, war mein Ziel nĂ€mlich, wieder mit meinem Ex zusammen zu kommen, erkannte ich hier exakt "Mit dem? Nie wieder...." leider war es bei ihm umgekehrt, war sein Ziel "wie werde ich sie los" erkannte er dann "ohne sie will ich aber nicht" das war am Ende auch mein Untergang..... denn ĂŒberwunden hat er es viele Jahre nicht. Aber ich war mir so sicher, wie nie in meinem Leben.

Ich gebe Muckel und auch Micha Recht, eine Ehe lĂ€uft nicht immer synchron und eine wilde Ehe unterscheidet sich meiner Meinung nach sowieso nur im Unentschlossen sein von einer geschlossenen Ehe. Alles andere ist da Ă€hnlich. Vielleicht nur der Glaube, das einem der Partner leichter weg laufen könnte - was ein Trugschluss ist.... Eine Partnerschaft muss am Ende ausgeglichen sein, und darf auch mal schief sein, auch ĂŒber lĂ€ngere Zeit, nur am Ende muss die Waage wieder grade sein....

Liebe GrĂŒĂŸe
Ansa
Sei zĂ€rtlich mit den Kindern, mitfĂŒhlend mit den Alten, nimm Anteil an denen, die sich anstrengen, sei sanftmĂŒtig mit den Schwachen und geduldig mit den Starken; denn eines Tages wirst Du dies alles gewesen sein. (nach C.W. Carver)
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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Muckelmaus 17. Juli 2012 07:29

Guten Morgen Ihr Lieben!

Am Anfang des vergangenen Jahres verstarb mein Ex-Schwiegervater, der in meinem Herzen bis heute und trotz Trennung/Scheidung immer mein Schwiegervater, mein Vati blieb und bleibt.
Die Ehe mit seiner Frau hielt fast 60 Jahre, eine unvorstellbar lange Zeit. Eine Zeit - so wie er mir selbst einmal erzĂ€hlt hat - die getragen war von Liebe, Achtung voreinander, Respekt, tiefem Vertrauen. Aber und auch das hat er mir gesagt, es gab immer wieder Zeiten, in denen er sich eingeengt fĂŒhlte, allein, im Stillstand, unverstanden. Ja, auch er habe hin und wieder darĂŒber nachgedacht, ob eine Trennung nicht fĂŒr alle die bessere Lösung wĂ€re.
Trotz all dieser Momente hat er an der Ehe festgehalten, hat sie mit getragen und erarbeitet - im Vertrauen darauf, dass auch meine Schwiegermutter Àhnliche Krisen durchlebt und trotzdem zu dieser Ehe, zu ihm und zu der Familie stand.
Wenn man die beiden im Umgang miteinander sah, spĂŒrte man, dass auch oder gerade nach so vielen gemeinsamen Jahren Liebe da war, Respekt und ein unbedingtes Vertrauen ineinander, weil sie wussten, was sie gemeinsam geschafft hatten.
Wie sehr wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, irgendwann einmal auf mein/unser Leben zurĂŒckblicken zu können und sagen zu können, dass meine Ehe ein Erfolg war. Meine erste Ehe ist gescheitert und nur mit viel MĂŒhe und Anstrengung haben mein Exmann und ich eine Basis miteinander geschaffen, die man heute als Freundschaft bezeichnen kann. Ob meine zweite Ehe hĂ€lt, will ich mir wĂŒnschen und ich bin bereit, viel dafĂŒr zu geben. Ob es reichen wird?

AnsaŽs Zitat von Konrad Lorenz bringt es eigentlich auf den Punkt. Sagt es doch aus, dass es ein langer Weg sein kann, bis die Partner wieder synchron sind. Aber sind sie es, so ist das noch keine Garantie, dass diese SynchronitÀt auch bleibt.

Liebe GrĂŒĂŸe
Muckel

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Re: ESK- Trennung als Muster???

Beitragvon Tamara22 17. Juli 2012 09:19

Guten Morgen,
ich kann leider nur kurz, melde mich spÀter nochmal.

Liebe Muckel, ich hatte gefragt wie man damit umgeht, wenn es nicht synchron ist und du hast das umformuliert in wie erreicht man SynchronitÀt.
Das fand ich ganz spannend, weil es eben das verdeutlicht was ich meine...es ist schwer das nicht da sein auszuhalten und der Wunsch nach SynchronitÀt ist da...
Ich frage mich halt was mach ich damit, dass es nicht so ist, damit ich nicht darum kĂ€mpfen muss, etwas herzstellen, das aus welchen GrĂŒnden auch immer eben nicht da ist.
Das soll nicht heißen, dass ich resigniere und nicht die Idee habe es Ă€ndern zu wollen, es ist ein Drahtseilakt finde ich zwischen dem, etwas zu akzeptieren das ist oder eben nicht ist und dem Wunsch und der Umsetzung von VerĂ€nderung (-sarbeit). Und dann ist da noch die Frage nach dem von Ansa am Anfang...fliessen lassen....

Das andere was mir so in die Augen fiel war dieser Begriff "die Ehe", was ist denn fĂŒr euch die Ehe?
Ich kann dazu Ă€mlich keine ReprĂ€sentation finden...ich denke oder fĂŒhle da in Beziehung zu meinem Mann und in Familie mit den Kindern und uns und auch einen freundschaftlichen Anteil kann ich da finden, aber die Ehe sagt mir nichts.

Wir mein Mann und ich waren gestern Abend unterwegs, was trinken, Eis essen, spazieren und hatten Spaß, haben keine Probleme gewĂ€lzt, keine Themen angeschnitten, das hat gut getan. Was aber aufkam war eben ein Gedankenaustausch zu diesem Thema, Ehe...und ich merke, dass ich da heute wesentlich reflektierter bin und viel weniger mit dem Begriff anfangen kann. Was ich damit verbinde so aus dem GesprĂ€ch gestern heraus ist ist ein von generationen mitgegebener Weg, (Zwang), das wie man etwas tut und was als nĂ€chstes dran ist, Hochzeit, Familie...Kinder bekommen...da spricht niemand von Beziehung und der Gestaltung, und dass es da Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass aus dem Ja, das man sich mal gegeben hat ein gefĂŒhltes "ich will das " erhalten bleibt und eben nicht ĂŒber die zeit daraus wird "ich kann ja nicht nein sagen"...dieser Zwang, der ist auch gesellschaftlich auferlegt, so sehe ich das, es ist eng das Korsett, weil es in der Fassung Ehe halten soll, das war schon immer so...und da geht es dann nicht darum wie man in Beziehung ist und dass auch ein nicht in Kontakt sein eine Form davon ist.


War nun doch etwas lÀnger, merke aber auch und da danke ich euch, dass es anfÀngt sich zu sortieren, bzw. falsch, ICH fange an zu sortieren ;-)
Bis spÀter freu mich auf eure Gedanken dazu und schick meine zu euren auch noch.
Lieben Gruß Tami
Change it, love it or leave it.
Tamara22
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